Was macht ein Corporate Controller?
Corporate Controller arbeiten in der zentralen Steuerung eines Unternehmens. Sie führen die Zahlen der einzelnen Bereiche, Tochtergesellschaften oder Länder zusammen und machen daraus ein Gesamtbild: Wie hat sich der Umsatz entwickelt, wo laufen Kosten aus dem Ruder, welches Geschäft trägt das Ergebnis, welches nicht. Ein großer Teil der Arbeit ist der monatliche Abschluss. Zahlen kommen aus den Tochtergesellschaften, werden auf Plausibilität geprüft, Abweichungen zum Budget werden nachgefragt und kommentiert, dann geht ein Berichtspaket an die Geschäftsführung oder den Vorstand.
Dazwischen liegen die Planungszyklen. Im Herbst wird das Budget für das kommende Jahr aufgebaut, quartalsweise werden Forecasts aktualisiert, dazu kommen Mehrjahresplanungen. Corporate Controller bauen Modelle in Excel oder in Planungssoftware, rechnen Szenarien durch und diskutieren mit Bereichsleitern über deren Annahmen. Hinzu kommen Sonderthemen: die Bewertung einer Investition, die Kalkulation eines Zukaufs, die Frage, ob ein Standort wirtschaftlich zu halten ist. Viel Zeit geht auch in die Verbesserung der Systeme und Kennzahlendefinitionen, damit überhaupt vergleichbare Zahlen entstehen.
Wie wird man Corporate Controller?
Der übliche Weg ist ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Controlling, Finanzen oder Accounting. Ein Bachelor genügt für den Einstieg, in Konzernen ist ein Master oder zumindest ein Praktikum im Finanzbereich üblich. Häufig beginnt man im dezentralen Controlling eines Werks oder einer Vertriebseinheit und wechselt später in die Konzernzentrale. Ein zweiter verbreiteter Weg führt über die Wirtschaftsprüfung oder die Transaktionsberatung.
Quereinstieg gelingt aus dem Rechnungswesen, etwa nach einer kaufmännischen Ausbildung mit anschließender Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter oder Controller. Wichtiger als der genaue Abschluss sind sicheres Verständnis von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, Kenntnisse in IFRS oder HGB, Erfahrung mit SAP oder vergleichbaren Systemen und ein wirklich souveräner Umgang mit großen Datenmengen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist an Termine gebunden, die nicht verschiebbar sind. In den Abschlusstagen und in der Budgetphase sind längere Arbeitszeiten die Regel, nicht die Ausnahme. Wer keine wiederkehrenden Routinen mag, wird sich schwertun: Vieles ist Monat für Monat dasselbe, nur mit neuen Zahlen. Gleichzeitig muss man den Mut haben, unangenehme Ergebnisse offen zu benennen und sie gegenüber Bereichsleitern zu verteidigen, die ihre eigene Sicht mitbringen. Fehler in Berichten fallen auf, weil sie bis in die Vorstandsunterlage wandern.
Dazu kommt, dass ein erheblicher Anteil der Zeit nicht in Analyse, sondern in Datenaufbereitung fließt. Wer Controlling für reine Strategiearbeit hält, wird enttäuscht. Der Beruf ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm, in Konzernen mit Reisen zu Standorten und internationalen Abstimmungen in englischer Sprache.
Aussichten
Controlling ist in fast jedem größeren Unternehmen fest verankert, die Nachfrage ist stabil. Automatisierung und Reporting-Tools verlagern die Arbeit weg vom Zahlensammeln hin zur Interpretation und zum Aufbau von Datenmodellen; wer sich mit Business Intelligence und Datenanalyse auskennt, hat Vorteile. Entwicklungswege führen zur Leitung eines Controlling-Bereichs, in den Finanzbereich einer Tochtergesellschaft oder bis zur kaufmännischen Geschäftsführung.