Was macht eine Steuerfachangestellte?
Der Arbeitsalltag besteht aus drei großen Blöcken. Erstens die Finanzbuchhaltung: Belege von Mandanten erfassen oder digital eingelesene Buchungsvorschläge prüfen, Konten abstimmen, Umsatzsteuervoranmeldungen erstellen und fristgerecht übermitteln. Zweitens die Lohn- und Gehaltsabrechnung mit Meldungen an Krankenkassen und Finanzamt, Bescheinigungen, Sonderfällen wie Kurzarbeit, Minijob oder Dienstwagen. Drittens die Jahresarbeiten: Jahresabschlüsse für Einzelunternehmen und Gesellschaften vorbereiten, Einnahmenüberschussrechnungen erstellen, Einkommensteuer-, Gewerbesteuer- und Körperschaftsteuererklärungen anfertigen. Dazu kommt der laufende Kontakt mit Mandanten am Telefon und per Mail, das Prüfen von Steuerbescheiden und das Schreiben von Einspruchsbegründungen.
Steuerfachwirte arbeiten an denselben Vorgängen, aber tiefer: komplexere Abschlüsse, Personengesellschaften, Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften, Begleitung von Betriebsprüfungen. Häufig führen sie ein eigenes Mandantenportfolio, kontrollieren die Arbeit von Kollegen und Auszubildenden und sind die erste Ansprechperson unterhalb des Berufsträgers.
Wie wird man Steuerfachangestellte?
Der Regelweg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Steuerfachangestellten in einer Kanzlei mit Berufsschulunterricht. Verkürzung auf zweieinhalb Jahre ist bei guten Leistungen möglich. Rechtlich verlangt wird kein bestimmter Schulabschluss, in der Praxis stellen Kanzleien überwiegend mittlere Reife oder Abitur ein. Nach der Ausbildung und einigen Jahren Praxis folgt die Fortbildungsprüfung zum Steuerfachwirt vor der Steuerberaterkammer, üblich sind drei Jahre Berufstätigkeit als Voraussetzung und ein Vorbereitungskurs über etwa ein bis zwei Jahre in Abend- oder Wochenendform.
Quereinstieg kommt vor, etwa aus dem Rechnungswesen von Unternehmen oder nach einem betriebswirtschaftlichen Studium. Ohne Ausbildung oder Studium mit Steuerbezug bleibt der Einstieg aber meist auf Buchhaltungstätigkeiten beschränkt, weil das steuerrechtliche Handwerkszeug fehlt.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf lebt von Fristen, und die Fristen häufen sich. Von Januar bis in den Frühsommer laufen Lohnjahresabschluss, Umsatzsteuerjahreserklärungen und die Masse der Jahresabschlüsse; im Herbst drängen die Abgabefristen der Steuererklärungen. In diesen Phasen sind Überstunden verbreitet, teils erheblich. Dafür ist der Sommer in vielen Kanzleien ruhiger.
Gefordert ist Genauigkeit über Stunden am Bildschirm, Bereitschaft zum ständigen Nachlesen, weil sich Steuerrecht jedes Jahr ändert, und der Umgang mit Mandanten, die Belege spät liefern oder Bescheide nicht verstehen. Die Digitalisierung nimmt einfache Erfassungsarbeit ab und verschiebt die Tätigkeit zu Prüfung, Beratung und Prozessbetreuung. Wer nur Zahlen tippen will, findet den Beruf zunehmend anders vor als erwartet. Kleine Kanzleien bieten oft breite Aufgaben und wenig Struktur, große mehr Spezialisierung und klarere Abläufe.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Kanzleien finden seit Jahren zu wenig Fachkräfte, gleichzeitig gehen viele Steuerberater in den Ruhestand. Das verschafft Bewerbern eine gute Position, auch für Teilzeit und Homeoffice, was den Beruf für den Wiedereinstieg nach Familienzeit attraktiv macht. Entwicklungswege führen über den Steuerfachwirt zum Bilanzbuchhalter, zur Fachberatung für einzelne Gebiete oder zur Steuerberaterprüfung, die Steuerfachwirten nach weiteren Praxisjahren offensteht. Auch außerhalb der Kanzlei sind die Kenntnisse gesucht, etwa in Steuerabteilungen von Unternehmen.