Was macht eine Fachkraft im Rechnungswesen?
Jeder Geschäftsvorfall in einem Unternehmen muss belegt und verbucht werden: Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Bankbewegungen, Löhne, Abschreibungen, Rückstellungen. Das Rechnungswesen sorgt dafür, dass diese Vorgänge nach Handelsrecht und Steuerrecht richtig und nachvollziehbar in den Büchern stehen. Konkret heißt das: Belege kontieren und in Systemen wie DATEV, SAP oder Lexware buchen, offene Posten überwachen, Mahnungen schreiben, Zahlungsläufe vorbereiten, Konten abstimmen, Umsatzsteuervoranmeldungen erstellen, Reisekosten prüfen.
Zum Monatsende verdichtet sich die Arbeit. Abgrenzungen werden gebildet, Bestandskonten kontrolliert, der Monatsabschluss an das Controlling oder die Geschäftsführung übergeben. Der Jahresabschluss ist der Höhepunkt des Arbeitsjahres und bindet über Wochen Kapazität, oft in Zusammenarbeit mit Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Wer im Rechnungswesen arbeitet, unterscheidet zwischen Finanzbuchhaltung, die nach außen dokumentiert, und der internen Kosten- und Leistungsrechnung, die dem Controlling Daten liefert. In größeren Häusern sind die Bereiche getrennt, in kleineren Betrieben macht eine Person alles.
Wie wird man Fachkraft im Rechnungswesen?
Der klassische Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, meist Industriekauffrau, Kaufmann für Büromanagement oder Steuerfachangestellte. Darauf folgt in der Praxis eine Spezialisierung, häufig über die Weiterbildung zum Finanzbuchhalter oder zum Bilanzbuchhalter mit IHK-Prüfung. Der Bilanzbuchhalterabschluss gilt als Standardnachweis für eigenverantwortliche Abschlusserstellung.
Ein zweiter Weg ist ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Accounting, Rechnungswesen oder Steuern. Absolventen starten oft direkt im Accounting eines Konzerns oder in einer Prüfungsgesellschaft. Der Quereinstieg gelingt vergleichsweise häufig, weil viele Betriebe Personal suchen und Bereitschaft mitbringen, Grundlagen im Betrieb und über Kurse aufzubauen. Ohne belegbare Kenntnisse in doppelter Buchführung und Umsatzsteuer bleibt es allerdings schwierig.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend sitzend und findet am Bildschirm statt. Sie verlangt Genauigkeit über lange Strecken: Ein vertauschtes Konto oder ein falscher Steuerschlüssel fällt oft erst Monate später auf und kostet dann Zeit und im Zweifel Geld. Wer Zahlenroutine als langweilig empfindet, wird hier unglücklich, denn ein großer Teil des Tages besteht aus wiederkehrender Prüfarbeit.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, in vielen Betrieben mit Gleitzeit und Homeoffice-Anteil. Zum Monats-, Quartals- und Jahresabschluss gibt es jedoch verlässlich Belastungsspitzen mit Überstunden und festen Fristen, die nicht verschiebbar sind. Steuerrecht und Bilanzierungsregeln ändern sich laufend, Fortbildung ist keine Kür. Wer international arbeitet, braucht zusätzlich IFRS-Kenntnisse und Englisch.
Aussichten
Rechnungswesen wird in jedem Unternehmen gebraucht, die Nachfrage ist stabil und in vielen Regionen höher als das Angebot an qualifizierten Bewerbern. Gleichzeitig verändert die Automatisierung den Beruf: Belegerkennung, automatisierte Kontierung und Schnittstellen übernehmen einfache Buchungen. Wertvoll bleibt, wer Sachverhalte beurteilen, Abschlüsse verantworten und Systeme betreuen kann.
Entwicklungswege führen über den Bilanzbuchhalter zur Leitung der Buchhaltung, in Konzernrechnungslegung, Konsolidierung oder Steuerabteilung. Auch der Wechsel ins Controlling, in die Wirtschaftsprüfung oder in eine Steuerberatungskanzlei ist verbreitet. Mit Zusatzqualifikation ist der Schritt zum Steuerberater möglich.