Was macht ein Sportwissenschaftler?
Sportwissenschaftler beschäftigen sich mit den biologischen, medizinischen und sozialen Grundlagen von Bewegung. Der Alltag hängt stark vom Arbeitsfeld ab. In der Leistungsdiagnostik führen sie Laktattests, Spiroergometrien und Kraftmessungen durch, werten Daten aus und leiten daraus Trainingsempfehlungen ab. In der Rehabilitation stellen sie Bewegungsprogramme für Menschen nach Operationen, Herzerkrankungen oder Rückenbeschwerden zusammen und begleiten Gruppen im Trainingsraum. In der betrieblichen Gesundheitsförderung analysieren sie Arbeitsplätze, halten Rückenschulungen und organisieren Bewegungsangebote für Belegschaften.
An Hochschulen und Instituten kommt der forschende Teil hinzu: Studien planen, Probanden rekrutieren, Messreihen im Labor durchführen, Bewegungsanalysen mit Kraftmessplatten und Videosystemen auswerten, Daten statistisch aufarbeiten und Ergebnisse publizieren. Im Verbandssport arbeiten Sportwissenschaftler in Trainerstäben, planen Saisonzyklen, überwachen Belastungssteuerung und werten Wettkampfdaten aus. Ein erheblicher Teil der Arbeit besteht überall aus Dokumentation, Auswertung am Rechner und Gesprächen mit Ärzten, Trainern oder Kunden.
Wie wird man Sportwissenschaftler?
Der Weg führt über ein Hochschulstudium. Bachelorstudiengänge heißen Sportwissenschaft, Sport und Gesundheit, Bewegungswissenschaft oder Sportökonomie und dauern sechs Semester. An vielen Hochschulen ist eine sportpraktische Eingangsprüfung zu bestehen, die Grundfertigkeiten in Leichtathletik, Schwimmen, Turnen und Mannschaftsspielen abfragt. Für die meisten fachlichen Stellen ist ein Master üblich, etwa in Trainings- und Bewegungswissenschaft, Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation oder Sportmanagement. Für Forschung und Lehre folgt eine Promotion.
Zusatzqualifikationen entscheiden oft über den Zugang zu konkreten Stellen: Trainerlizenzen der Fachverbände, Übungsleiterlizenzen für Rehabilitationssport, Fortbildungen in medizinischer Trainingstherapie oder Kenntnisse in Statistik und Programmierung. Ein Quereinstieg aus Physiotherapie, Sportmedizin oder dem Leistungssport ist möglich, meist über einen berufsbegleitenden Master.
Was der Beruf verlangt
Das Fach ist beliebt, die Zahl der Absolventen hoch, die Zahl klar umschriebener Stellen dagegen begrenzt. Viele beginnen mit befristeten Verträgen, Teilzeitstellen oder auf Honorarbasis, besonders an Hochschulen und in Vereinen. Wer im Vereins- oder Verbandssport arbeitet, hat Abend- und Wochenendtermine, Wettkampfreisen und Trainingslager. In Reha-Einrichtungen und Fitnessbetrieben liegen die Arbeitszeiten dort, wo Kunden Zeit haben, also nachmittags und abends.
Körperlich ist die Arbeit weniger belastend als in der Pflege, aber Stehen, Demonstrieren von Übungen und lange Tage im Trainingsraum gehören dazu. Fachlich verlangt der Beruf Genauigkeit bei Messungen, Sicherheit im Umgang mit Statistik und die Fähigkeit, Menschen mit sehr unterschiedlicher Motivation zum Mitmachen zu bringen. Wer nur Sport treiben möchte, ist im falschen Beruf: Der Anteil an Schreibtischarbeit ist hoch.
Aussichten
Gefragt sind vor allem die gesundheitsnahen Felder. Prävention, betriebliche Gesundheitsförderung, Rehabilitation und die Versorgung älterer Menschen wachsen, ebenso die Auswertung von Bewegungs- und Trainingsdaten. Wer medizinisches Wissen, Datenanalyse oder Managementkompetenz mitbringt, findet leichter unbefristete Stellen. Entwicklungswege führen in die Leitung von Trainingszentren und Reha-Einrichtungen, in Positionen bei Krankenkassen und Verbänden, in die Selbstständigkeit als Diagnostiker oder Berater sowie über die Promotion in Forschung und Lehre.