Was macht ein Terminplaner?
Terminplaner übersetzen ein Projekt in einen Ablauf mit Vorgängen, Dauern, Abhängigkeiten und Meilensteinen. Sie sammeln dafür Informationen von Bauleitung, Einkauf, Fachplanern und Nachunternehmern, bauen daraus einen Terminplan in Software wie Primavera P6, MS Project, Asta Powerproject oder Tilos und prüfen, ob der Plan logisch und rechnerisch tragfähig ist. Der kritische Weg wird bestimmt, Puffer werden ausgewiesen, Ressourcen und Kosten können hinterlegt werden.
Nach der Erstplanung beginnt die eigentliche Arbeit: die laufende Fortschreibung. Terminplaner erfassen Ist-Stände, vergleichen sie mit dem Basisplan, berechnen Verzüge und deren Auswirkung auf Folgevorgänge und erstellen Berichte für Projektleitung, Bauherr oder Auftraggeber. Sie rechnen Szenarien durch, wenn eine Genehmigung ausbleibt oder eine Lieferung sich verschiebt, und unterstützen bei Nachträgen und Bauzeitverlängerungen, indem sie Verzugsursachen dokumentieren und nachweisen. In großen Projekten arbeiten sie eng mit Kostenkontrolle und Risikomanagement zusammen, oft in einem Project-Controls-Team.
Wie wird man Terminplaner?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der übliche Weg führt über ein Studium im Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, in der Architektur oder im Baumanagement, gefolgt von einigen Jahren in Bauleitung, Projektsteuerung oder Kalkulation. Aus dieser Praxis heraus erfolgt die Spezialisierung, meist durch Einarbeitung im Projekt und Softwareschulungen. Auch Techniker und Meister mit langer Baustellenerfahrung kommen in die Rolle, ebenso Quereinsteiger aus der Arbeitsvorbereitung der Industrie. Zertifikate wie PMI-SP, die Qualifizierungen von GPM/IPMA oder AACE-Zertifikate sind bei international arbeitenden Auftraggebern gern gesehen, ersetzen aber keine Projekterfahrung. Ohne solides Verständnis von Bauabläufen oder Fertigungsprozessen bleibt ein Terminplan Zahlenkosmetik.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend am Bildschirm, aber nicht ruhig. Terminplaner müssen Informationen von Menschen bekommen, die keine Zeit haben und ungern zugeben, dass sie im Verzug sind. Das verlangt Beharrlichkeit und diplomatisches Geschick. Wer Konflikte scheut, wird die Rolle als unangenehm empfinden, denn der Terminplan macht Verzögerungen sichtbar und damit auch Verantwortliche.
Zu Berichtsstichtagen, in Vergabephasen und bei Streitfällen um Bauzeitverlängerungen entstehen Belastungsspitzen mit Überstunden. Projektbindung bedeutet häufig Einsatz vor Ort, bei Großprojekten mit Wochenpendeln oder befristeter Entsendung ins Ausland. Genauigkeit ist Pflicht: Ein fehlerhafter Verknüpfungsaufbau kann Nachtragsforderungen in Millionenhöhe unbrauchbar machen. Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass Pläne selten so eintreten wie gerechnet.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in einigen Bereichen deutlich höher als das Angebot, weil Infrastrukturvorhaben, Netzausbau, Bahnprojekte und Industrieanlagen zunehmend formalisierte Terminsteuerung verlangen, teils vertraglich gefordert. Erfahrene Planer mit Primavera-Kenntnissen und Erfahrung in Verzugsanalysen sind gesucht, auch bei Ingenieurbüros, Projektsteuerern und Gutachtern. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Project-Controls-Teams, in die Projektsteuerung, in die Claim-Bearbeitung oder in die freiberufliche Tätigkeit als Sachverständiger für Bauablaufstörungen. Wer nur Software bedient, ohne den Ablauf zu verstehen, bleibt austauschbar.