Was macht eine Payroll-Fachkraft?
Jeden Monat muss das Geld pünktlich und in der richtigen Höhe auf den Konten der Beschäftigten sein. Payroll-Fachkräfte, im Deutschen meist Lohn- und Gehaltsbuchhalter genannt, sorgen dafür. Sie pflegen die Personalstammdaten, erfassen Ein- und Austritte, Elternzeiten, Krankheitstage über die Lohnfortzahlung hinaus, Sachbezüge wie Dienstwagen oder Jobticket, Sonderzahlungen, Pfändungen und betriebliche Altersversorgung. Aus diesen Daten läuft die Abrechnung in einem System wie SAP HCM, DATEV Lodas, Sage oder P&I LOGA. Anschließend werden Lohnsteueranmeldung, Beitragsnachweise für die Krankenkassen, Meldungen zur Sozialversicherung, Bescheinigungen und Zahlungsläufe erstellt.
Ein großer Teil der Arbeit ist Prüfen und Erklären. Warum ist das Netto in diesem Monat niedriger, wie wirkt ein Steuerklassenwechsel, was passiert bei einem Wechsel in Teilzeit. Payroll ist die Stelle, an die diese Fragen kommen. Dazu kommen Betriebsprüfungen der Deutschen Rentenversicherung und Lohnsteueraußenprüfungen, für die Unterlagen aufbereitet werden müssen.
Wie wird man Payroll-Fachkraft?
Der häufigste Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Steuerfachangestellte, Industriekauffrau oder Kauffrau für Büromanagement, und anschließende Spezialisierung. Übliche Zusatzqualifikationen sind die Fortbildung zur Fachkraft Lohn und Gehalt oder zum Personalfachkaufmann bei den Industrie- und Handelskammern. Auch aus dem Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Personal oder Steuern kommen Bewerber. Der Quereinstieg ist möglich und verbreitet, meist aus der Finanzbuchhaltung oder der Personalsachbearbeitung, weil Erfahrung mit Zahlen und Sorgfalt zählt und Fachwissen im Betrieb aufgebaut werden kann. Ohne Kenntnisse im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht kommt allerdings niemand weit.
Was der Beruf verlangt
Der Rhythmus ist unerbittlich. Zum Abrechnungstermin, meist um die Monatsmitte oder das Monatsende, entsteht jedes Mal Druck, weil Fristen gegenüber Behörden und Kassen nicht verhandelbar sind. Urlaub muss um diese Termine herum geplant werden. Fehler sind sichtbar und unangenehm, weil sie unmittelbar das Einkommen von Kollegen treffen und rückwirkend korrigiert werden müssen.
Das Rechtsgebiet ändert sich ständig: Beitragssätze, Freibeträge, Meldeverfahren, Mindestlohn, Regelungen zu Inflationsausgleich oder Homeoffice-Pauschalen. Wer nicht regelmäßig Fachliteratur liest und Seminare besucht, verliert den Anschluss. Verschwiegenheit ist Pflicht, da Gehälter, Pfändungen und Krankheitsdaten aller Beschäftigten offen einsehbar sind. Die Arbeit findet überwiegend am Bildschreibtisch statt, Homeoffice ist in vielen Unternehmen möglich.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Regionen höher als das Angebot. Jedes Unternehmen mit Personal braucht Abrechnung, und die rechtliche Komplexität in Deutschland verhindert bislang, dass Software die Fachkräfte ersetzt. Sie verlagert die Arbeit aber: weg vom Erfassen, hin zum Prüfen von Sonderfällen und zum Betreuen der Systeme. Entwicklungswege führen zur Teamleitung Payroll, zur Spezialisierung auf internationale Abrechnung oder Expatriates, in die Rolle des Fachberaters bei Softwareanbietern und Lohnbüros oder in die Prozessbetreuung von Abrechnungssystemen. Wer beides beherrscht, Recht und System, ist gut aufgestellt.