Was macht ein Orthoptist?
Orthoptisten prüfen, wie gut beide Augen zusammenarbeiten. Sie messen Sehschärfe, Schielwinkel, Augenbeweglichkeit und räumliches Sehen, decken Fehlsichtigkeiten auf und stellen fest, ob ein Auge in der Entwicklung zurückbleibt. Ein großer Teil der Arbeit betrifft Kinder: Bei einer Amblyopie, also einer Schwachsichtigkeit, leiten Orthoptisten die Abklebebehandlung des besseren Auges an, kontrollieren den Verlauf über Monate und Jahre und passen die Therapie an. Sie führen Gesichtsfelduntersuchungen durch, bestimmen Prismenkorrekturen, testen auf Doppelbilder und dokumentieren Befunde für die ärztliche Diagnose und für Operationsplanungen bei Schieloperationen.
Dazu kommen Untersuchungen bei Erwachsenen: Doppelbilder nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder bei neurologischen Erkrankungen, Lähmungen einzelner Augenmuskeln, Nystagmus. In der Beratung bei hochgradiger Sehbehinderung erklären Orthoptisten den Umgang mit Lupen, Bildschirmlesegeräten und Kantenfiltergläsern. Bei Vorsorgeuntersuchungen in Kindergärten oder in Frühgeborenen-Nachsorgeprogrammen übernehmen sie Screenings. Ein erheblicher Anteil der Arbeitszeit geht in Dokumentation, Terminorganisation und Gespräche mit Eltern.
Wie wird man Orthoptist?
Der Weg führt über eine dreijährige schulische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Orthoptistenschule. Diese Schulen sind fast immer an Universitäts-Augenkliniken angesiedelt, es gibt bundesweit nur eine überschaubare Zahl von ihnen, entsprechend sind die Plätze knapp und der Wohnort oft nicht frei wählbar. Theorie und praktische Arbeit in der Sehschule wechseln sich ab. Am Ende steht eine staatliche Prüfung, der Abschluss lautet Orthoptistin oder Orthoptist.
Vorausgesetzt wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss, viele Schulen wählen faktisch Bewerber mit Abitur aus. Ein Gesundheitszeugnis und normales Farbsehen sowie beidäugiges Sehen sind erforderlich. Ein echter Quereinstieg existiert nicht; wer aus der Augenoptik oder aus einem medizinischen Assistenzberuf kommt, muss die Ausbildung vollständig absolvieren, bringt aber Vorwissen mit. In einigen Bundesländern wird die Ausbildung vergütet, in anderen fällt Schulgeld an.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit erfordert Geduld. Ein dreijähriges Kind lässt sich nicht auf Kommando untersuchen, Messungen müssen spielerisch und oft mehrfach erfolgen. Eltern reagieren auf die Diagnose ihres Kindes verunsichert oder ablehnend, besonders wenn die Abklebetherapie über Jahre durchgehalten werden muss. Feinmotorik, gute Beobachtungsgabe und ein sicherer Umgang mit Messgeräten sind Grundvoraussetzung.
Körperlich ist der Beruf mäßig belastend, aber die Untersuchungen finden überwiegend sitzend in gebeugter Haltung an Geräten und in abgedunkelten Räumen statt. Die Arbeitszeiten sind vergleichsweise verlässlich: Praxen und Ambulanzen arbeiten tagsüber, Nachtdienste sind unüblich, Teilzeit ist gut möglich. Belastend ist eher die Taktung, wenn in Klinikambulanzen viele Patienten in kurzer Zeit durchlaufen. Der Beruf ist klein und wenig bekannt, was die Wahrnehmung des eigenen Fachwissens gegenüber Verwaltung und anderen Berufsgruppen manchmal erschwert.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und übersteigt in vielen Regionen das Angebot, weil jährlich nur wenige hundert Absolventen nachkommen. Wer flexibel ist, findet in der Regel schnell eine Stelle, vor allem in Augenarztpraxen. Entwicklungsmöglichkeiten liegen in der Spezialisierung auf Neuroophthalmologie, Low Vision, Kinderophthalmologie oder in der Leitung einer Sehschule. Auch Lehrtätigkeit an einer Orthoptistenschule, Mitarbeit in klinischen Studien oder ein anschließendes Studium in Gesundheitswissenschaften oder Optometrie sind Wege. Die Gehaltsentwicklung ist eher flach, große Sprünge sind ohne Leitungsfunktion selten.