Was macht ein Payroll Specialist?
Jeden Monat müssen die Gehälter einer Belegschaft pünktlich und korrekt auf den Konten sein. Genau dafür sorgen Entgeltabrechner. Sie pflegen die Stammdaten der Beschäftigten, erfassen Ein- und Austritte, Elternzeiten, Krankmeldungen über die Lohnfortzahlung hinaus, Sachbezüge wie Dienstwagen oder Jobticket, Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit, Provisionen und Einmalzahlungen. Dann läuft die Abrechnung im System, meist SAP HCM, DATEV Lohn und Gehalt, Sage oder P&I Loga. Anschließend prüfen sie die Ergebnisse Zeile für Zeile, klären Abweichungen und geben den Lauf frei.
Zum Monatsabschluss gehören die Lohnsteueranmeldung, die Beitragsnachweise an die Krankenkassen, Meldungen nach dem DEÜV-Verfahren und die Buchungsbelege für die Finanzbuchhaltung. Über das Jahr kommen Jahresmeldungen, Schwerbehindertenabgabe, Berufsgenossenschaftsmeldung und die Begleitung von Lohnsteuer- und Sozialversicherungsprüfungen hinzu. Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation: Beschäftigte fragen nach Abzügen auf der Abrechnung, Führungskräfte nach Personalkosten, Krankenkassen und Finanzämter nach Nachweisen.
Wie wird man Payroll Specialist?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der häufigste Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa zur Kauffrau für Büromanagement, zum Industriekaufmann oder zum Steuerfachangestellten, und daran anschließend eine Weiterbildung zur Fachkraft für Lohn und Gehalt oder zum Lohnbuchhalter. Diese Kurse dauern je nach Anbieter wenige Monate bis ein Jahr und laufen oft abends oder am Wochenende. Wer weiterkommen will, macht den Personalfachkaufmann oder eine Fortbildung im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht.
Quereinstieg ist üblich, gerade aus Buchhaltung, Steuerkanzlei oder Personalsachbearbeitung. Voraussetzung ist Genauigkeit und Interesse an rechtlichen Details. Wer Gesetzestexte für dröge hält, wird an diesem Beruf keine Freude finden, denn das Recht ändert sich jedes Jahr.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist stark zyklisch. Rund um die Abrechnungstermine, meist in der zweiten Monatshälfte, ist der Druck hoch und Überstunden sind normal; danach wird es ruhiger. Fehler fallen sofort auf und treffen Menschen unmittelbar bei ihrem Einkommen, was die Verantwortung spürbar macht. Der Umgang mit sensiblen Daten verlangt Verschwiegenheit, auch gegenüber Kollegen.
Der Beruf ist überwiegend Bildschirmarbeit im Sitzen, häufig mit Homeoffice-Anteil. Anstrengend ist weniger der Körper als die Notwendigkeit, ständig auf dem aktuellen Rechtsstand zu bleiben: Beitragsbemessungsgrenzen, Mindestlohn, Sachbezugswerte, neue Meldeverfahren. Wer in einer Steuerkanzlei oder einem Lohnbüro arbeitet, betreut viele Mandanten parallel und muss zwischen unterschiedlichen Tarifwerken und Betriebsvereinbarungen wechseln.
Aussichten
Entgeltabrechner werden dauerhaft gesucht. Die Rechtslage ist komplex, jedes Unternehmen mit Beschäftigten braucht die Funktion, und viele Betriebe finden nur schwer qualifiziertes Personal. Automatisierung nimmt Routinearbeit ab, ersetzt aber nicht die Beurteilung von Einzelfällen. Entwicklungswege führen in die Teamleitung Payroll, in die Betreuung und Einführung von Abrechnungssystemen, in die internationale Abrechnung mit mehreren Ländern oder in eine breitere HR-Rolle. Spezialistinnen für SAP-Payroll oder für die Abrechnung tarifgebundener Großbetriebe haben eine besonders gute Verhandlungsposition.