Was macht ein Unternehmensberater?
Unternehmensberater arbeiten projektweise für Kunden, die ein Problem nicht selbst lösen wollen oder können: ein Werk produziert zu teuer, eine Bank muss neue Regulierung umsetzen, ein Mittelständler will eine Firma zukaufen, eine Verwaltung führt eine neue Software ein. Der Berater sammelt Daten, führt Interviews mit Mitarbeitern und Führungskräften, rechnet Szenarien durch und formuliert daraus Empfehlungen. Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Tabellenkalkulation und Präsentationsfolien, ein weiterer aus Gesprächen und Workshops. In Umsetzungsprojekten übernimmt der Berater zeitweise Aufgaben in der Linienorganisation des Kunden, etwa die Steuerung eines Programmbüros.
Die Bandbreite ist groß. Strategieberatungen arbeiten für Vorstände an wenigen Wochen langen Projekten, IT- und Prozessberatungen begleiten Einführungen über Jahre, spezialisierte Häuser beraten zu Personal, Einkauf, Restrukturierung oder Nachhaltigkeitsberichten. Auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und die Beratungsarme großer IT-Konzerne beschäftigen Zehntausende Berater.
Wie wird man Unternehmensberater?
Der übliche Weg führt über ein Hochschulstudium, meist Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Mathematik oder Physik. Formal ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt, jeder darf sich Unternehmensberater nennen. Die großen Häuser wählen dennoch scharf aus: gute Noten, kurze Studiendauer, Praktika, Auslandserfahrung und englische Sprachkenntnisse. Das Auswahlverfahren umfasst Fallstudien, in denen ein Geschäftsproblem live durchgerechnet wird.
Daneben gibt es den Quereinstieg aus der Industrie. Wer zehn Jahre Produktionsplanung, Krankenhausorganisation oder Bankenregulierung kennt, wird als Fachexperte eingestellt, oft direkt auf einer höheren Stufe. Ein dritter Weg ist die Selbstständigkeit als Einzelberater, meist nach längerer Zeit in einer Festanstellung, weil ohne Netzwerk kaum Aufträge zustande kommen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind lang. Sechzig Stunden in der Woche sind in Projektphasen normal, Wochenendarbeit vor wichtigen Terminen kommt vor. Viele Häuser arbeiten weiterhin mit Reisemodellen, bei denen man von Montag bis Donnerstag beim Kunden vor Ort ist und im Hotel wohnt. Das lässt sich mit Familie oder festen Bindungen nur mit Mühe vereinbaren, und genau daran scheitern viele nach einigen Jahren.
Hinzu kommt der Leistungsdruck. Beförderung folgt in vielen Firmen dem Prinzip, dass man nach zwei bis drei Jahren aufsteigt oder geht. Ergebnisse müssen auch dann geliefert werden, wenn die Datenlage dünn ist. Wer im Kundenunternehmen als Bote schlechter Nachrichten gilt, muss mit Widerstand umgehen können. Verlangt werden strukturiertes Denken, Ausdauer, Auftreten vor Führungskräften und die Bereitschaft, sich in kurzer Zeit in fremde Branchen einzuarbeiten.
Aussichten
Der Markt ist konjunkturabhängig. In guten Jahren stellen die Beratungen stark ein, in Abschwüngen werden Einstellungen gestoppt und Verträge nicht verlängert. Stabile Nachfrage besteht bei IT-Transformation, Regulierung, Energie und Restrukturierung. Innerhalb der Firmen führt der Weg vom Analysten über den Projektleiter bis zum Partner, der Aufträge akquiriert und am Umsatz beteiligt ist. Die Mehrheit bleibt jedoch nicht bis dorthin, sondern wechselt nach einigen Jahren in die Industrie, oft in Strategie-, Finanz- oder Geschäftsführungsfunktionen. Diese Ausstiegsoption ist für viele der eigentliche Grund, den Beruf zu ergreifen.