Zum Inhalt springen
Weitere Berufe

Prozessmanager

Prozessmanager analysieren, dokumentieren und verbessern Arbeitsabläufe in Unternehmen und Behörden. Ziel ist es, Durchlaufzeiten zu verkürzen, Fehler zu verringern und Abläufe über Abteilungsgrenzen hinweg aufeinander abzustimmen.

8 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Prozessmanager verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 3.400 € 4.000 € 4.700 € 48.000 €
Mit Berufserfahrung 4.400 € 5.300 € 6.300 € 63.600 €
Mit langjähriger Erfahrung 5.800 € 7.000 € 9.000 € 84.000 €

Am stärksten wirken Branche und Betriebsgröße: In Banken, Versicherungen und der Industrie mit Tarifbindung, etwa nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie oder dem privaten Bankgewerbe, liegen die Gehälter deutlich über denen kleiner Mittelständler. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach TVöD oder TV-L, meist Entgeltgruppe 11 bis 13, mit engerer Spanne und geringerem Spitzenwert.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Prozessmanager?

Prozessmanager kümmern sich darum, wie Arbeit in einem Unternehmen tatsächlich abläuft: vom Eingang einer Bestellung bis zur Rechnung, von der Reklamation bis zur Gutschrift, von der Einstellung bis zum Arbeitsvertrag. Sie führen Interviews mit den Mitarbeitenden, die einen Ablauf ausführen, zeichnen den Ist-Zustand in Modellen auf, meist in BPMN, und suchen nach Stellen, an denen Vorgänge liegenbleiben, doppelt erfasst oder mehrfach geprüft werden. Aus dieser Analyse entsteht ein Soll-Prozess, der mit den betroffenen Bereichen abgestimmt, in Systemen abgebildet und anschließend eingeführt wird.

Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation. Prozesse enden selten an Abteilungsgrenzen, und die Beteiligten haben unterschiedliche Interessen. Wer Abläufe ändert, greift in Zuständigkeiten und Gewohnheiten ein. Dazu kommt Messarbeit: Kennzahlen definieren, Daten aus ERP- oder Ticketsystemen ziehen, auswerten, dem Management berichten. In größeren Häusern gehören Process Mining, die Pflege eines Prozessportals und die Vorbereitung von Zertifizierungen oder Audits dazu.

Wie wird man Prozessmanager?

Es gibt keine geschützte Ausbildung. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Industrial Engineering. Genauso häufig ist der Quereinstieg aus dem Fachbereich: Wer jahrelang in der Logistik, der Buchhaltung oder im Kundenservice gearbeitet hat, kennt die Abläufe und wechselt in die Prozessarbeit. Zertifikate wie Six Sigma Green oder Black Belt, Lean-Ausbildungen, OMG-Zertifizierungen für BPMN oder Schulungen zu Tools wie Signavio, ARIS oder Celonis sind gängig und werden von Arbeitgebern häufig erwartet, ersetzen aber keine Praxis.

Was der Beruf verlangt

Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit mit vielen Terminen und langen Abstimmungsschleifen. Widerstand gehört dazu: Veränderungen an eingespielten Abläufen werden selten begeistert aufgenommen, und Prozessmanager haben oft keine Weisungsbefugnis, sondern müssen überzeugen. Projekte ziehen sich, Ergebnisse werden erst nach Monaten sichtbar, manche Konzepte bleiben in Schubladen liegen. Wer schnelle, sichtbare Resultate braucht, wird damit hadern.

Gefordert sind analytisches Denken, Geduld, sauberes Dokumentieren und die Fähigkeit, sich in fremde Fachbereiche einzuarbeiten. Reisetätigkeit fällt an, wenn mehrere Standorte betroffen sind. Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, Homeoffice ist verbreitet, vor Go-live-Terminen oder Audits wird es zeitweise eng. Ein unangenehmer Teil des Berufs: Prozessoptimierung führt gelegentlich zum Wegfall von Stellen, und die Betroffenen wissen, wer die Analyse gemacht hat.

Aussichten

Die Nachfrage ist stabil und wächst dort, wo Unternehmen digitalisieren oder Software einführen. Automatisierung, Datenanalyse und regulatorische Anforderungen sorgen dafür, dass Abläufe dokumentiert und nachweisbar sein müssen. Gesucht werden vor allem Leute, die neben der Methodik ein Fachgebiet beherrschen, etwa Finanzprozesse, Produktion oder IT-Service.

Entwicklungswege führen in die Leitung eines Prozessmanagement-Teams, in die Projekt- oder Programmleitung, in die Organisationsentwicklung oder in die Unternehmensberatung. Auch der Weg in Richtung Business Analyse, Qualitätsmanagement oder Digitalisierungsverantwortung ist üblich. Selbstständigkeit als Berater ist möglich, setzt aber ein belastbares Netzwerk und Referenzen voraus.

Aufgaben

  • Ist-Abläufe durch Interviews und Beobachtung aufnehmen
  • Prozesse in BPMN oder vergleichbaren Notationen modellieren
  • Schwachstellen, Doppelarbeit und Engpässe identifizieren
  • Soll-Prozesse entwerfen und mit Fachbereichen abstimmen
  • Kennzahlen definieren und Prozessleistung auswerten
  • Einführung neuer Abläufe begleiten und Mitarbeitende schulen
  • Prozessdokumentation für Audits und Zertifizierungen pflegen
  • Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte fachlich begleiten

Voraussetzungen

  • Studium in Wirtschaftsinformatik, BWL, Wirtschaftsingenieurwesen oder vergleichbare Berufserfahrung
  • Kenntnisse in Prozessmodellierung, üblicherweise BPMN 2.0
  • Sicherer Umgang mit Auswertungen, Tabellenkalkulation und ERP- oder Ticketsystemen
  • Moderations- und Überzeugungsfähigkeit ohne formale Weisungsbefugnis
  • Strukturiertes, analytisches Arbeiten und Ausdauer bei langen Projekten
  • Englischkenntnisse in international tätigen Unternehmen
  • Methodenzertifikate wie Six Sigma oder Lean sind häufig erwünscht

Wo man arbeitet

  • Industrie- und Produktionsunternehmen
  • Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister
  • IT- und Softwareunternehmen
  • Unternehmens- und Managementberatungen
  • Behörden, Krankenkassen und öffentliche Verwaltung
  • Handels- und Logistikkonzerne

Der Weg in den Beruf

Der übliche Weg führt über ein Bachelor- oder Masterstudium in Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft oder Wirtschaftsingenieurwesen mit einer Regelstudienzeit von drei bis fünf Jahren. Ebenso verbreitet ist der Quereinstieg aus einem Fachbereich mit anschließender Weiterbildung in Lean, Six Sigma oder BPMN. Eine geschützte Berufsbezeichnung oder eine duale Ausbildung speziell für diesen Beruf gibt es nicht.

Offene Stellen als Prozessmanager

In der Suche fortsetzen

Verwandte Berufe

Business Analyst

Business Analysten untersuchen Geschäftsprozesse, erheben Anforderungen von Fachabteilungen und übersetzen sie in Vorgaben für IT-Systeme oder Projekte. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Technik.

Offene Stellen
6
Monatsbrutto
3.600 – 10.000 €

Projektmanager

Projektmanager planen, steuern und überwachen zeitlich befristete Vorhaben – von der IT-Einführung bis zum Bauprojekt – und sorgen dafür, dass Termine, Budget und Ergebnis zusammenpassen.

Offene Stellen
20
Monatsbrutto
3.400 – 10.000 €

Qualitätsmanager

Qualitätsmanager planen und überwachen Prozesse, die sicherstellen, dass Produkte und Dienstleistungen festgelegte Anforderungen erfüllen. Sie prüfen Abläufe, dokumentieren Abweichungen und begleiten Audits nach Normen wie der ISO 9001.

Offene Stellen
10
Monatsbrutto
3.400 – 9.000 €

Unternehmensberater

Unternehmensberater analysieren Probleme in Firmen und Behörden, entwickeln Lösungsvorschläge und begleiten deren Umsetzung. Der Beruf verbindet analytische Arbeit mit hohem Zeitdruck und häufiger Reisetätigkeit.

Offene Stellen
5
Monatsbrutto
3.800 – 25.000 €

Arbeitsplatz.de verwendet nur die Cookies, die für den Betrieb der Seite nötig sind. Kein Tracking, keine Werbenetzwerke, keine Auswertung Ihres Verhaltens. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.

Datenschutz