System Architect
System Architects entwerfen die technische Gesamtstruktur von Software- und IT-Systemen: Sie legen fest, aus welchen Komponenten eine Anwendung besteht, wie diese zusammenspielen und welche Technologien zum Einsatz kommen.
10 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als System Architect verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 4.800 € | 5.600 € | 6.500 € | 67.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 6.000 € | 7.200 € | 8.500 € | 86.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 7.500 € | 9.000 € | 12.000 € | 108.000 € |
Die Spanne ist weit, weil fast ausschließlich frei verhandelt wird. Am stärksten wirken Branche und Betriebsgröße: Banken, Versicherungen und Großindustrie zahlen deutlich mehr als Mittelstand und öffentliche IT-Dienstleister, die meist nach TVöD oder TV-L vergüten und dort selten über die Entgeltgruppe 14 hinauskommen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein System Architect?
Ein System Architect legt die technische Struktur größerer IT-Systeme fest. Am Anfang steht meist eine fachliche Anforderung: ein Versicherer will seine Bestandsverwaltung ablösen, ein Handelsunternehmen braucht eine Plattform, die Lastspitzen im Weihnachtsgeschäft übersteht. Der Architekt zerlegt diese Anforderung in Komponenten, entscheidet über Schnittstellen, Datenhaltung, Betriebsmodell und Technologie-Stack und dokumentiert die Entscheidungen so, dass Entwicklungsteams damit arbeiten können.
Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Gesprächen. Fachabteilungen beschreiben Anforderungen unscharf, Entwicklungsteams haben eigene Vorlieben, Betrieb und Informationssicherheit bringen Randbedingungen ein, das Management will Kosten und Termine. Der Architekt vermittelt zwischen diesen Interessen und muss Entscheidungen begründen, auch unbequeme. Dazu kommen Reviews von Code und Entwürfen, Abschätzungen von Aufwänden, Lasttests, Auswahl und Bewertung von Fremdsystemen sowie die Pflege von Architekturdokumentation. Wer aus der Entwicklung kommt, programmiert oft noch selbst, in vielen Rollen sinkt der Anteil aber deutlich.
Wie wird man System Architect?
Der Beruf ist keine Ausbildung und kein Studiengang, sondern eine Rolle, in die man hineinwächst. Üblich ist ein Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik oder Mathematik, gefolgt von mehreren Jahren als Softwareentwickler oder Systemingenieur. Erst wer mehrere Systeme über Jahre gebaut und betrieben hat, kennt die Folgen von Architekturentscheidungen aus eigener Erfahrung.
Quereinstieg über eine Fachinformatiker-Ausbildung mit anschließender langer Praxis ist verbreitet und akzeptiert, im Zweifel zählt die nachgewiesene Projekterfahrung mehr als der Abschluss. Als Zertifizierung hat sich iSAQB CPSA in Foundation- und Advanced-Stufe etabliert, dazu kommen herstellerbezogene Nachweise für Cloud-Plattformen wie AWS, Azure oder Google Cloud. Diese Zertifikate ersetzen keine Erfahrung, öffnen aber Türen bei Beratungshäusern und in Ausschreibungen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist geistig anstrengend und selten abschließbar. Entscheidungen fallen unter unvollständigen Informationen und werden Jahre später beurteilt, wenn das System an Grenzen stößt. Wer Bestätigung durch fertige Ergebnisse braucht, tut sich schwer, denn ein Architekturdokument fühlt sich weniger greifbar an als lauffähiger Code.
Der Anteil an Kommunikation wird unterschätzt. Ein erheblicher Teil des Tages besteht aus Besprechungen, Abstimmungen und dem Aushalten von Konflikten zwischen Teams. Die Rolle hat oft Verantwortung ohne formale Weisungsbefugnis: Der Architekt haftet fachlich für Entscheidungen, kann sie aber nur durch Überzeugung durchsetzen.
Die Arbeitszeiten sind meist regulär, Homeoffice ist üblich. Vor Releases, bei Migrationen und in Krisensituationen wird es lang, und Rufbereitschaft kommt vor, wenn die Rolle mit Betriebsverantwortung verbunden ist. Beratungshäuser verlangen Reisebereitschaft, teils mit mehreren Tagen pro Woche beim Kunden. Wer den Beruf lange ausüben will, muss ständig nachlernen, weil Technologien und Betriebsmodelle sich schneller ändern als die Systeme, die man betreut.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil, besonders bei Cloud-Migrationen, der Ablösung alter Großrechneranwendungen und im Umfeld sicherheitskritischer Systeme. Erfahrene Architekten mit Branchenkenntnis in Finanzwesen, Industrie oder Gesundheitswesen sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen zum Lead oder Enterprise Architect mit unternehmensweiter Verantwortung, in Richtung CTO, in die Selbstständigkeit als Berater oder zurück in die Entwicklung mit Spezialisierung, etwa auf Datenplattformen oder Sicherheit.
Aufgaben
- Systemstruktur und Komponentenschnitt für neue Anwendungen entwerfen
- Technologien, Frameworks und Cloud-Dienste auswählen und bewerten
- Architekturentscheidungen dokumentieren und gegenüber Teams begründen
- Anforderungen mit Fachabteilungen, Betrieb und Sicherheit abstimmen
- Entwürfe und Code der Entwicklungsteams reviewen
- nichtfunktionale Anforderungen wie Last, Verfügbarkeit und Datenschutz absichern
- Migrationen von Altsystemen planen und begleiten
- Aufwände und Risiken für Projektentscheidungen abschätzen
Voraussetzungen
- Studium in Informatik oder verwandtem Fach, alternativ IT-Ausbildung mit langer Praxis
- mehrere Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung oder Systemtechnik
- Kenntnisse in verteilten Systemen, Datenbanken, Netzwerken und Cloud-Plattformen
- Fähigkeit, technische Sachverhalte für nichttechnische Ansprechpartner verständlich darzustellen
- Durchsetzungsvermögen und Konfliktfähigkeit ohne formale Weisungsbefugnis
- gutes Englisch für Dokumentation und internationale Teams
- je nach Arbeitgeber Zertifizierung wie iSAQB CPSA oder Cloud-Zertifikate
Wo man arbeitet
- IT-Abteilungen großer Unternehmen und Konzerne
- Softwarehäuser und Produktentwickler
- IT-Beratungen und Systemhäuser
- Behörden und öffentliche IT-Dienstleister
- Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen
- selbstständig als freiberuflicher Berater
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium in Informatik oder Wirtschaftsinformatik mit drei bis fünf Jahren Regelstudienzeit. Danach folgen meist fünf bis acht Jahre Praxis als Entwickler oder Systemingenieur, bevor die Architektenrolle übernommen wird. Ergänzend werden Zertifizierungen wie iSAQB CPSA-Foundation oder Cloud-Architekt-Nachweise erworben.
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