Was macht eine Physiotherapeutin?
Am Anfang jeder Behandlung steht ein Befund: Wie weit lässt sich das Gelenk bewegen, wo sitzt der Schmerz, welche Muskeln sind zu schwach, wie geht der Patient. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, der sich am ärztlichen Rezept und am Ziel des Patienten orientiert. In der Behandlung selbst wird geübt, mobilisiert, gedehnt, angeleitet und korrigiert. Dazu kommen manuelle Techniken an Gelenken und Muskulatur, Lymphdrainage, Elektrotherapie, Wärme- und Kälteanwendungen oder Training an Geräten.
Die Arbeit ist stark unterschiedlich, je nach Ort. In der Praxis kommen Patienten mit Rückenschmerzen, Sportverletzungen, Arthrose oder nach Knie- und Hüftoperationen, meist im Takt von zwanzig bis dreißig Minuten. Im Krankenhaus wird direkt am Bett gearbeitet, oft am ersten Tag nach der Operation, teils auf der Intensivstation mit Atemtherapie. In der Neurologie geht es um Menschen nach Schlaganfall oder mit Multipler Sklerose, in der Pädiatrie um Kinder mit Entwicklungsstörungen. Dokumentation, Abrechnungsnachweise und Absprachen mit Ärzten und Pflege gehören dazu.
Wie wird man Physiotherapeut?
Üblich ist die dreijährige schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule oder einer Schule an einem Klinikum, mit theoretischem Unterricht in Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre und Bewegungslehre sowie Praktika in verschiedenen Fachbereichen. Am Ende steht die staatliche Prüfung und die Berufserlaubnis. Voraussetzung ist mindestens ein mittlerer Schulabschluss. Ausbildung an privaten Schulen kann Schulgeld kosten, an öffentlichen Schulen und Kliniken gibt es eine Ausbildungsvergütung.
Daneben gibt es primärqualifizierende Bachelorstudiengänge, die Berufsabschluss und akademischen Grad verbinden. Wer schon im Beruf steht, kann berufsbegleitend studieren. Wichtiger für das Einkommen und die Arbeit sind in der Praxis die Zertifikatsweiterbildungen: Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, Krankengymnastik am Zentralnervensystem, Sportphysiotherapie.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist körperlich fordernd. Viel Stehen, Bücken, Halten und Umlagern, dazu die Belastung von Händen, Schultern und Rücken. Wer ausschließlich manuell arbeitet, merkt das nach Jahren. Der Zeitdruck in Praxen ist hoch, weil die Vergütung durch die Krankenkassen kurze Behandlungseinheiten erzwingt; Pausen fallen oft aus, Dokumentation bleibt liegen. Im Krankenhaus kommen Wochenend- und Feiertagsdienste vor.
Hinzu kommt die emotionale Seite: Nicht jede Behandlung führt zum Erfolg, manche Patienten üben zu Hause nicht mit, andere haben chronische Verläufe ohne Aussicht auf Besserung. Es braucht Geduld, Nähe zu fremden Körpern und die Fähigkeit, Menschen zu motivieren, ohne sie zu überfordern. Die Bezahlung gilt gemessen an der Verantwortung und der Ausbildungsdauer als niedrig, besonders in kleinen Privatpraxen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst mit der Alterung der Bevölkerung. Stellen sind praktisch überall zu finden, viele Praxen und Kliniken suchen dauerhaft. Wer sich spezialisiert, kann sich die Arbeitsstelle aussuchen. Entwicklungswege führen in die fachliche Spezialisierung, in die Leitung einer Klinikabteilung, in die Lehre an einer Berufsfachschule oder in die eigene Praxis. Selbstständigkeit bringt mehr Verdienstmöglichkeiten, aber auch Abrechnungsaufwand, Personalverantwortung und wirtschaftliches Risiko. Der Weg zum Direktzugang ohne ärztliche Verordnung wird berufspolitisch diskutiert, ist aber in Deutschland noch nicht die Regel.