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Ergotherapeut

Ergotherapeuten helfen Menschen, alltägliche Handlungen wieder selbst auszuführen – vom Anziehen nach einem Schlaganfall bis zur Rückkehr in den Beruf. Sie arbeiten mit Kindern, Erwachsenen und alten Menschen in Kliniken, Praxen und Einrichtungen.

103 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Ergotherapeut verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 2.400 € 2.750 € 3.050 € 33.000 €
Mit Berufserfahrung 2.800 € 3.200 € 3.600 € 38.400 €
Mit langjähriger Erfahrung 3.200 € 3.700 € 4.500 € 44.400 €

Entscheidend ist die Tarifbindung: Im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Trägern richtet sich die Bezahlung nach TVöD beziehungsweise AVR (meist Entgeltgruppe 7 bis 9), in privaten Praxen liegen die Gehälter oft deutlich darunter. Leitungsfunktionen, Zusatzqualifikationen wie Handtherapie und eine eigene Praxis heben das Niveau, letztere allerdings mit unternehmerischem Risiko.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Ergotherapeut?

Ergotherapie setzt dort an, wo eine Krankheit, eine Verletzung oder eine Behinderung die Handlungsfähigkeit einschränkt. Nach einem Schlaganfall geht es darum, wieder eine Tasse zu greifen, ein Hemd zuzuknöpfen, eine Mahlzeit zuzubereiten. Bei Kindern mit Entwicklungsverzögerung geht es um Stifthaltung, Gleichgewicht, Konzentration. In der Psychiatrie geht es um Tagesstruktur, Belastbarkeit und soziale Kontakte.

Der Arbeitstag besteht aus Einzel- und Gruppenbehandlungen, meist im Zwanzig- bis Sechzig-Minuten-Takt. Am Anfang steht immer eine Befunderhebung: Welche Bewegungen sind möglich, welche Hilfsmittel sind nötig, was will die Patientin überhaupt wieder können. Daraus entsteht ein Behandlungsplan mit konkreten Zielen. Dazu kommen Beratung von Angehörigen, Anpassung von Wohnraum und Arbeitsplatz, Schienenbau für die Hand, Hilfsmitteltraining mit Rollator, Greifzange oder Esshilfe – und Dokumentation, die einen erheblichen Teil der Arbeitszeit beansprucht.

Wie wird man Ergotherapeut?

Üblich ist die dreijährige schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Ergotherapie mit staatlicher Prüfung. Voraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss. Viele Schulen sind in privater Trägerschaft und erheben Schulgeld, das mehrere hundert Euro im Monat betragen kann; in der schulischen Ausbildung gibt es zudem keine Vergütung. An öffentlichen Schulen und in Modellen mit Klinikanbindung ist die Ausbildung kostenfrei oder wird bezahlt. Parallel existieren primärqualifizierende Bachelorstudiengänge sowie ausbildungsintegrierende Modelle, die Berufszulassung und Studienabschluss verbinden. Für Quereinsteiger ist der Weg immer die vollständige Ausbildung – die Berufsbezeichnung ist geschützt.

Was der Beruf verlangt

Ergotherapie ist körperlich fordernd: Patienten werden gestützt, umgesetzt, mobilisiert, viel Arbeit findet im Stehen oder in gebeugter Haltung statt. Rückenprobleme sind verbreitet. Emotional belastend sind Verläufe, die sich nicht verbessern, und Patienten, die keine Fortschritte machen wollen oder können. Wer Erfolg an sichtbaren Ergebnissen messen will, wird enttäuscht – oft geht es um kleine Schritte über Monate.

Die Arbeitszeiten sind vergleichsweise planbar, meist tagsüber, in Kliniken teils mit Wochenenddiensten. In Praxen drückt der Zeittakt: Die Vergütung durch die Krankenkassen ist knapp bemessen, entsprechend hoch ist die Zahl der Behandlungen pro Tag. Dokumentation, Verordnungsprüfung und Formalien mit Kassen kosten Zeit, die nicht am Patienten verbracht wird. Das Gehaltsniveau gilt im Verhältnis zur Qualifikation als niedrig, besonders in privaten Praxen.

Aussichten

Die Nachfrage ist stabil und steigt mit der Alterung der Bevölkerung, in Geriatrie, Neurologie und Rehabilitation besonders. Freie Stellen gibt es in vielen Regionen mehr als Bewerber, ein Wechsel ist entsprechend leicht. Entwicklungswege führen in Spezialisierungen wie Handtherapie, Bobath, Sensorische Integration oder Arbeitsplatzberatung, in Leitungspositionen therapeutischer Abteilungen, in die Lehre an Ergotherapieschulen oder in die eigene Praxis. Ein Bachelor- oder Masterstudium öffnet Wege in Forschung und Fachhochschullehre.

Aufgaben

  • Befunde erheben und Behandlungsziele mit Patienten abstimmen
  • Alltagshandlungen wie Anziehen, Essen oder Kochen trainieren
  • Feinmotorik, Kraft und Beweglichkeit gezielt üben
  • Handschienen anpassen und Hilfsmittel erproben
  • Kinder in Wahrnehmung, Konzentration und Motorik fördern
  • Angehörige beraten und Wohnraum oder Arbeitsplatz anpassen
  • Behandlungsverläufe dokumentieren und Berichte an Ärzte schreiben
  • Gruppentherapien in Psychiatrie oder Geriatrie leiten

Voraussetzungen

  • Staatliche Anerkennung als Ergotherapeutin oder Ergotherapeut
  • Mittlerer Schulabschluss für die Ausbildung, teils Vorpraktikum
  • Geduld und Ausdauer bei langsamen Behandlungsfortschritten
  • Körperliche Belastbarkeit für Heben, Stützen und Arbeit im Stehen
  • Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit Patienten und Angehörigen
  • Sorgfalt bei Dokumentation und Abrechnung
  • Handwerkliches Geschick, etwa für Schienenbau

Wo man arbeitet

  • Praxen für Ergotherapie
  • Akutkrankenhäuser und Rehabilitationskliniken
  • Psychiatrische Kliniken und Tageskliniken
  • Pflegeheime und geriatrische Einrichtungen
  • Förderschulen und Frühförderstellen
  • Werkstätten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung

Der Weg in den Beruf

Der Regelweg ist die dreijährige schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Ergotherapie, die mit einer staatlichen Prüfung und der geschützten Berufsbezeichnung endet. Alternativ führen primärqualifizierende Bachelorstudiengänge in drei bis vier Jahren zur Berufszulassung. An privaten Schulen fällt häufig Schulgeld an, eine Ausbildungsvergütung gibt es nur in klinikgebundenen Modellen.

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