Was macht ein Stahlbauschlosser?
Am Anfang steht die Zeichnung. Aus ihr liest der Stahlbauschlosser Maße, Profilarten, Nahtformen und Toleranzen heraus und überträgt sie auf das Material: Bleche, Rohre, I-Träger, Winkel- und Flachstahl. Zugeschnitten wird mit Bandsäge, Plasma- oder Autogenbrenner, oft auch an CNC-Anlagen. Danach folgt das Heften und Schweißen, meist im MAG-Verfahren, bei Edelstahl im WIG-Verfahren. Bohren, Senken, Schleifen, Richten und das Anbringen von Anschlussblechen gehören zum Alltag.
Ein großer Teil der Arbeit findet nicht in der Halle statt, sondern draußen. Fertige Bauteile werden per LKW zur Baustelle gebracht, mit Kran versetzt, ausgerichtet, verschraubt oder verschweißt. Der Stahlbauschlosser prüft Fluchten und Lote, richtet mit Spannmitteln nach und dokumentiert, was verbaut wurde. Wer im Anlagen- oder Behälterbau arbeitet, hat es zusätzlich mit Rohrleitungen, Flanschen und Dichtheitsprüfungen zu tun. Bei Reparaturaufträgen kommt Rückbau dazu: alte Konstruktionen trennen, Korrosionsschäden ausschneiden, Bleche einsetzen.
Wie wird man Stahlbauschlosser?
Die klassische Bezeichnung Stahlbauschlosser ist als Ausbildungsberuf abgelöst worden. Heute führt der Weg über die dreieinhalbjährige duale Ausbildung zum Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik oder zum Konstruktionsmechaniker, Schwerpunkt Schweiß- und Zerspanungstechnik. Gefragt ist meist ein Hauptschul- oder Realschulabschluss; wichtiger als Noten ist räumliches Vorstellungsvermögen und ein sicherer Umgang mit Zeichnungen. Quereinstieg kommt vor, etwa aus anderen Metallberufen, setzt aber in der Regel gültige Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606 voraus. Betriebe, die tragende Bauteile fertigen, brauchen für die werkseigene Produktionskontrolle nach EN 1090 zertifiziertes Personal, Schweißnachweise sind dort keine Formalie, sondern Voraussetzung für den Arbeitsplatz.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich schwer. Träger und Bleche wiegen viel, auch mit Kran und Hebehilfe bleibt Heben, Bücken und Über-Kopf-Arbeit. In der Halle ist es laut und staubig, beim Schweißen heiß, auf der Baustelle wird bei Kälte, Wind und Regen weitergearbeitet. Schweißrauch, Funken und Lärm gehören dazu, Schutzausrüstung ist Pflicht und trotzdem verschleißen Rücken, Gehör und Gelenke über die Jahre. Montagearbeit bedeutet häufig frühe Anfahrt, lange Tage und Wochen auswärts mit Übernachtung; im Stahlbrücken- und Anlagenbau sind Auslandseinsätze möglich. Wer in großer Höhe montiert, braucht Höhentauglichkeit und die entsprechende arbeitsmedizinische Vorsorge. Fehler sind teuer und im Stahlbau sicherheitsrelevant, entsprechend hoch ist der Anspruch an Sorgfalt und Dokumentation.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis gut. Stahlbaubetriebe, Anlagenbauer und Werkstätten der Industrie finden schwer Fachkräfte, besonders geprüfte Schweißer und Monteure mit Baustellenerfahrung. Konjunkturell hängt der Bereich am Bau und am Industrieanlagenbau und schwankt mit deren Auftragslage. Weiterkommen lässt sich über Zusatzprüfungen in weiteren Schweißverfahren und Positionen, über den Schweißfachmann oder Schweißtechniker, über die Meisterprüfung im Metallbau oder eine Weiterbildung zum Industriemeister. Damit öffnen sich Bauleitung, Arbeitsvorbereitung, Qualitätssicherung oder die eigene Werkstatt. Auch Prüftätigkeiten in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung sind ein möglicher Weg.