Was macht ein Anwendungsentwickler?
Anwendungsentwickler bauen Software, die andere Menschen bei der Arbeit benutzen: ein Lagerverwaltungssystem, ein Kundenportal, eine Schnittstelle zwischen Buchhaltung und Onlineshop. Der Alltag besteht aus Programmieren in Sprachen wie Java, C#, Python, JavaScript oder PHP, aus dem Lesen und Verstehen fremden Codes, aus Fehlersuche und aus Gesprächen mit den Menschen, die die Software später bedienen.
Ein großer Teil der Arbeit ist nicht das Schreiben neuer Programme, sondern das Ändern bestehender. Wer in einem Unternehmen mit gewachsener Software anfängt, verbringt die ersten Monate damit, sich in einen Bestand einzulesen, den mehrere Generationen von Entwicklern hinterlassen haben. Dazu kommen Tests, Code-Reviews für Kollegen, Deployments, Dokumentation und die Abstimmung im Team, meist in kurzen täglichen Besprechungen nach Scrum oder einem ähnlichen Vorgehen.
Wie wird man Anwendungsentwickler?
Der klassische Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung mit Abschluss vor der Industrie- und Handelskammer. Der zweite Weg ist ein Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Softwaretechnik an einer Hochschule oder als duales Studium. Beide Wege führen in ähnliche Einstiegsstellen, das Studium öffnet später eher Türen zu Architektur- und Führungsrollen.
Der Quereinstieg ist in diesem Beruf realistischer als in fast jedem anderen technischen Feld. Wer nachweisbar programmieren kann, kommt auch ohne passenden Abschluss zu Bewerbungsgesprächen. Nachweisbar heißt: eigene Projekte, öffentlich einsehbarer Code, Beiträge zu Open-Source-Software oder ein abgeschlossenes Weiterbildungsprogramm mit echten Projektarbeiten. Ein reines Zertifikat ohne vorzeigbare Arbeit überzeugt selten.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist geistig anstrengend und erfordert lange Phasen ungestörter Konzentration, die im Büroalltag oft schwer zu bekommen sind. Wer schnell frustriert, wenn ein Fehler stundenlang nicht zu finden ist, wird unglücklich. Zugleich ist der Beruf nie fertig gelernt: Sprachen, Frameworks und Werkzeuge wechseln, ein Teil der Einarbeitung in Neues fällt in die Freizeit.
Die Arbeitszeiten sind meist regulär, Gleitzeit und Homeoffice sind verbreitet. Belastend sind eher Releasetermine, Produktionsstörungen und in manchen Häusern Rufbereitschaft. Nicht zu unterschätzen ist der Kommunikationsanteil: Anforderungen sind selten klar formuliert, und wer nicht nachfragt, programmiert das Falsche. Die verbreitete Vorstellung vom stillen Einzelkämpfer trifft auf die wenigsten Stellen zu.
Aussichten
Die Nachfrage ist seit Jahren hoch, auch wenn der Einstieg für Berufsanfänger seit dem Abflachen des Boomjahre-Marktes wieder anspruchsvoller geworden ist. Gesucht werden vor allem Entwickler mit einigen Jahren Erfahrung in einem gefragten Technologiestapel. Sichere Felder sind Unternehmenssoftware, Cloud-Anwendungen, Datenverarbeitung und alles, was mit Sicherheit zu tun hat.
Entwicklungswege führen in die Spezialisierung als Softwarearchitekt, in Richtung DevOps und Plattformbetrieb, in die Datenanalyse oder in die Leitung eines Entwicklungsteams. Für Ausbildungsabsolventen ist die Weiterbildung zum geprüften Informatiker oder ein berufsbegleitendes Studium ein üblicher Schritt. Selbstständigkeit als Freiberufler ist in diesem Beruf gut möglich und oft besser bezahlt, verlangt aber Akquise und den Umgang mit Auftragslücken.