Was macht ein Massagetherapeut?
Der Arbeitstag besteht aus aufeinanderfolgenden Behandlungen, meist 20 bis 40 Minuten pro Patient. Bei der klassischen Massage werden verspannte Muskelpartien geknetet, gerollt und ausgestrichen, um Durchblutung und Beweglichkeit zu verbessern. Die manuelle Lymphdrainage arbeitet anders: mit sehr leichtem, kreisenden Druck wird Gewebeflüssigkeit in Richtung funktionierender Lymphknoten verschoben. Sie kommt nach Brustkrebsoperationen mit Lymphknotenentfernung, bei Lipödemen, nach Gelenkersatz und bei venösen Stauungen zum Einsatz. Anschließend wird häufig bandagiert oder ein Kompressionsstrumpf angepasst.
Dazu gehören Wärme- und Kälteanwendungen, Fangopackungen, Elektrotherapie, Ultraschall und medizinische Bäder. Vor jeder Behandlung wird die Verordnung geprüft, der Befund erhoben und nach Kontraindikationen gefragt - eine akute Thrombose, eine unbehandelte Herzinsuffizienz oder eine Entzündung schließen Lymphdrainage aus. Jede Behandlung wird dokumentiert, weil die Krankenkassen die Nachweise verlangen.
Wie wird man Massagetherapeut?
Der klassische Weg ist die zweieinhalbjährige schulische Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule, bestehend aus zwei Jahren Unterricht mit Praktika und einem anschließenden halbjährigen Anerkennungspraktikum in einer Klinik. Voraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Die Ausbildung ist an privaten Schulen meist kostenpflichtig, ein Ausbildungsentgelt gibt es in der Regel nicht.
Die manuelle Lymphdrainage ist eine eigene Zusatzqualifikation. Der von den Krankenkassen anerkannte Kurs umfasst rund 170 Unterrichtsstunden über vier Wochen und ist ebenfalls selbst zu zahlen. Auch Physiotherapeuten erwerben diese Qualifikation; ohne den Nachweis darf Lymphdrainage nicht zu Lasten der Kassen abgerechnet werden. Wellness- und Sportmassagekurse ohne staatliche Prüfung berechtigen nicht zur Arbeit auf Verordnung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Sechs bis acht Stunden am Behandlungstisch belasten Hände, Handgelenke, Schultern und den Rücken; Daumensattelgelenk und Sehnenscheiden sind typische Schwachstellen, und manche wechseln deshalb nach Jahren in andere Tätigkeiten. Wer im Takt der Kassenverordnung arbeitet, hat wenig Puffer zwischen den Terminen. Praxen mit Abendsprechstunden und Samstagsterminen sind verbreitet, in Kliniken kommt Wochenenddienst hinzu.
Hinzu kommt die emotionale Seite: Lymphdrainage-Patienten sind oft schwer oder chronisch krank, viele kommen über Jahre zweimal pro Woche. Nähe und Körperkontakt gehören zum Beruf, was Distanzgefühl und klare Kommunikation verlangt. Die Bezahlung liegt unter dem, was die körperliche Belastung nahelegt, und im niedergelassenen Bereich hängt sie stark von den Kassenvergütungen ab.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und steigt eher, weil onkologische Nachsorge, Adipositas und Venenleiden zunehmen und Lymphdrainage die am häufigsten verordnete Einzelmaßnahme in diesem Bereich ist. Freie Stellen gibt es in fast allen Regionen. Entwicklungswege führen über Zusatzqualifikationen wie Kinesiotaping, Fußreflexzonentherapie, Osteopathie-Grundlagen oder Bandagier- und Kompressionsversorgung, über die Weiterbildung zum Physiotherapeuten mit verkürzter Ausbildung, in die Leitung einer Praxis oder in die Selbstständigkeit - dort mit besseren Verdienstmöglichkeiten, aber auch mit Abrechnungs-, Miet- und Auslastungsrisiko.