Was macht ein System Architect?
Ein System Architect legt die technische Struktur größerer IT-Systeme fest. Am Anfang steht meist eine fachliche Anforderung: ein Versicherer will seine Bestandsverwaltung ablösen, ein Handelsunternehmen braucht eine Plattform, die Lastspitzen im Weihnachtsgeschäft übersteht. Der Architekt zerlegt diese Anforderung in Komponenten, entscheidet über Schnittstellen, Datenhaltung, Betriebsmodell und Technologie-Stack und dokumentiert die Entscheidungen so, dass Entwicklungsteams damit arbeiten können.
Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Gesprächen. Fachabteilungen beschreiben Anforderungen unscharf, Entwicklungsteams haben eigene Vorlieben, Betrieb und Informationssicherheit bringen Randbedingungen ein, das Management will Kosten und Termine. Der Architekt vermittelt zwischen diesen Interessen und muss Entscheidungen begründen, auch unbequeme. Dazu kommen Reviews von Code und Entwürfen, Abschätzungen von Aufwänden, Lasttests, Auswahl und Bewertung von Fremdsystemen sowie die Pflege von Architekturdokumentation. Wer aus der Entwicklung kommt, programmiert oft noch selbst, in vielen Rollen sinkt der Anteil aber deutlich.
Wie wird man System Architect?
Der Beruf ist keine Ausbildung und kein Studiengang, sondern eine Rolle, in die man hineinwächst. Üblich ist ein Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik oder Mathematik, gefolgt von mehreren Jahren als Softwareentwickler oder Systemingenieur. Erst wer mehrere Systeme über Jahre gebaut und betrieben hat, kennt die Folgen von Architekturentscheidungen aus eigener Erfahrung.
Quereinstieg über eine Fachinformatiker-Ausbildung mit anschließender langer Praxis ist verbreitet und akzeptiert, im Zweifel zählt die nachgewiesene Projekterfahrung mehr als der Abschluss. Als Zertifizierung hat sich iSAQB CPSA in Foundation- und Advanced-Stufe etabliert, dazu kommen herstellerbezogene Nachweise für Cloud-Plattformen wie AWS, Azure oder Google Cloud. Diese Zertifikate ersetzen keine Erfahrung, öffnen aber Türen bei Beratungshäusern und in Ausschreibungen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist geistig anstrengend und selten abschließbar. Entscheidungen fallen unter unvollständigen Informationen und werden Jahre später beurteilt, wenn das System an Grenzen stößt. Wer Bestätigung durch fertige Ergebnisse braucht, tut sich schwer, denn ein Architekturdokument fühlt sich weniger greifbar an als lauffähiger Code.
Der Anteil an Kommunikation wird unterschätzt. Ein erheblicher Teil des Tages besteht aus Besprechungen, Abstimmungen und dem Aushalten von Konflikten zwischen Teams. Die Rolle hat oft Verantwortung ohne formale Weisungsbefugnis: Der Architekt haftet fachlich für Entscheidungen, kann sie aber nur durch Überzeugung durchsetzen.
Die Arbeitszeiten sind meist regulär, Homeoffice ist üblich. Vor Releases, bei Migrationen und in Krisensituationen wird es lang, und Rufbereitschaft kommt vor, wenn die Rolle mit Betriebsverantwortung verbunden ist. Beratungshäuser verlangen Reisebereitschaft, teils mit mehreren Tagen pro Woche beim Kunden. Wer den Beruf lange ausüben will, muss ständig nachlernen, weil Technologien und Betriebsmodelle sich schneller ändern als die Systeme, die man betreut.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil, besonders bei Cloud-Migrationen, der Ablösung alter Großrechneranwendungen und im Umfeld sicherheitskritischer Systeme. Erfahrene Architekten mit Branchenkenntnis in Finanzwesen, Industrie oder Gesundheitswesen sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen zum Lead oder Enterprise Architect mit unternehmensweiter Verantwortung, in Richtung CTO, in die Selbstständigkeit als Berater oder zurück in die Entwicklung mit Spezialisierung, etwa auf Datenplattformen oder Sicherheit.