Solution Architect
Solution Architects entwerfen die technische Gesamtlösung für IT-Vorhaben: Sie legen fest, welche Systeme, Schnittstellen und Technologien zusammenspielen, und begleiten die Umsetzung. Sie vermitteln zwischen Fachbereich, Entwicklung und Betrieb.
11 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Solution Architect verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 4.500 € | 5.400 € | 6.500 € | 64.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 5.800 € | 7.000 € | 8.500 € | 84.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 7.000 € | 8.500 € | 11.000 € | 102.000 € |
Ausschlaggebend sind Branche und Unternehmensgröße: Banken, Versicherungen, Automobilkonzerne und große Beratungen zahlen deutlich mehr als Mittelstand, Vereine oder öffentliche Auftraggeber. Im öffentlichen Dienst gilt meist der TVöD Bund oder TV-L, dort liegen die Werte am unteren Rand der Spanne, in der Beratung kommen erfolgsabhängige Anteile hinzu.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Solution Architect?
Ein Solution Architect entwirft die technische Struktur einer konkreten Lösung: einer neuen Kundenplattform, einer Migration in die Cloud, der Anbindung eines Warenwirtschaftssystems an einen Onlineshop. Am Anfang steht das Verstehen der Anforderungen. Fachbereiche beschreiben, was sie brauchen, oft unvollständig und in ihrer eigenen Sprache. Der Architect übersetzt das in Systemgrenzen, Datenflüsse, Schnittstellen und Technologieentscheidungen und schreibt auf, warum eine Variante gewählt wurde und welche verworfen wurden.
Ein großer Teil des Arbeitstags besteht aus Gesprächen: mit Entwicklungsteams über Machbarkeit, mit dem Betrieb über Verfügbarkeit und Monitoring, mit der Informationssicherheit über Berechtigungen und Verschlüsselung, mit dem Einkauf über Lizenzen, mit der Projektleitung über Aufwände. Dazwischen entstehen Diagramme, Entscheidungsvorlagen, Aufwandsschätzungen und Prototypen. Wer im Beratungshaus oder beim Softwarehersteller arbeitet, ist zusätzlich im Vertrieb eingebunden: Angebote technisch ausarbeiten, Lösungen beim Kunden vorstellen, Ausschreibungen beantworten.
Code schreiben Solution Architects meist nur noch punktuell, für Machbarkeitsnachweise oder Referenzimplementierungen. Die Verantwortung liegt darin, dass die Lösung nach der Inbetriebnahme trägt: skalierbar, wartbar, bezahlbar, mit den Regeln des Unternehmens vereinbar.
Wie wird man Solution Architect?
Es gibt keine Ausbildung mit diesem Namen. Üblich ist ein Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder einem technischen Fach und danach mehrere Jahre praktische Arbeit als Softwareentwickler, DevOps-Engineer, Datenbank- oder Systemspezialist. Aus dieser Tiefe wächst die Breite. Der Übergang erfolgt oft schleichend: Wer im Team ohnehin Konzepte schreibt und Entscheidungen begründet, übernimmt irgendwann die Architekturrolle formal.
Quereinstieg aus der Fachinformatiker-Ausbildung ist möglich und verbreitet, dauert aber länger, weil Erfahrung in vielen Systemlandschaften nötig ist. Zertifizierungen der Cloudanbieter, etwa AWS Solutions Architect, Microsoft Azure oder Google Cloud, sowie iSAQB CPSA gelten bei Arbeitgebern als solide Nachweise, ersetzen aber keine Projekthistorie.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist gedanklich anspruchsvoll und politisch. Architekturentscheidungen greifen in Zuständigkeiten ein, und nicht jedes Team möchte hören, dass seine gewachsene Lösung ersetzt wird. Wer Konflikte scheut oder nicht überzeugen kann, kommt in dieser Rolle nicht weit. Die Verantwortung ist hoch und die Rückmeldung spät: Ob ein Entwurf gut war, zeigt sich manchmal erst nach Jahren.
Die Arbeitszeiten sind meist regulär, mit Ausnahmen bei Migrationswochenenden, Releaseterminen und Angebotsfristen. In der Beratung kommt Reisetätigkeit hinzu, teils mehrere Tage pro Woche beim Kunden. Belastend empfinden viele die Fülle an Terminen, die kaum Zeit für konzentrierte Arbeit lässt, und den Druck, technologisch aktuell zu bleiben, während sich Cloud- und KI-Werkzeuge schnell verändern.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch, weil kaum ein Unternehmen seine Systemlandschaft ohne Architekturrolle umbaut. Besonders gesucht sind Fachleute für Cloudmigration, Integration, Datenplattformen und Sicherheitsarchitektur. Entwicklungswege führen zum Enterprise Architect mit unternehmensweiter Verantwortung, in die Fachbereichsleitung, in die IT-Leitung oder in die selbstständige Beratung. Wer die Technik nicht verlassen will, spezialisiert sich als Principal Architect auf ein Feld. Wichtig ist, den Kontakt zur Praxis nicht zu verlieren; rein konzeptionelle Architekten verlieren in Entwicklungsteams schnell an Gewicht.
Aufgaben
- Anforderungen aus Fachbereichen aufnehmen und technisch bewerten
- Lösungsarchitekturen entwerfen und Technologieentscheidungen begründen
- Schnittstellen, Datenflüsse und Systemgrenzen festlegen
- Aufwände und Betriebskosten für Lösungsvarianten schätzen
- Entwicklungs- und Betriebsteams bei der Umsetzung fachlich begleiten
- Vorgaben zu Sicherheit, Datenschutz und Compliance in den Entwurf einarbeiten
- Architekturdokumentation und Entscheidungsprotokolle pflegen
- technische Anteile von Angeboten und Ausschreibungen ausarbeiten
Voraussetzungen
- abgeschlossenes Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder vergleichbare Qualifikation
- mehrjährige Praxis in Softwareentwicklung, Systembetrieb oder Integration
- breites Wissen zu Cloudplattformen, Datenbanken, Netzwerken und Schnittstellentechnologien
- Fähigkeit, technische Sachverhalte für Nichttechniker verständlich darzustellen
- Durchsetzungsvermögen und Bereitschaft, Entscheidungen zu vertreten
- sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse
- je nach Arbeitgeber Reisebereitschaft
Wo man arbeitet
- IT-Beratungen und Systemhäuser
- Softwarehersteller und Cloudanbieter
- IT-Abteilungen von Industrie-, Handels- und Finanzunternehmen
- öffentliche Verwaltung und deren IT-Dienstleister
- Krankenkassen, Versicherungen und Energieversorger
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren, gefolgt von etwa fünf bis acht Jahren Praxis in der Entwicklung oder im Systembetrieb. Die Architekturrolle wird meist intern übernommen, oft begleitet von Zertifizierungen wie iSAQB CPSA oder den Architekturzertifikaten von AWS, Microsoft und Google. Auch der Weg über die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung mit anschließender Berufserfahrung ist möglich.
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