Was macht ein Physiotherapeut für Haus-/Heimbesuche?
Die Behandlung findet dort statt, wo der Patient lebt: im Schlafzimmer, am Pflegebett, im Aufenthaltsraum eines Heims. Behandelt werden vor allem ältere Menschen nach Schlaganfall, mit Parkinson, nach Hüft- oder Knieoperationen, mit Kontrakturen oder nach Stürzen, dazu Palliativpatienten und Menschen mit schweren neurologischen Erkrankungen. Typische Inhalte sind Gangschulung mit Rollator, Mobilisation im Bett, passives Durchbewegen, Atemtherapie, Lymphdrainage, Sturzprophylaxe und Anleitung von Angehörigen und Pflegekräften.
Dazu kommt ein Teil, den es in der Praxis so nicht gibt: die Anfahrt. Ein Arbeitstag besteht aus sechs bis zehn Terminen, verteilt über ein Stadtgebiet oder eine ländliche Region, mit Parkplatzsuche, Klingeln, Wartezeiten und Fahrzeiten dazwischen. Die Dokumentation, Abrechnung der Wegepauschalen und Rücksprache mit Ärzten und Pflegediensten laufen nebenher.
Wie wird man Physiotherapeut für Haus-/Heimbesuche?
Grundlage ist immer die Ausbildung zum Physiotherapeuten: drei Jahre an einer Berufsfachschule mit staatlicher Prüfung, alternativ ein grundständiges Studium der Physiotherapie. Die Berufsbezeichnung ist geschützt und setzt die staatliche Erlaubnis voraus. Der Hausbesuchsbereich ist keine eigene Ausbildung, sondern ein Einsatzfeld, das viele Praxen ihren Angestellten übertragen oder das selbstständige Therapeuten als mobiler Dienst aufbauen. Sinnvolle Zusatzqualifikationen sind Manuelle Lymphdrainage, Bobath für Erwachsene, PNF und geriatrische Fortbildungen, weil diese Positionen höher vergütet werden und in der Hausbesuchsklientel ständig gebraucht werden. Ein Führerschein und meist ein eigenes Auto sind Bedingung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich anstrengend: Patienten werden im Bett bewegt, gestützt, aus dem Sessel aufgerichtet, oft in Wohnungen ohne Pflegebett, in gebückter Haltung und auf zu weichen Matratzen. Rückenbelastung ist der häufigste Grund, warum Therapeuten das Feld wieder verlassen. Hinzu kommt die Fahrerei bei jedem Wetter, Zeitdruck durch enge Taktung und die Erfahrung, dass Wegezeiten schlechter vergütet werden als Behandlungszeit.
Emotional fordert der Bereich mehr als die Praxis. Man begleitet Menschen über Monate, sieht Verschlechterungen, arbeitet in verwahrlosten wie in überfürsorglichen Haushalten, trifft auf überlastete Angehörige und behandelt Patienten bis kurz vor deren Tod. Man ist dabei allein, ohne Kollegen im Nebenraum. Wer Austausch braucht, sollte auf eine Praxis mit Teamstruktur achten.
Die Arbeitszeiten sind dafür meist planbar, überwiegend tagsüber und ohne Wochenenddienst. Teilzeit ist gut möglich, und die Nachfrage nach Nachmittagsterminen ist hoch.
Aussichten
Der Bedarf wächst mit der Zahl pflegebedürftiger Menschen, und gleichzeitig fehlen Therapeuten. Wer mobil arbeiten will und die Zusatzqualifikationen mitbringt, findet ohne Mühe eine Stelle und kann Bedingungen mitverhandeln. Entwicklungswege führen in die Selbstständigkeit mit eigenem mobilen Dienst, in die Fachleitung einer Praxis, in die Lehre an Berufsfachschulen oder über ein Studium in Richtung Versorgungsforschung. Die Vergütung bleibt trotz der Heilmittelreformen hinter dem zurück, was die Qualifikation rechtfertigen würde.