Was macht ein Physiotherapeut für Hausbesuche?
Die Behandlung findet dort statt, wo der Patient lebt: im Schlafzimmer, am Pflegebett, im Aufenthaltsraum eines Heims. Behandelt werden vor allem Menschen, die die Praxis nicht mehr erreichen können - nach Schlaganfall, Hüft- oder Knieoperation, bei Parkinson, Multipler Sklerose, fortgeschrittener Demenz oder in der letzten Lebensphase. Der Arzt verordnet Hausbesuche ausdrücklich, weil der Weg in die Praxis nicht zumutbar ist.
Der Ablauf gleicht dem in der Praxis: Befund erheben, Beweglichkeit und Kraft prüfen, Gangbild beobachten, dann Bewegungsübungen anleiten, mobilisieren, Narben und Ödeme behandeln, Atemtherapie durchführen. Dazu kommt, was nur zu Hause möglich ist: prüfen, ob der Patient allein aus dem Bett kommt, ob die Türschwelle zur Sturzfalle wird, ob der Rollator richtig eingestellt ist. Angehörige werden angeleitet, wie sie beim Aufstehen helfen, ohne sich selbst den Rücken zu ruinieren. Zwischen den Terminen liegt die Fahrt, danach die Dokumentation und die Abrechnung der Verordnungen.
Wie wird man Physiotherapeut für Hausbesuche?
Grundlage ist die dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten an einer Berufsfachschule oder ein Bachelorstudium Physiotherapie, jeweils mit staatlicher Prüfung und Berufszulassung. Der Zugang setzt in der Regel einen mittleren Schulabschluss voraus. Das Schulgeld an privaten Schulen ist inzwischen vielfach entfallen, ein Ausbildungsentgelt gibt es aber nur an Kliniken und einigen öffentlichen Trägern.
Hausbesuche sind kein eigener Beruf, sondern ein Einsatzbereich. Viele Praxen teilen ihn einzelnen Mitarbeitern ganz oder teilweise zu, manche Anbieter arbeiten ausschließlich mobil. Wer bereits einige Jahre in der Praxis oder in der Klinik gearbeitet hat, tut sich leichter, weil in der Wohnung niemand daneben steht, mit dem man einen unklaren Befund besprechen kann. Fortbildungen in manueller Lymphdrainage, Bobath oder manueller Therapie erweitern das, was abgerechnet werden darf.
Was der Beruf verlangt
Ein Führerschein und meist ein eigenes Auto sind Voraussetzung; in Städten ersetzt gelegentlich das Fahrrad den Wagen. Ein erheblicher Teil des Arbeitstags entfällt auf Fahrt und Parkplatzsuche, und Wegezeit ist schlechter bezahlt als Behandlungszeit. Körperlich ist die Arbeit fordernd: Behandlungen am tiefen Pflegebett, Umlagern schwerer Patienten, Arbeiten in Wohnungen ohne Platz und ohne Bank. Behandlungsliegen und Geräte fehlen, improvisiert wird täglich.
Hinzu kommt die Nähe: Man sieht Verwahrlosung, Überlastung von Angehörigen, Sterbeprozesse. Wer schwer abschalten kann, nimmt viel mit nach Hause. Die Arbeitszeit liegt meist tagsüber, dafür ohne Wochenenddienste, aber Termine sind an Pflegeabläufe gebunden und lassen sich nur begrenzt verschieben. Alleinarbeit bedeutet auch Selbstorganisation, Tourenplanung und Verantwortung für die korrekte Dokumentation.
Aussichten
Die Nachfrage steigt deutlich, weil mehr alte Menschen zu Hause versorgt werden und Kliniken früher entlassen. Praxen finden kaum Personal für Hausbesuchstouren, die Verhandlungsposition ist entsprechend gut. Die Vergütung hat sich nach mehreren Anhebungen der Kassenpreise verbessert, bleibt aber im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen mit ähnlicher Qualifikation moderat. Entwicklungswege führen über Spezialisierungen wie Neurologie, Lymphologie oder Geriatrie, über die Leitung eines mobilen Teams, über die eigene Praxis mit Hausbesuchsschwerpunkt oder über ein Studium in Richtung Lehre und Wissenschaft.