Was macht ein Kommissionierer im Logistikzentrum?
Kommissionierer sammeln Artikel aus dem Lagerbestand und stellen daraus die Sendungen zusammen, die anschließend an Kunden oder Filialen gehen. Die Aufträge kommen per Handscanner, Tablet, Pick-by-Voice-Headset oder Kommissionierliste. Angezeigt wird, in welchem Gang, in welchem Regalfach und in welcher Menge ein Artikel liegt. Der Kommissionierer fährt oder geht die Position an, entnimmt die Ware, quittiert die Entnahme per Scan und bewegt sich zur nächsten Position. Am Ende des Laufs wird der Behälter oder die Palette abgestellt, gewogen, gesichert und weitergeleitet.
Dazu kommen Verpacken, Etikettieren, Palettieren und Folienwickeln, das Buchen von Beständen im Lagerverwaltungssystem, das Melden von Fehlmengen und beschädigter Ware sowie Mithilfe bei Wareneingang, Inventur und Retourenbearbeitung. In vielen Zentren wird die Leistung gemessen: Picks pro Stunde, Fehlerquote, Laufwege. Diese Kennzahlen sind ein realer Teil des Arbeitsalltags.
Wie wird man Kommissionierer?
Es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung. Die meisten steigen als angelernte Kraft ein, oft zunächst über Zeitarbeit oder befristete Verträge in der Saison. Die Einarbeitung dauert wenige Tage bis zwei Wochen. Ein Staplerschein nach DGUV Grundsatz 308-001 oder eine Berechtigung für Kommissionierfahrzeuge erhöht die Chancen deutlich und wird häufig vom Betrieb bezahlt. Wer den Bereich langfristig anstrebt, kann die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik oder die zweijährige zum Fachlagerist absolvieren; damit stehen auch Aufgaben in der Disposition und Arbeitsvorbereitung offen.
Was der Beruf verlangt
Die Belastung ist körperlich. Zehn bis fünfzehn Kilometer Laufweg pro Schicht sind in Handkommissionierung normal, dazu Heben, Bücken und Überkopfarbeit. In Kühl- und Tiefkühllagern wird bei wenigen Grad oder im Minusbereich gearbeitet, in Hallen ohne Klimatisierung im Sommer bei Hitze. Übliche Modelle sind Zwei- oder Dreischichtbetrieb, Nachtschicht, Samstagsarbeit und Sonderschichten im Weihnachtsgeschäft. Rückenprobleme, Knie- und Schulterbeschwerden sind verbreitet.
Dazu kommt der Takt. Vorgabezeiten und Leistungskennzahlen erzeugen Druck, gleichzeitig muss die Fehlerquote niedrig bleiben, denn jeder Fehlgriff verursacht eine Retoure. Die Arbeit ist stark repetitiv, Gespräche mit Kollegen sind während des Picks selten. Wer Abwechslung und Eigenständigkeit sucht, wird damit wenig glücklich. Verlässlichkeit, Konzentration über die ganze Schicht und Grundkenntnisse in Deutsch für Sicherheitsunterweisungen und Auftragsdaten sind Voraussetzung.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Onlinehandel, Ersatzteillogistik und Lebensmittelversorgung brauchen dauerhaft Personal, viele Zentren suchen ganzjährig. Der Einstieg ist deshalb leicht, die Bezahlung liegt aber in vielen Betrieben nahe am unteren Rand, spürbar besser wird es vor allem durch Schicht- und Nachtzulagen sowie Tarifbindung.
Automatisierung verändert den Beruf: Regalbediengeräte, Shuttle-Systeme und fahrerlose Transportfahrzeuge übernehmen Wege, der Mensch greift an Pick-Stationen. Einfache Handkommissionierung geht dadurch zurück, Aufgaben an Anlagen und in der Störungsbehebung nehmen zu. Entwicklungswege führen über Staplerschein und Gefahrgutkenntnisse zum Vorarbeiter oder Teamleiter, über die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik zum Schichtführer und mit der Weiterbildung zum Logistikmeister in die Bereichsleitung.