Was macht ein Leckageorter?
Wenn die Wasseruhr läuft, obwohl kein Hahn offen ist, oder wenn im Erdgeschoss ein feuchter Fleck an der Wand wächst, kommt der Leckageorter. Seine Aufgabe ist es, die undichte Stelle möglichst genau zu bestimmen, bevor jemand mit dem Stemmhammer anfängt. Dafür wird zunächst das System eingegrenzt: Absperren einzelner Kreise, Druckprüfung mit Manometer, Vergleich der Zählerstände. Danach kommt Messtechnik zum Einsatz. Mit Bodenmikrofon und Korrelator werden Fließgeräusche in erdverlegten Trinkwasserleitungen abgehört und rechnerisch verortet, mit Thermografiekameras warme Heizungsstränge unter Estrich sichtbar gemacht, mit Tracergas aus Wasserstoff und Stickstoff feinste Undichtigkeiten aufgespürt. Endoskopkameras gehen in Abflüsse und Hohlräume, Feuchtemessgeräte zeigen, wie weit das Wasser in Dämmschichten gewandert ist.
Zum Ergebnis gehört immer eine Dokumentation: Messprotokoll, Fotos, Skizze mit Maßangaben, Einschätzung zum Schadenumfang. Diese Unterlagen gehen an Hausverwaltung, Handwerksbetrieb oder Versicherung und entscheiden mit darüber, was bezahlt wird. Viele Leckageorter übernehmen außerdem die Bautrocknung im Anschluss oder koordinieren die Sanierung.
Wie wird man Leckageorter?
Einen eigenen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Der übliche Weg führt über eine handwerkliche Ausbildung, meist Anlagenmechanik für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, außerdem Rohrleitungsbau, Elektrotechnik oder Berufe der Wasserversorgung. Darauf setzt eine Einarbeitung im Betrieb auf, ergänzt durch Herstellerschulungen zu Korrelatoren, Thermografie und Tracergasortung. Für Thermografie gibt es Zertifizierungen nach Stufe 1 und 2, die bei Gutachtenarbeit erwartet werden. Quereinstiege kommen vor, etwa aus dem Baugewerbe oder der Schadensanierung, verlangen aber solides technisches Grundverständnis von Gebäudetechnik.
Was der Beruf verlangt
Der Alltag ist Außendienst mit wechselnden Einsatzorten, oft mehrere Objekte am Tag, dazwischen Fahrzeit. Gearbeitet wird in Kellern, Kriechkellern, Schächten und auf Baustellen, häufig kniend, gebückt oder in Zwangshaltung, bei Straßenortung auch nachts, weil dann der Verkehrslärm fehlt. Rufbereitschaft und Wochenenddienst sind bei Notdiensten und Versorgern verbreitet. Feuchte, Schimmel, Staub und beengte Räume gehören dazu.
Fachlich anspruchsvoll ist die Deutung unklarer Messergebnisse: Geräusche wandern über Rohre und Bewehrung, Wärmebilder täuschen, und nicht jeder feuchte Fleck hat eine Leitung als Ursache. Fehlortungen kosten Geld und Vertrauen. Hinzu kommt der Umgang mit aufgebrachten Kunden, die einen Wasserschaden in der Wohnung haben und eine schnelle Antwort erwarten. Wer Ruhe bewahrt, methodisch vorgeht und Befunde verständlich erklären kann, ist hier richtig.
Aussichten
Der Leitungsbestand in Deutschland ist alt, Versorger stehen unter Druck, Wasserverluste zu senken, und Versicherer zahlen jährlich Milliardenbeträge für Leitungswasserschäden. Fachkräfte, die zerstörungsarm orten können, werden entsprechend gesucht, das Angebot an erfahrenen Leuten ist knapp. Entwicklungswege führen über Spezialisierung auf Thermografie, Gasortung oder Industrierohrleitungen, über die Meisterprüfung im SHK-Handwerk, in die Einsatzleitung eines Sanierungsbetriebs oder in die Sachverständigentätigkeit für Feuchteschäden. Auch die Selbstständigkeit ist verbreitet, allerdings mit erheblichen Anschaffungskosten für Messtechnik.