Was macht ein technischer Controller?
Technische Controller begleiten Projekte in Anlagenbau, Bauwesen, Maschinenbau, Energiewirtschaft oder IT von der Kalkulation bis zur Schlussrechnung. Sie erstellen Projektbudgets, buchen Kosten auf Kostenstellen und Arbeitspakete, vergleichen laufend Soll und Ist und rechnen aus, wie viel Geld und Zeit bis zur Fertigstellung noch nötig sind. Wenn ein Gewerk teurer wird als geplant, ist es ihre Aufgabe, das früh zu erkennen und zu beziffern, nicht erst bei der Abrechnung.
Dazu kommen Leistungsstandsbewertungen, Nachtragsmanagement, Rückstellungen für Gewährleistung, Cashflow-Planungen und die monatliche Berichterstattung an Projektleitung und Geschäftsführung. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Daten aus SAP, MS Project, Primavera oder Excel-Landschaften zusammenzuführen und Auskunft von Bauleitern, Konstrukteuren und Einkäufern zu bekommen, die ihre Zahlen nicht immer gepflegt haben. Bei Großprojekten kommen Konsortialabrechnungen, Währungsrisiken und Anzahlungsbürgschaften hinzu.
Wie wird man technischer Controller?
Der häufigste Weg ist ein Studium: Wirtschaftsingenieurwesen, Bauingenieurwesen mit Baubetrieb, Maschinenbau mit betriebswirtschaftlicher Vertiefung oder Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Controlling. Auch Absolventen des Wirtschaftsrechts oder der Volkswirtschaft finden Einstiege, brauchen dann aber technisches Verständnis, das sie sich im Projekt aneignen müssen.
Ein zweiter Weg führt über die Praxis. Technische Kaufleute, Industriekaufleute mit Weiterbildung zum Controller oder Bilanzbuchhalter, Techniker und Meister mit kaufmännischer Zusatzqualifikation wechseln aus der Kalkulation, dem Einkauf oder der Bauabrechnung ins Controlling. Wer aus der technischen Ausführung kommt, hat den Vorteil, Aussagen der Projektteams einschätzen zu können. Zertifikate wie der Certified Controller der Controller Akademie oder eine Projektmanagement-Zertifizierung nach IPMA oder PMI helfen beim Einstieg, ersetzen aber keine Projekterfahrung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist stark termingetrieben. Monatsabschluss, Quartalsberichte und Forecast-Runden erzeugen wiederkehrende Belastungsspitzen mit Überstunden, dazwischen ist es ruhiger. Die Position ist strukturell unbequem: Technische Controller müssen unangenehme Zahlen aussprechen, auch wenn Projektleiter, die im Bonus an Ergebnissen hängen, sie lieber später hören würden. Ohne die Fähigkeit, Widerspruch auszuhalten und sachlich zu bleiben, wird die Rolle zur Dauerreibung.
Gefordert sind sehr gute Excel-Kenntnisse, Sicherheit in ERP-Systemen, Verständnis für Bilanzierung nach HGB und oft IFRS sowie die Bereitschaft, sich in technische Sachverhalte einzulesen. Bei internationalen Projekten kommen Englisch und Reisen zu Baustellen oder Werken hinzu. Wer nur rechnen und nicht nachfragen will, scheitert, weil die Zahlen im System selten die Realität auf der Baustelle abbilden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in Branchen mit großen, langlaufenden Projekten hoch: Energieinfrastruktur, Bahn, Verteidigung, Anlagenbau, öffentliche Bauvorhaben. Steigende Kosten und knappe Budgets haben den Bedarf an belastbarer Projektsteuerung eher erhöht. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Controlling-Bereichs, ins kaufmännische Projektmanagement mit Ergebnisverantwortung, in Richtung Claim- und Vertragsmanagement oder in die Projektleitung selbst. Auch der Wechsel in die Unternehmensplanung oder ins Beteiligungscontrolling ist üblich.