Was macht ein Spezialist Kreditabwicklung?
Die Arbeit beginnt dort, wo der Vertrieb aufhört. Ist ein Kredit genehmigt, wird im Back-Office der Vertrag erstellt, auf Vollständigkeit und rechtliche Wirksamkeit geprüft und die Auszahlung vorbereitet. Dazu gehört die Bestellung und Verwaltung von Sicherheiten: Grundschuldbestellungen mit Notar und Grundbuchamt abstimmen, Bürgschaften, Abtretungen und Verpfändungen erfassen, Sicherheitenwerte im System hinterlegen. Bei Baufinanzierungen werden Auszahlungen nach Baufortschritt freigegeben, Rechnungen und Nachweise kontrolliert.
Ein zweiter Teil des Berufs betrifft Kredite, die nicht planmäßig laufen. In der Intensivbetreuung und der eigentlichen Abwicklung werden Rückstände überwacht, Mahn- und Kündigungsschreiben erstellt, Stundungen und Sanierungsvereinbarungen aufgesetzt und Forderungen zur Zwangsvollstreckung oder Zwangsversteigerung gegeben. Bei Insolvenzen werden Forderungen angemeldet, Absonderungsrechte geprüft und die Kommunikation mit Insolvenzverwaltern geführt. Dazu kommen Wertberichtigungen, Meldungen nach Kreditwesengesetz und die Dokumentation für Innenrevision und Wirtschaftsprüfer.
Wie wird man Spezialist Kreditabwicklung?
Der häufigste Weg führt über die Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau, drei Jahre dual, häufig verkürzt auf zweieinhalb. Danach folgt einige Jahre Arbeit in der Marktfolge Passiv oder Aktiv, bevor die anspruchsvolleren Abwicklungsfälle übernommen werden. Wer in die Sanierung und Verwertung will, ergänzt meist eine Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt oder ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht oder Finance. Auch Juristen und Rechtsanwaltsfachangestellte mit Zwangsvollstreckungserfahrung finden hier Einstiege. Quereinstieg ohne Bankhintergrund ist möglich, aber selten und meist nur über Servicegesellschaften und Kreditfabriken, die Bearbeitungsschritte standardisiert haben.
Was der Beruf verlangt
Die Tätigkeit ist Bildschirmarbeit mit hohem Detailanspruch. Ein falsch erfasster Rangvermerk oder eine versäumte Frist in der Zwangsvollstreckung kostet die Bank Geld, deshalb wird nach dem Vier-Augen-Prinzip gearbeitet und viel dokumentiert. Wer Formalien als Bürokratie empfindet, wird hier unglücklich. Die Fallzahlen sind oft hoch, zum Quartals- und Jahresende steigt der Druck durch Meldetermine und Abschlussarbeiten.
In der Abwicklung notleidender Kredite kommt eine menschliche Seite hinzu: Telefonate mit überschuldeten Privatkunden, gekündigte Baufinanzierungen, Firmenkunden vor der Insolvenz. Das verlangt Sachlichkeit ohne Kälte und die Fähigkeit, Entscheidungen zu vertreten, die für Betroffene hart sind. Die Arbeitszeiten sind dafür planbar, Schichtdienst gibt es nicht, Gleitzeit und Homeoffice-Anteile sind in der Branche verbreitet.
Aussichten
Die Nachfrage schwankt mit der Konjunktur. Steigen Zinsen und Ausfallquoten, baut die Branche Abwicklungskapazität auf; in ruhigen Jahren wird sie abgebaut oder an Dienstleister ausgelagert. Erfahrene Kräfte mit Sanierungs- und Verwertungswissen sind dabei stabiler nachgefragt als reine Bearbeiter, deren Aufgaben zunehmend automatisiert oder in Kreditfabriken verlagert werden. Entwicklungswege führen zur Teamleitung in der Marktfolge, zur Spezialisierung auf Immobilienverwertung, Firmenkundensanierung oder gewerbliche Finanzierungen, außerdem in Kreditrisikocontrolling, Compliance oder Innenrevision. Wer die Prüfung zum Bankbetriebswirt oder ein berufsbegleitendes Studium abschließt, hat auch Zugang zu Kreditanalyse und Kreditentscheidung.