Das Anschreiben ist der einzige Teil einer Bewerbung, in dem Sie selbst sprechen. Der Lebenslauf zeigt, was war; die Zeugnisse zeigen, wie andere es bewertet haben. Das Anschreiben beantwortet die Frage, die keines der beiden Dokumente beantwortet: Warum diese Stelle, warum dieses Unternehmen, warum Sie?
Damit ist auch gesagt, was es nicht ist. Es ist keine Zusammenfassung des Lebenslaufs in Prosa. Wer die Stationen noch einmal in ganzen Sätzen aufzählt, verlangt von der lesenden Person, dieselbe Information zweimal aufzunehmen – und liefert beim zweiten Mal weniger Struktur als beim ersten.
Wer liest, und wie lange
In den meisten Unternehmen sichtet zuerst die Personalabteilung, danach die Fachabteilung. Der erste Durchgang ist eine Vorauswahl und dauert kurz. Er beantwortet drei Fragen: Passt die Qualifikation grundsätzlich? Passt der zeitliche Rahmen? Gibt es einen erkennbaren Grund, warum sich diese Person hier bewirbt?
Für das Anschreiben folgt daraus eine praktische Regel: Die Antwort auf diese drei Fragen gehört nach oben, nicht in den letzten Absatz. Ein Text, dessen entscheidender Satz auf Seite eins unten steht, wird oft nicht bis dorthin gelesen.
Der Aufbau
Vier Absätze reichen, und mehr passen auf eine Seite auch nicht.
Erstens: der Einstieg. Er nennt die Stelle, die Quelle und den Grund. Der Grund ist der einzige Teil, der Arbeit macht. "Ich bewerbe mich auf die ausgeschriebene Stelle" ist kein Grund, sondern eine Wiederholung des Betreffs.
Zweitens: die Passung. Zwei, höchstens drei Punkte aus der Ausschreibung, zu denen Sie etwas Konkretes zu sagen haben. Nicht alle. Wer alle abarbeitet, schreibt eine Liste und keinen Text.
Drittens: der Bezug zum Unternehmen. Warum dort und nicht anderswo. Das ist der Absatz, den die meisten weglassen, und der Absatz, an dem sich eine gezielte Bewerbung von einer verschickten unterscheidet.
Viertens: der Schluss. Verfügbarkeit, gegebenenfalls Gehaltsvorstellung, ein Satz zum Gespräch. Sachlich, ohne Konjunktiv.
Der Einstieg
Der erste Satz sollte etwas enthalten, das nicht in jeder anderen Bewerbung steht. Am einfachsten geht das über einen inhaltlichen Bezug: eine Aufgabe aus der Ausschreibung, die Sie schon gemacht haben, eine Veränderung im Unternehmen, ein Produkt, mit dem Sie gearbeitet haben.
Vermeiden Sie den Einstieg über sich selbst ("Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen"). Er ist inhaltsleer, und er steht in ungefähr jeder zweiten Bewerbung. Vermeiden Sie ebenso den Einstieg über den Konjunktiv ("Ich würde mich freuen"). Der Konjunktiv nimmt jeder Aussage die Verbindlichkeit.
Belege statt Adjektive
Der häufigste Fehler im Mittelteil sind Eigenschaftswörter ohne Beleg: teamfähig, belastbar, engagiert, kommunikationsstark. Sie kosten Platz und sagen nichts, weil niemand das Gegenteil über sich schreibt.
Ersetzen Sie jedes dieser Wörter durch das, woraus Sie es ableiten. Statt "belastbar" schreiben Sie, dass Sie zwei Jahre im Dreischichtbetrieb gearbeitet haben. Statt "teamfähig" nennen Sie die Größe des Teams und Ihre Rolle darin. Wer als Pflegefachkraft Dienstpläne mitverantwortet hat, schreibt genau das – das Adjektiv ergibt sich beim Lesen von selbst.
Die Probe: Streichen Sie einen Satz. Wenn die Bewerbung dadurch nicht schwächer wird, war er überflüssig.
Der Bezug zum Unternehmen
Hier genügt oft ein einziger, aber konkreter Satz. Er muss zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen befasst haben – nicht, dass Sie die Selbstbeschreibung von der Startseite abschreiben können.
Brauchbare Anknüpfungspunkte sind das Produkt, der Markt, die Größe des Betriebs, die Region, eine besondere Arbeitsweise oder eine Veränderung, die in der Ausschreibung durchscheint (eine neu geschaffene Stelle, ein Aufbauthema, eine Nachfolge). Unbrauchbar sind Superlative über die Marktstellung des Unternehmens. Die kennt Ihr Gegenüber schon.
Form
Eine Seite. Kein zweites Blatt, auch nicht knapp.
Absender, Empfänger, Datum, Betreff, Anrede, Text, Grußformel, Unterschrift. Die Anrede geht an eine Person, wenn die Ausschreibung eine nennt – und die nennt sie meistens. "Sehr geehrte Damen und Herren" ist nicht falsch, aber es ist der Beleg dafür, dass niemand nachgesehen hat.
Der Betreff nennt die Stellenbezeichnung genau so, wie sie ausgeschrieben ist, und die Referenznummer, falls es eine gibt. In größeren Unternehmen laufen mehrere Verfahren parallel; die Nummer ist dort kein Formalismus, sondern der Grund, warum Ihre Unterlagen im richtigen Ordner landen.
Als Datei: PDF, ein Dokument, sprechender Dateiname. Ein Anhang namens "Anschreiben final 3 neu.pdf" ist kein Beinbruch, aber er ist auch kein guter erster Eindruck.
Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit
Wenn die Ausschreibung nach der Gehaltsvorstellung fragt, gehört sie hinein – eine Bewerbung, die eine ausdrücklich gestellte Frage übergeht, fällt auf. Nennen Sie eine Jahresbruttozahl oder eine enge Spanne, keine offene Formulierung. Wie man zu dieser Zahl kommt und wann man sie besser noch nicht nennt, steht in Gehalt verhandeln.
Bei der Verfügbarkeit rechnen Sie Ihre Kündigungsfrist ein. Welche für Sie gilt, ist keine Frage des Gefühls, sondern des Vertrags und des Gesetzes – siehe Kündigung und Kündigungsfristen.
Was Sie weglassen können
Fotos gehören nicht ins Anschreiben, sondern allenfalls in den Lebenslauf. Angaben zu Familienstand, Konfession oder Alter gehören nirgendwohin, solange sie für die Tätigkeit keine Rolle spielen. Formulierungen wie "über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen" können Sie durch "Über ein Gespräch freue ich mich" ersetzen und sparen dabei nichts als Luft.
Auch der Satz, dass Sie "gerne bereit sind, sich in neue Themen einzuarbeiten", darf weg. Das wird vorausgesetzt.
Wann gar kein Anschreiben nötig ist
Immer mehr Ausschreibungen verzichten ausdrücklich darauf, besonders bei gewerblichen und pflegerischen Tätigkeiten und in Verfahren, die über ein Onlineformular laufen. Wenn dort kein Feld dafür vorgesehen ist, schreiben Sie keines. Ein Anschreiben, das niemand angefordert hat, verzögert nur.
Umgekehrt gilt: Wo die Ausschreibung eines verlangt, ist das Fehlen ein Ausschlussgrund, und zwar ein leicht vermeidbarer.
Wenn Sie sich auf mehrere Stellen bewerben, schreiben Sie nicht acht Texte von Grund auf neu. Sinnvoll ist ein Grundgerüst, bei dem Einstieg und Unternehmensbezug jedes Mal neu entstehen und der Mittelteil angepasst wird. Der Unterschied zwischen einer angepassten und einer unveränderten Bewerbung fällt beim Lesen sofort auf – und er entscheidet häufiger als die Qualifikation.
Welche Stellen überhaupt in Frage kommen, sehen Sie in den offenen Stellenangeboten.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.