Was macht ein Physiotherapeut?
Am Anfang jeder Behandlung steht ein Befund: Gelenke werden auf Beweglichkeit geprüft, Muskelkraft getestet, Gang und Haltung beobachtet, Schmerzen lokalisiert. Auf dieser Grundlage entsteht ein Behandlungsplan, der sich an der ärztlichen Verordnung orientiert. Die Behandlung selbst besteht aus angeleiteten Übungen, manuellen Techniken an Gelenken und Weichteilen, Lymphdrainage, Massage sowie Anwendungen mit Wärme, Kälte, Strom oder Ultraschall.
Der Alltag ist getaktet. In einer Praxis stehen zwanzig bis dreißig Minuten pro Patient zur Verfügung, häufig acht bis zwölf Behandlungen am Tag, dazwischen Dokumentation und Umlagerung der Geräte. In der Klinik geht es um Frühmobilisation nach Operationen, Atemtherapie auf der Intensivstation, Gangschule mit Prothesen. In der Neurologie werden Bewegungsmuster nach Schlaganfällen über Wochen neu aufgebaut. In der Pädiatrie arbeitet man mit Kindern und deren Eltern, in der Geriatrie mit sehr alten Menschen, bei denen Fortschritte klein bleiben. Zur Arbeit gehört immer auch Beratung: Übungen für daheim, Hinweise zu Belastung im Beruf, Hilfsmittelversorgung.
Wie wird man Physiotherapeut?
Üblich ist die dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule oder Physiotherapieschule, oft an eine Klinik angebunden. Voraussetzung ist in der Regel der mittlere Schulabschluss. Der Unterricht umfasst Anatomie, Physiologie, Bewegungslehre, Krankheitslehre und die Behandlungstechniken; dazu kommen Praktika in verschiedenen Fachbereichen. Am Ende steht die staatliche Prüfung und die Berufsurkunde.
Parallel gibt es primärqualifizierende Bachelorstudiengänge, teils dual, die ebenfalls zur Berufszulassung führen. Ein wichtiger Teil der Qualifikation liegt nach der Ausbildung: Zertifikatskurse in Manueller Therapie, Manueller Lymphdrainage, Krankengymnastik am Gerät oder Bobath entscheiden darüber, welche Leistungen abgerechnet werden dürfen. Diese Kurse kosten Geld und Urlaubstage, wenn der Arbeitgeber sie nicht trägt. Ein echter Quereinstieg ohne Ausbildung ist ausgeschlossen, der Beruf ist erlaubnispflichtig.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Wer den ganzen Tag manuell behandelt, belastet Hände, Handgelenke, Schultern und Rücken; Umlagern schwerer Patienten kommt in der Klinik täglich vor. Die eigene Körperhaltung im Blick zu behalten, fällt bei dichter Taktung schwer. Dazu kommt die emotionale Seite: chronische Schmerzpatienten, ausbleibende Fortschritte, Menschen, die ihre Übungen nicht machen.
Die Bezahlung gilt im Verhältnis zur Verantwortung als niedrig, besonders in kleinen Privatpraxen. Der Zeitdruck durch die Vergütungssätze der gesetzlichen Kassen ist ein Dauerthema, ebenso Dokumentation und Verordnungsformalien. In Kliniken und Rehaeinrichtungen sind Wochenenddienste verbreitet, ansonsten sind die Arbeitszeiten planbarer als in der Pflege. Teilzeit ist gut möglich.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst mit der Zahl älterer Menschen. Praxen und Kliniken suchen dauerhaft Personal, Stellen finden sich in nahezu jeder Region, Wechsel sind ohne lange Suche möglich. Entwicklungswege führen über Spezialisierungen, etwa in Sportphysiotherapie, Neurologie oder Beckenbodentherapie, in die Leitung eines Therapieteams, in die Lehre an einer Physiotherapieschule oder in eine eigene Praxis. Selbstständigkeit bringt mehr Verdienstmöglichkeiten, aber auch Abrechnungs- und Betriebsrisiko. Ein Bachelor- oder Masterabschluss öffnet Wege in Forschung und Hochschullehre.