Was macht ein Physiotherapeut?
Physiotherapeuten behandeln Patienten, deren Bewegungsapparat geschädigt oder eingeschränkt ist: nach einem Bandscheibenvorfall, nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks, nach einem Schlaganfall, bei Rheuma oder chronischen Rückenschmerzen. Am Anfang steht ein Befund. Gelenke werden auf Beweglichkeit geprüft, Muskelkraft getestet, Gang und Haltung beobachtet, Schmerzen lokalisiert. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, der sich an der ärztlichen Verordnung orientiert.
Die Behandlung selbst besteht aus Bewegungsübungen, manuellen Techniken an Gelenken und Muskeln, Massagen, Dehnungen, Übungen an Geräten sowie Anwendungen mit Wärme, Kälte, Strom oder Ultraschall. Ein großer Teil der Arbeit ist Anleitung: Patienten lernen Übungen für zuhause, korrigieren ihre Haltung, üben das Aufstehen mit einer Prothese. In der Neurologie geht es um das Wiedererlernen von Bewegungsmustern, in der Pädiatrie um die motorische Entwicklung von Kindern. Jede Behandlung wird dokumentiert, Verordnungen werden abgerechnet, Berichte gehen an die verordnenden Ärzte.
Wie wird man Physiotherapeut?
Der übliche Weg ist eine dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie mit staatlicher Prüfung und Anerkennung. Voraussetzung ist mindestens ein mittlerer Schulabschluss. Viele Schulen sind in privater Hand und erheben Schulgeld, das mehrere hundert Euro im Monat betragen kann - an staatlichen und an Schulen von Kliniken fällt es weg. Daneben gibt es primärqualifizierende Bachelorstudiengänge, die den Beruf direkt mit einem Hochschulabschluss verbinden, sowie ausbildungsbegleitende und aufbauende Studiengänge. Ein Wechsel aus anderen Gesundheitsberufen ist möglich, verkürzt die Ausbildung aber kaum. Nach der Anerkennung folgen meist Zertifikatsweiterbildungen in Manueller Therapie, Manueller Lymphdrainage, Krankengymnastik am Gerät oder Bobath, weil erst sie höher vergütete Leistungen abrechenbar machen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Wer den ganzen Tag mobilisiert, hebt, stützt und manuell behandelt, belastet Hände, Schultern und Rücken - Beschwerden der eigenen Handgelenke sind in diesem Beruf verbreitet. Der Takt in Praxen ist eng: zwanzig Minuten pro Verordnung sind die Regel, Pausen fallen aus, wenn ein Termin überzieht. Dazu kommt die emotionale Seite. Manche Patienten machen große Fortschritte, andere werden nicht mehr gesund, und Fortschritt hängt oft daran, ob jemand zuhause übt. Arbeitszeiten liegen meist zwischen früh und spät am Abend, in Praxen oft mit Randzeiten für Berufstätige, in Kliniken mit Wochenend- und Feiertagsdiensten. Die Bezahlung gilt seit Jahren als zu niedrig für die Qualifikation, besonders in kleinen Privatpraxen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst mit einer älter werdenden Bevölkerung; freie Stellen gibt es fast überall, viele Praxen suchen dauerhaft. Wer sich spezialisiert, findet leichter besser bezahlte Positionen, etwa in der Sportphysiotherapie, in der Neurorehabilitation oder in der Lymphologie. Weitere Wege führen in die Leitung einer Abteilung in Klinik oder Reha-Einrichtung, in die Lehre an Physiotherapieschulen oder in eine eigene Praxis - dort kommt betriebswirtschaftliche Verantwortung dazu, dafür lässt sich der Verdienst steuern. Ein Bachelor- oder Masterstudium öffnet Türen in Wissenschaft und Qualitätsmanagement.