Bilanzbuchhalter
Bilanzbuchhalter erstellen Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse nach HGB, oft auch nach IFRS, und verantworten die laufende Buchführung eines Unternehmens. Sie sind Ansprechpartner für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsführung.
114 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Bilanzbuchhalter verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.400 € | 4.000 € | 4.700 € | 48.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.200 € | 5.000 € | 6.000 € | 60.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.200 € | 6.200 € | 8.000 € | 74.400 € |
Entscheidend sind Betriebsgröße und Branche: Konzerne mit IFRS-Abschlüssen und tarifgebundene Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie oder der Chemie zahlen deutlich mehr als kleine Steuerkanzleien oder Mittelständler ohne Tarifbindung. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach dem TVöD, meist Entgeltgruppe 9 bis 11.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Bilanzbuchhalter?
Bilanzbuchhalter sorgen dafür, dass die Zahlen eines Unternehmens stimmen und die gesetzlichen Fristen eingehalten werden. Sie buchen und prüfen Geschäftsvorfälle in Debitoren-, Kreditoren- und Anlagenbuchhaltung, stimmen Konten ab, bilden Rückstellungen und Abgrenzungen, bewerten Vorräte und Forderungen und erstellen daraus den Monats- oder Jahresabschluss nach HGB. In Konzernen kommt die Rechnungslegung nach IFRS hinzu, dazu Konsolidierung und Intercompany-Abstimmungen.
Zum Alltag gehören außerdem Umsatzsteuervoranmeldungen, statistische Meldungen, die Zusammenarbeit mit der Lohnabrechnung und die Betreuung von Betriebsprüfungen und Jahresabschlussprüfungen. Wirtschaftsprüfer fordern Belege und Nachweise an, Bilanzbuchhalter liefern sie und erklären Buchungslogiken. Viele arbeiten daneben an der Weiterentwicklung von Prozessen mit: Automatisierung von Rechnungseingängen, Umstellungen im ERP-System, Aufbau von Kontenplänen.
Wie wird man Bilanzbuchhalter?
Der klassische Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, meist Steuerfachangestellte oder Industriekaufleute, mehrere Jahre Praxis in der Finanzbuchhaltung und dann die Fortbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter vor der Industrie- und Handelskammer. Diese Prüfung gilt als anspruchsvoll, die Durchfallquoten sind hoch; die Vorbereitung dauert je nach Modell ein bis zweieinhalb Jahre und läuft häufig abends oder am Wochenende neben dem Beruf.
Ein zweiter Weg ist das Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Accounting. Akademiker steigen oft direkt in Abschlusstätigkeiten ein, holen die IHK-Fortbildung aber teils später nach, weil sie in der Praxis als Nachweis gilt. Quereinstieg ist möglich, aber nur über den Umweg der einfachen Buchhaltung: Wer aus einem anderen kaufmännischen Bereich kommt, beginnt in der Kreditorenbuchhaltung und arbeitet sich hoch. Ohne belastbare Kenntnisse in HGB, Steuerrecht und einem gängigen System wie SAP, DATEV oder Microsoft Dynamics geht es nicht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist detailgenau und fristgebunden. Ein Fehler in der Bewertung oder eine vergessene Rückstellung kann den Abschluss verzerren und im schlimmsten Fall steuerliche Folgen haben. Wer Zahlen nur grob mag, ist hier falsch. Die Belastung verteilt sich ungleichmäßig über das Jahr: Der Jahresabschluss und die Monatsabschlüsse bringen Spitzen mit Überstunden, dazwischen ist es ruhiger. Homeoffice ist in vielen Unternehmen möglich, weil die Arbeit weitgehend am Bildschirm stattfindet.
Rechtliche Grundlagen ändern sich laufend, Fortbildung ist Pflicht und nicht Kür. Dazu kommt der Druck, Prozesse zu digitalisieren: Standardbuchungen werden zunehmend automatisiert, gefragt sind Menschen, die Sachverhalte beurteilen und Systeme betreuen können, nicht solche, die nur erfassen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Jedes bilanzierungspflichtige Unternehmen braucht Menschen mit diesem Wissen, und der Nachwuchs reicht nicht aus, weil viele Buchhalter altersbedingt ausscheiden. Steuerberatungskanzleien und Mittelstand suchen dauerhaft.
Entwicklungswege führen zur Teamleitung Finanzbuchhaltung, zum Leiter Finanz- und Rechnungswesen oder in Richtung Konzernrechnungslegung und IFRS-Spezialisierung. Mit dem Abschluss zum Geprüften Bilanzbuchhalter International oder einem Steuerberaterexamen erweitert sich das Feld zusätzlich. Auch der Wechsel ins Controlling oder in die Beratung bei ERP-Einführungen ist üblich.
Aufgaben
- Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse nach HGB erstellen
- Konten abstimmen und Sachverhalte in der Finanzbuchhaltung buchen
- Rückstellungen, Abgrenzungen und Bewertungen bilden und dokumentieren
- Umsatzsteuervoranmeldungen und statistische Meldungen abgeben
- Wirtschaftsprüfer und Betriebsprüfer mit Nachweisen versorgen
- Anlagenbuchhaltung und Abschreibungen führen
- bei Konzernabschlüssen konsolidieren und nach IFRS überleiten
- Buchhaltungsprozesse und ERP-Einstellungen weiterentwickeln
Voraussetzungen
- kaufmännische Ausbildung oder BWL-Studium mit Schwerpunkt Rechnungswesen
- Fortbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter (IHK) oder vergleichbare Qualifikation
- sichere Kenntnisse in HGB und Grundzügen des Steuerrechts
- Praxis in einem Buchhaltungssystem wie SAP, DATEV oder Dynamics
- Genauigkeit, Belastbarkeit in Abschlussphasen und Diskretion
- gute Excel-Kenntnisse, bei Konzernen zusätzlich Englisch
Wo man arbeitet
- Finanzabteilungen von Industrie- und Handelsunternehmen
- Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien
- Shared Service Center von Konzernen
- Verbände, Stiftungen und öffentliche Einrichtungen
- Banken und Versicherungen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist eine dreijährige kaufmännische Ausbildung, danach mehrere Jahre Praxis in der Finanzbuchhaltung und die berufsbegleitende Fortbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter vor der IHK, die ein bis zweieinhalb Jahre dauert. Alternativ führt ein Bachelor in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Accounting in den Beruf. Beide Wege setzen laufende Fortbildung zu Änderungen im Bilanz- und Steuerrecht voraus.
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