Was macht eine Pflegefachkraft im Nachtdienst?
Der Dienst beginnt gegen 20 oder 21 Uhr mit der Übergabe von der Spätschicht: Wer hat Fieber, wer ist unruhig, wer bekommt Bedarfsmedikation, bei wem steht eine Insulingabe an. Danach folgt die erste Runde durch die Zimmer oder den Wohnbereich. In der Nacht geht es um Lagerung zur Dekubitusprophylaxe, Inkontinenzversorgung, Schmerzmittelgabe, Absaugen, Sondenkost, Blutzuckerkontrollen und das Beruhigen von Menschen, die desorientiert aufwachen und nicht wissen, wo sie sind. Zwischen den Runden wird dokumentiert, werden Medikamente für den Folgetag gestellt, Verbandwagen aufgefüllt und Wäsche sortiert.
Das Besondere ist die Alleinverantwortung. Wer nachts arbeitet, entscheidet ohne Rückfrage, ob ein Sturz beobachtet werden kann oder den Rettungsdienst braucht, ob ein Angehöriger nachts angerufen wird, ob eine Sterbebegleitung ansteht. In der Altenpflege betreut eine Nachtwache in vielen Häusern vierzig bis sechzig Bewohner über mehrere Etagen, im Krankenhaus sind es je nach Station weniger, dafür mit höherem medizinischem Aufwand.
Wie wird man Pflegefachkraft im Nachtdienst?
Über die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, die die früheren Wege Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammenfasst. Zugang ist in der Regel der mittlere Schulabschluss, mit Hauptschulabschluss plus einjähriger Pflegehelferausbildung ebenfalls möglich. Die Ausbildung ist vergütet und wechselt zwischen Pflegeschule und Praxiseinsätzen in Klinik, Altenheim, ambulantem Dienst und Psychiatrie.
Der Nachtdienst ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern eine Einsatzform. Manche gehen bewusst dorthin, weil sich die Zeiten mit Familie oder Studium besser vertragen und die Zulagen das Gehalt merkbar heben. Wer aus dem Ausland kommt, braucht die Anerkennung der Berufsqualifikation und meist Deutsch auf B2-Niveau. Quereinstieg als Pflegehilfskraft ist möglich, für die alleinige Nachtverantwortung wird aber fast überall die dreijährige Qualifikation verlangt.
Was der Beruf verlangt
Dauerhafte Nachtarbeit greift in den Schlafrhythmus ein. Ein- und Durchschlafstörungen, Magenprobleme und ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko sind belegt, ebenso die Schwierigkeit, tagsüber am sozialen Leben teilzunehmen. Körperlich bleibt die Arbeit fordernd: Umlagern, Transfers, Heben, langes Stehen. Dazu kommt die Einsamkeit der Verantwortung – nachts ist niemand da, mit dem man eine schwierige Entscheidung schnell besprechen kann. Sterbefälle, aggressives Verhalten bei Demenz und der Druck, mit zu wenig Personal zu viele Menschen zu versorgen, gehören zum Alltag. Wer regelmäßig Dauernachtwache macht, sollte das ärztlich begleiten lassen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird weiter steigen; Nachtdienste sind in vielen Einrichtungen besonders schwer zu besetzen, was die Verhandlungsposition verbessert. Wer bleiben will, kann sich in Palliativpflege, Wundmanagement, Praxisanleitung oder Gerontopsychiatrie weiterbilden. Über Weiterbildungen zur Wohnbereichs- oder Pflegedienstleitung oder ein Studium in Pflegemanagement führen Wege aus der Nacht heraus. Viele wechseln nach einigen Jahren zurück in den Tagdienst oder reduzieren die Zahl der Nächte pro Monat.