Was macht eine Rechtsanwaltsfachangestellte?
Der Arbeitstag beginnt meist mit dem Posteingang: Schriftsätze der Gegenseite, Gerichtspost, elektronische Nachrichten über das beA. Jedes Dokument wird der richtigen Akte zugeordnet, und für jeden Schriftsatz werden die Fristen berechnet und im Fristenkalender notiert. Diese Fristenkontrolle ist der heikelste Teil der Arbeit, denn eine versäumte Berufungsfrist kann für den Mandanten den Verlust des Verfahrens bedeuten und die Kanzlei in die Haftung bringen.
Dazu kommt die laufende Korrespondenz: Schreiben an Mandanten, Gerichte, Versicherungen und Behörden werden nach Diktat oder Stichworten erstellt, Klagen und Anträge formatiert und über das besondere elektronische Anwaltspostfach eingereicht. Rechtsanwaltsfachangestellte berechnen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, schreiben Vorschuss- und Endabrechnungen, überwachen offene Posten, mahnen und betreiben die Zwangsvollstreckung. In vielen Kanzleien führen sie außerdem die Kasse, buchen Fremdgeld und arbeiten mit Kanzleisoftware wie RA-MICRO, Advoware oder DATEV.
Als Teamassistenz verschiebt sich der Schwerpunkt hin zur Organisation: Termine und Gerichtsverhandlungen koordinieren, Reisen buchen, Besprechungen vorbereiten, Mandantenanfragen am Telefon vorsortieren, Unterlagen für Verhandlungen zusammenstellen. In größeren Wirtschaftskanzleien ist die Arbeit stärker aufgeteilt und häufig englischsprachig, in kleinen Kanzleien macht eine Person alles.
Wie wird man Rechtsanwaltsfachangestellte?
Üblich ist die duale Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, die in der Regel drei Jahre dauert und mit einer Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer endet. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung möglich. Eingestellt werden meist Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur. Verwandt sind die Ausbildungen zur Notarfachangestellten und zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten.
Der Quereinstieg ist verbreitet. Wer als Kauffrau für Büromanagement, Verwaltungsfachangestellte oder Steuerfachangestellte gearbeitet hat, findet häufig eine Stelle als Teamassistenz in einer Kanzlei und lernt Fristen und Gebührenrecht im Betrieb. Für die klassische Anwaltsassistenz mit Fristverantwortung erwarten viele Kanzleien allerdings die einschlägige Ausbildung. Wer weiterkommen will, kann sich zur Rechtsfachwirtin fortbilden.
Was der Beruf verlangt
Genauigkeit unter Zeitdruck. Fristen laufen unabhängig davon, wie voll der Schreibtisch ist, und Nachlässigkeit hat unmittelbare Folgen. Der Ton in Kanzleien ist oft direkt, mancher Anwalt erwartet, dass Diktate am selben Tag fertig sind. Dazu kommen Mandanten in Konflikt- oder Notlagen, die am Telefon aufgebracht sind.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, in großen Kanzleien und vor Verhandlungsterminen fallen Überstunden an. Körperlich ist die Tätigkeit unbelastend, aber es ist Bildschirmarbeit über acht Stunden. Die Bezahlung gilt in kleinen Kanzleien vielfach als niedrig gemessen an der Verantwortung, was zu spürbarer Fluktuation und offenen Stellen führt.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch, weil viele Kanzleien Stellen über Monate nicht besetzt bekommen. Wer Fristenrecht und Gebührenabrechnung sicher beherrscht, hat gute Auswahlmöglichkeiten und kann den Arbeitgeber wechseln. Entwicklungswege führen über die Fortbildung zur Rechtsfachwirtin, in die Büroleitung einer Kanzlei, in die Spezialisierung auf Zwangsvollstreckung oder Insolvenzverwaltung oder in Rechtsabteilungen von Unternehmen und Versicherungen. Routineaufgaben wie Textbausteine und Aktenanlage werden zunehmend automatisiert, die Verantwortung für Fristen und Kostenrecht bleibt bei Menschen.