Was macht ein SAP MM Consultant?
MM steht für Materials Management, die Materialwirtschaft in SAP. Wer dieses Modul betreut, ist für alles zuständig, was zwischen Bedarfsmeldung und bezahlter Rechnung passiert: Bestellanforderungen, Lieferantenauswahl, Rahmenverträge, Wareneingang, Bestandsführung, Rechnungsprüfung. Die Arbeit besteht zu einem großen Teil aus Gesprächen mit den Fachabteilungen. Einkauf und Logistik beschreiben, wie sie arbeiten oder arbeiten wollen; der Consultant übersetzt das in Customizing-Einstellungen, Bewegungsarten, Belegarten, Freigabestrategien und Berechtigungen. Wo Standard nicht ausreicht, schreibt er ein Fachkonzept für Entwickler.
Der Alltag wechselt zwischen Projekt und Betrieb. In Einführungs- oder Umstellungsprojekten, derzeit meist Migrationen auf S/4HANA, gehören Workshops, Prozessaufnahmen, Testfallbeschreibungen, Datenmigration und Schulungen dazu. Im laufenden Betrieb kommen Störungsmeldungen aus dem Ticketsystem: eine Bestellung lässt sich nicht freigeben, eine Rechnung bleibt gesperrt, ein Bestand stimmt nicht mit der Inventur überein. Weil MM eng an FI, SD, PP und WM hängt, ist Abstimmung mit den Kollegen anderer Module ständige Begleitung.
Wie wird man SAP MM Consultant?
Es gibt keinen Ausbildungsberuf dafür. Der häufigste Weg führt über ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft, Logistik oder Supply Chain Management, oft mit einem Trainee- oder Juniorprogramm bei einem Beratungshaus. Der zweite, ebenso verbreitete Weg ist der Quereinstieg aus der Fachabteilung: Wer im Einkauf oder in der Logistik gearbeitet und dort als Key User das System mitbetreut hat, bringt genau das Prozessverständnis mit, das schwer zu lernen ist. SAP-Kenntnisse lassen sich nachschulen, Zertifizierungen über SAP Learning Hub oder Trainingspartner sind üblich, aber selten Pflicht. Entscheidend ist bei Bewerbungen fast immer die Zahl abgeschlossener Projekte.
Was der Beruf verlangt
In der Beratung gehört Reisen dazu, je nach Kunde und Projektphase mehrere Tage pro Woche. Seit einigen Jahren läuft mehr remote, ganz verschwunden ist die Präsenz aber nicht. Vor Go-Live-Terminen, zum Jahresabschluss und während der Inventur wird es lang, Wochenendarbeit bei Systemumstellungen ist eingeplant. Wer Ordnung im Kopf braucht, kommt gut zurecht; wer sich an unklaren Anforderungen und widersprüchlichen Aussagen aus Fachabteilungen reibt, wird sich schwertun. Der Beruf ist zur Hälfte Kommunikation und Dokumentation, nicht nur Konfiguration. Dauerndes Nachlernen ist Bedingung, weil SAP Funktionsumfang und Bedienlogik regelmäßig verändert.
Eine Anstellung in der Inhouse-IT eines Unternehmens ist ruhiger und ortsfester, dafür schmaler in der Abwechslung: Man kennt ein System sehr genau, sieht aber wenig andere.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und bleibt es voraussichtlich noch einige Jahre, weil die Wartung älterer SAP-Releases ausläuft und viele Unternehmen ihre Migration noch vor sich haben. Erfahrene MM-Berater mit S/4HANA-Projekten im Rücken sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen zur Teil- oder Gesamtprojektleitung, zur Spezialisierung auf angrenzende Themen wie Ariba, SRM-Nachfolger oder Extended Warehouse Management, in die Vorverkaufsberatung oder in die Selbständigkeit als freiberuflicher Berater. Nach der Migrationswelle dürfte der Bedarf an reinen Einführungsprofilen sinken, der an Betreuung und Prozessoptimierung bleiben.