Was macht ein Projektmanager Unternehmensentwicklung?
Unternehmensentwicklung heißt: das Unternehmen soll morgen anders arbeiten als heute. Ein Vertriebsbereich wird neu zugeschnitten, zwei Standorte werden zusammengelegt, ein Zukaufunternehmen wird integriert, ein Warenwirtschaftssystem ersetzt, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgebaut. Projektmanager in diesem Feld übernehmen solche Vorhaben von der ersten Analyse bis zur Übergabe in den Regelbetrieb.
Der Alltag besteht zu großen Teilen aus Gesprächen und Unterlagen. Zahlen werden aus Controlling, Personalabteilung und Fachbereichen zusammengetragen und zu einer belastbaren Entscheidungsgrundlage verdichtet. Danach folgen Projektpläne, Meilensteine, Budgets, Risikolisten. In Workshops werden Prozesse aufgenommen und neu gezeichnet, in Lenkungskreisen wird der Stand berichtet, mit Betriebsrat und Führungskräften wird über Auswirkungen verhandelt. Ein erheblicher Teil der Arbeit ist Nachhalten: prüfen, ob zugesagte Aufgaben erledigt wurden, und eskalieren, wenn nicht.
Wie wird man Projektmanager Unternehmensentwicklung?
Üblich ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftspsychologie. Ein Direkteinstieg nach dem Bachelor ist möglich, häufiger kommen Bewerber aus einer vorgelagerten Station: aus einer Unternehmensberatung, aus dem Controlling, aus dem Prozess- oder Qualitätsmanagement oder aus einer Fachabteilung, in der sie das Geschäft kennengelernt haben. Wer aus der Beratung wechselt, bringt Methodik mit, wer aus dem Betrieb kommt, bringt Kenntnis der Abläufe mit; beides ist gefragt.
Ein klassischer Ausbildungsberuf führt nicht direkt hierher, ein Quereinstieg über Praxis und Weiterbildung ist aber realistisch. Zertifikate wie IPMA, PMP oder PRINCE2, dazu Kenntnisse in agilen Vorgehensmodellen und Erfahrung mit Veränderungsbegleitung sind gängige Nachweise. Wichtiger als jedes Zertifikat ist ein Nachweis, dass man ein Projekt schon einmal zu Ende gebracht hat.
Was der Beruf verlangt
Die Position hat viel Verantwortung und wenig formale Macht. Projektmanager müssen Menschen zu Mitarbeit bewegen, die ihnen nicht unterstellt sind und deren Tagesgeschäft ohnehin schon voll ist. Widerstand ist normal, weil Veränderungsprojekte Zuständigkeiten, Gewohnheiten und manchmal Stellen betreffen. Wer Konflikte scheut oder gemocht werden möchte, hat es hier schwer.
Die Arbeitszeiten sind regelmäßig lang, besonders vor Lenkungskreisen und zu Projektabschlüssen. Reisen zu Standorten gehören in größeren Unternehmen dazu, in Konzernen oft mit englischsprachigen Runden. Verlangt werden saubere Analyse, präzise Formulierung, Ausdauer bei Detailarbeit und die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte auf drei Folien zu bringen. Belastend ist außerdem, dass Erfolge selten eindeutig zugeordnet werden können und Projekte durch Entscheidungen von oben abgebrochen oder umgeworfen werden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, weil Digitalisierung, Zukäufe, Kostenprogramme und regulatorische Anforderungen laufend Projekte erzeugen. In Rezessionsphasen verschiebt sich der Schwerpunkt von Wachstums- zu Effizienzthemen, der Bedarf bleibt. Entwicklungswege führen zur Leitung eines Projektportfolios oder eines Project Management Office, in die Leitung der Unternehmensentwicklung oder Strategieabteilung, in eine Fachbereichsleitung oder in die selbstständige Beratung. Der Beruf ist eine der üblichen Vorstufen für Geschäftsführungspositionen im Mittelstand.