Was macht man in der Wirtschaftsprüfung?
Im Zentrum steht die Abschlussprüfung. Ein Prüfungsteam kommt zum Mandanten, sichtet Buchhaltung, Verträge, Inventuren und Bankbestätigungen und beurteilt, ob der Jahresabschluss den Vorschriften des HGB oder der IFRS entspricht. Dazu gehört das Nachrechnen von Rückstellungen, das Prüfen von Umsatzabgrenzungen, die Bewertung von Vorräten und Forderungen, die Analyse von IT-gestützten Buchungsprozessen und Gespräche mit Geschäftsführung und Fachabteilungen. Jeder Prüfungsschritt wird dokumentiert, denn die Arbeitspapiere müssen einer späteren Qualitätskontrolle standhalten.
Neben der gesetzlichen Abschlussprüfung gibt es Sonderprüfungen, Unternehmensbewertungen, prüfungsnahe Beratung, Due-Diligence-Aufträge bei Firmenkäufen und die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten, die durch die europäische Berichtspflicht deutlich an Gewicht gewonnen hat. Wer den Berufstitel führt, unterschreibt den Bestätigungsvermerk und haftet für das Urteil.
Wie wird man Wirtschaftsprüferin?
Üblich ist ein wirtschaftswissenschaftliches oder juristisches Studium, häufig mit Schwerpunkt Rechnungslegung, Steuern oder Controlling. Danach folgt der Einstieg als Prüfungsassistentin in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Nach mindestens drei Jahren Prüfungstätigkeit, davon zwei bei gesetzlichen Abschlussprüfungen, kann das Wirtschaftsprüferexamen abgelegt werden. Es besteht aus schriftlichen Klausuren in Rechnungslegung, Wirtschaftsrecht, Steuerrecht und Betriebswirtschaft sowie einer mündlichen Prüfung und gilt als eines der schwersten Berufsexamen in Deutschland. Die Durchfallquoten sind hoch, viele treten mehrfach an. Ein Masterstudiengang nach dem Wirtschaftsprüfungsexamens-Anrechnungsgesetz kann Prüfungsteile ersetzen. Quereinstieg gelingt am ehesten über die Steuerberatung, das Konzerncontrolling oder die interne Revision.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist saisonal ungleich verteilt. Zwischen Januar und April, der sogenannten Busy Season, sind Wochenarbeitszeiten von sechzig Stunden und mehr in großen Gesellschaften keine Seltenheit. Reisetätigkeit gehört dazu, weil geprüft wird, wo die Unterlagen und die Menschen sind. Der Rest des Jahres ist ruhiger, ein Ausgleich in Freizeit gelingt nicht immer.
Gefordert sind Zahlensicherheit, Ausdauer beim Lesen von Verträgen und Standards, ein Gespür für Widersprüche in Unterlagen und die Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Der Beruf verlangt Unabhängigkeit auch dann, wenn der Mandant Druck macht. Die persönliche Haftung und die Aufsicht durch die Abschlussprüferaufsichtsstelle erzeugen einen Verantwortungsdruck, der nicht jedem liegt. Wer die Prüfung nur als Zwischenstation sieht, verlässt die Branche oft nach wenigen Jahren, die Fluktuation in den ersten Berufsjahren ist erheblich.
Aussichten
Abschlussprüfungen sind gesetzlich vorgeschrieben, die Nachfrage ist damit weitgehend konjunkturunabhängig. Gleichzeitig treten in den kommenden Jahren viele Berufsträger in den Ruhestand, während weniger Nachwuchs das Examen ablegt als früher; Fachkräfte mit Examen sind knapp. Karrierewege führen über Prüfungsleitung und Managerpositionen bis zur Partnerschaft in einer Gesellschaft oder zur eigenen Praxis, häufig kombiniert mit dem Steuerberaterexamen. Ebenso verbreitet ist der Wechsel in die Industrie, etwa in Konzernrechnungswesen, Konsolidierung, interne Revision oder Finanzleitung. Die Prüfungspraxis verändert sich durch Datenanalyse und Automatisierung: Stichproben werden zunehmend durch Vollauswertungen ersetzt, IT-Kenntnisse gewinnen an Bedeutung.