Was macht ein Plant Controller?
Ein Plant Controller ist der Finanzverantwortliche eines Produktionsstandorts. Während das zentrale Controlling auf Konzernebene arbeitet, sitzt der Plant Controller im Werk, oft mit Blick auf die Halle. Seine Kernarbeit ist die Kostenrechnung der Fertigung: Er kalkuliert Herstellkosten je Produkt, pflegt Stundensätze für Maschinen und Kostenstellen, bewertet Bestände und analysiert Abweichungen zwischen Plan und Ist. Wenn eine Linie mehr Ausschuss produziert als vorgesehen, wenn Materialpreise steigen oder eine Umrüstung länger dauert als geplant, muss er beziffern, was das kostet.
Dazu kommt der Berichtskreislauf: Monatsabschluss mit Rückstellungen, Abgrenzungen und Bestandsbewertung, monatliche Ergebnisrechnung für das Werk, Forecast für die kommenden Quartale und das jährliche Budget. Investitionsanträge für neue Anlagen rechnet er durch, prüft Amortisation und begleitet nach der Umsetzung die Nachkalkulation. Ein großer Teil des Alltags besteht aus Gesprächen mit Produktionsleitern, Instandhaltung, Einkauf und Logistik - Zahlen aus dem ERP-System sind oft nur so gut wie die Buchungsdisziplin in der Fertigung.
Wie wird man Plant Controller?
Üblich ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Industriebetriebswirtschaft mit Schwerpunkt Controlling oder Rechnungswesen. Auch Wirtschaftsinformatiker kommen in die Rolle. Der Einstieg erfolgt selten direkt: Meist arbeitet man zunächst zwei bis vier Jahre als Controller, Kostenrechner oder Werkstudent und Junior im Werkscontrolling, bevor die Standortverantwortung übertragen wird.
Ein zweiter Weg führt über die kaufmännische Ausbildung, etwa als Industriekaufmann, mit anschließender Weiterbildung zum Controller oder Bilanzbuchhalter. Wer die Fertigung technisch versteht, hat dabei einen Vorteil, der Studienabschlüsse teilweise ersetzt. Unverzichtbar sind sichere Kenntnisse in SAP - besonders CO, teils auch PP und MM - sowie in Excel; in international geführten Unternehmen wird Englisch täglich gebraucht, ebenso Grundkenntnisse in IFRS oder US-GAAP.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit folgt einem harten Takt. Der Monatsabschluss lässt sich nicht verschieben, und in den ersten Arbeitstagen des Monats sind Überstunden die Regel. Budgetrunden im Herbst bringen wochenlange Zusatzbelastung. Zwischen Werksleitung und Konzernzentrale steht der Plant Controller häufig in einer Doppelrolle: Er soll den Standort unterstützen und gleichzeitig unangenehme Zahlen ungeschminkt nach oben meldet. Wer Konflikte scheut, hat es in dieser Position schwer.
Hinzu kommt, dass viele Daten unsauber sind. Rückmeldungen aus der Produktion fehlen, Stücklisten sind veraltet, Bestände stimmen nicht. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Nachfragen und Korrekturen, nicht in Analyse. Sitzende Bildschirmarbeit wechselt sich mit Gängen in die Halle ab. Bei Restrukturierungen oder Standortverlagerungen ist der Plant Controller derjenige, der die Zahlen für Entscheidungen liefert, die Kollegen den Arbeitsplatz kosten können.
Aussichten
Die Nachfrage in der Industrie ist stabil, besonders in Automobilzulieferung, Maschinenbau, Chemie und Lebensmittelproduktion. Steigender Kostendruck und Energiepreise haben die Rolle eher gestärkt. Entwicklungswege führen zum Leiter Controlling mehrerer Werke, in das Konzerncontrolling, zum kaufmännischen Werksleiter oder zum CFO mittelständischer Unternehmen. Wer Erfahrung mit SAP-S/4HANA-Einführungen oder Datenanalyse mitbringt, wird gesucht. Standorte liegen häufig in ländlichen Industrieregionen, Homeoffice ist wegen der Nähe zur Produktion nur begrenzt möglich.