Was macht ein SAP FI/CO Consultant?
FI steht für Financial Accounting, CO für Controlling – die beiden SAP-Module, in denen Buchhaltung, Bilanzierung, Kostenrechnung und Deckungsbeitragsanalysen abgebildet werden. Ein SAP FI/CO Consultant sorgt dafür, dass diese Module zu den tatsächlichen Prozessen eines Unternehmens passen. Das beginnt mit Gesprächen in der Fachabteilung: Wie läuft der Rechnungseingang, wer gibt Zahlläufe frei, welche Kostenstellen und Kostenarten braucht das Controlling, wie soll der Monatsabschluss ablaufen. Aus diesen Anforderungen entstehen Konzepte, danach folgt das Customizing – die Konfiguration im System, ohne zu programmieren.
Dazu kommen Tests, Datenmigration aus Altsystemen, Schulungen für Key User und die Begleitung des Produktivstarts. Im laufenden Betrieb übernehmen Consultants den Support: Ein Zahlungsavis wird nicht verarbeitet, eine Abschreibung läuft falsch, ein Bericht zeigt abweichende Zahlen. Viele Projekte drehen sich derzeit um die Umstellung von SAP ERP auf S/4HANA, weil in FI/CO das neue Universal Journal die bisherige Trennung von Finanzbuchhaltung und Controlling aufhebt.
Wie wird man SAP FI/CO Consultant?
Es gibt keine Ausbildung, die direkt in diesen Beruf führt. Der häufigste Weg ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesen, danach der Einstieg als Junior Consultant bei einem Beratungshaus, das intern schult und zertifiziert. Der zweite, ebenso verbreitete Weg ist der Quereinstieg aus der Praxis: Wer als Bilanzbuchhalter oder Controller jahrelang mit SAP gearbeitet hat, kennt die Prozesse besser als jeder Absolvent und wechselt über die Rolle des Key Users in die Beratung oder Inhouse-Betreuung. Fachwissen in Buchhaltung nach HGB und IFRS ist wichtiger als Programmierkenntnisse, ABAP-Grundlagen helfen aber beim Verständnis. SAP-Zertifizierungen sind bei Beratungshäusern üblich und werden meist vom Arbeitgeber bezahlt.
Was der Beruf verlangt
Projektarbeit heißt Reisen. Wer in der externen Beratung arbeitet, ist oft von Montag bis Donnerstag beim Kunden, teils monatelang am selben Standort, teils wechselnd. Homeoffice hat das gemildert, aber nicht abgeschafft. Vor Go-Live-Terminen und in Abschlussphasen wird es lang – Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse dulden keine Verschiebung, und Fehler im Finanzmodul haben unmittelbar bilanzielle Folgen. Man muss zwischen zwei Welten übersetzen: Buchhalter, die ihre Prozesse verteidigen, und IT-Teams, die auf Standards drängen. Ständige Weiterbildung gehört dazu, weil SAP das Produkt laufend ändert. Wer lieber inhouse arbeitet, tauscht Reisetätigkeit gegen dauerhafte Zuständigkeit für ein System und dessen Altlasten.
Aussichten
Die Nachfrage ist seit Jahren hoch und wird durch das Wartungsende der alten ERP-Generation weiter getrieben; Tausende Unternehmen müssen migrieren, und erfahrene FI/CO-Berater sind knapp. Entwicklungswege führen zum Senior Consultant, zur Projekt- oder Programmleitung, zum Solution Architect oder in die Spezialisierung, etwa auf Konsolidierung, Treasury, Anlagenbuchhaltung oder Group Reporting. Viele wechseln nach einigen Beratungsjahren in eine Inhouse-Rolle mit ruhigeren Arbeitszeiten oder machen sich als Freelancer selbstständig, wo die Tagessätze hoch, die Auftragslage aber vom Projektmarkt abhängig ist.