Was macht ein ERP Consultant?
ERP-Systeme bündeln Warenwirtschaft, Buchhaltung, Produktion, Personal und Vertrieb in einer Software. Ein ERP Consultant sorgt dafür, dass ein solches System zu einem konkreten Unternehmen passt. Am Anfang steht die Analyse: Wie läuft die Auftragsabwicklung heute, wo entstehen Medienbrüche, welche Sonderfälle gibt es in der Preisfindung. Daraus entsteht ein Konzept, das die Abläufe im Standard des Systems abbildet oder begründet davon abweicht.
Danach folgt die Umsetzung. Consultants konfigurieren Module, legen Stammdatenstrukturen fest, definieren Buchungslogiken, richten Berechtigungen ein und stimmen Schnittstellen zu Webshop, Lagerverwaltung oder Zeiterfassung ab. Programmiert wird je nach Rolle selbst oder von Entwicklern, für die der Consultant die Spezifikation schreibt. Vor dem Produktivstart werden Altdaten migriert, Testfälle durchgespielt und Anwender geschult. Nach dem Go-live kommt die Phase, in der Fehler auffallen und Anwender anrufen, weil eine Rechnung nicht gedruckt wird.
Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation: Workshops moderieren, Erwartungen dämpfen, Änderungswünsche bewerten, Aufwände schätzen und mit dem Projektleiter über Budget und Termine sprechen. Viele Consultants spezialisieren sich auf ein Modul oder eine Branche, etwa Finanzwesen, Logistik, Produktion oder Handel.
Wie wird man ERP Consultant?
Es gibt keinen geschützten Ausbildungsweg. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft, Informatik oder Ingenieurwesen. Ebenso verbreitet ist der Quereinstieg aus dem Anwenderbereich: Wer als Buchhalterin, Disponent oder Produktionsplanerin jahrelang mit einem ERP-System gearbeitet hat und die Prozesse versteht, wird von Systemhäusern gern eingestellt und in die Beratung eingearbeitet. Auch kaufmännische Ausbildungen mit Zusatzqualifikation oder eine Ausbildung zum Fachinformatiker führen hinein.
Entscheidend ist die Produktkenntnis. Hersteller wie SAP, Microsoft, Sage oder Infor bieten Zertifizierungen an, die Arbeitgeber häufig finanzieren. Die ersten ein bis zwei Jahre verlaufen typischerweise als Junior im Team eines erfahrenen Beraters.
Was der Beruf verlangt
Projektarbeit heißt Termindruck. Ein Go-live-Wochenende wird durchgearbeitet, und wenn die Inventurbuchung nicht läuft, ist der Feierabend verschoben. Reisetätigkeit gehört bei vielen Arbeitgebern dazu, auch wenn ein erheblicher Teil der Workshops inzwischen remote stattfindet. Wer bei Kunden vor Ort arbeitet, ist zeitweise mehrere Tage pro Woche unterwegs.
Fachlich muss man ständig nachlernen, weil Releasewechsel und Cloud-Umstellungen die Systeme laufend verändern. Schwer fällt vielen der Umgang mit Widerstand: ERP-Projekte verändern Arbeitsplätze, und Anwender begegnen dem Berater nicht immer freundlich. Wer nur technisch denkt und ungern erklärt, wird in dieser Rolle unglücklich.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Viele Mittelständler lösen alte Systeme ab oder migrieren in die Cloud, und Fachkräfte mit Modul- und Branchenerfahrung sind knapp. Wechsel zwischen Systemhaus, Hersteller und Anwenderunternehmen sind üblich; in der Industrie ist die Reisebelastung meist geringer, im Systemhaus die Bandbreite größer.
Entwicklungswege führen zum Senior oder Lead Consultant, zur Projektleitung, in die Solution Architektur, in den Vertrieb oder in die Selbstständigkeit als freiberuflicher Berater, wo Tagessätze deutlich über dem Angestelltenniveau liegen können, dafür aber Auslastungsrisiko besteht.