Was macht ein Mitarbeitender im Hausnotruf-Einsatzdienst?
Wenn ein Hausnotrufkunde den Knopf am Armband oder am Basisgerät drückt, landet der Ruf zunächst in einer Notrufzentrale. Lässt sich die Situation nicht am Telefon klären oder braucht die Person Hilfe vor Ort, fährt der Einsatzdienst hinaus. Die Mitarbeitenden öffnen die Wohnung mit dem hinterlegten Schlüssel, verschaffen sich einen Überblick und entscheiden, was zu tun ist.
Der häufigste Anlass ist ein Sturz. Dann geht es darum, die Person zu untersuchen, sie mit Hebehilfen oder Aufstehtechniken vom Boden zu holen, ins Bett oder in den Sessel zu bringen und zu prüfen, ob eine Verletzung vorliegt. Bei Verdacht auf Fraktur, Schlaganfall oder Herzproblem wird der Rettungsdienst nachgefordert und bis zu seinem Eintreffen Erste Hilfe geleistet. Andere Einsätze sind harmloser: ein versehentlich gedrückter Knopf, ein Gerätefehler, eine Person, die nur Zuspruch braucht oder Hilfe beim Toilettengang. Auch das gehört dazu und macht einen beträchtlichen Teil der Fahrten aus.
Jeder Einsatz wird dokumentiert: Uhrzeit, Zustand der Person, ergriffene Maßnahmen, Übergabe an Rettungsdienst oder Angehörige. Dazu kommen Nebenaufgaben wie Schlüsselverwaltung, Prüfen und Nachfüllen des Einsatzfahrzeugs, Batteriewechsel an Geräten und manchmal die Installation neuer Hausnotrufanlagen.
Wie wird man Mitarbeitender im Hausnotruf-Einsatzdienst?
Es gibt keine eigene Ausbildung für diese Tätigkeit. Eingestellt werden meist Menschen mit einer Qualifikation im Rettungs- oder Pflegebereich: Rettungssanitäter, Rettungshelfer, Notfallsanitäter, Pflegefachkräfte oder Pflegehelfer. Viele Arbeitgeber nehmen auch Bewerber ohne solchen Hintergrund und schulen sie selbst, verlangen dann aber mindestens einen Sanitätshelferkurs oder eine Erste-Hilfe-Ausbildung mit regelmäßiger Auffrischung. Ein Führerschein der Klasse B ist Pflicht, ebenso ein einwandfreies erweitertes Führungszeugnis.
Der Einstieg ist damit einer der niedrigschwelligeren im Gesundheitsbereich und für Quereinsteiger offen, etwa für Menschen aus Handwerk, Handel oder Sicherheitsdienst. Die Einarbeitung läuft über Mitfahrten mit erfahrenen Kollegen, Schulungen zu Hebe- und Lagerungstechniken, Umgang mit Demenz und Notfallmanagement.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind der schwierigste Teil. Der Dienst läuft rund um die Uhr, an Wochenenden und Feiertagen, oft in Nachtschichten oder Rufbereitschaft mit kurzen Reaktionszeiten. Wer den Schlafrhythmus nicht dauerhaft verschieben kann, wird damit Probleme haben.
Körperlich verlangt der Beruf Kraft: Menschen mit deutlichem Gewicht vom Boden aufzurichten, teils allein, teils in engen Badezimmern, belastet den Rücken. Hebehilfen gibt es, aber nicht in jeder Situation. Dazu kommen unangenehme Bilder: verwahrloste Wohnungen, Ausscheidungen, Verletzungen, Menschen, die verstorben aufgefunden werden. Ruhe, Freundlichkeit und ein Umgang mit Nähe und Scham gehören zur Grundausstattung, ebenso die Fähigkeit, allein zu entscheiden, ob der Rettungsdienst kommen muss.
Das Fahren im Stadt- oder Landgebiet bei jedem Wetter, Parkplatzsuche, unklare Hausnummern und nicht auffindbare Schlüssel gehören zum Alltag.
Aussichten
Die Zahl der Hausnotrufkunden wächst mit der älter werdenden Bevölkerung, und Angehörige leben oft weit weg. Stellen sind entsprechend regelmäßig zu haben, häufig auch in Teilzeit oder als Minijob für Nachtdienste. Wer sich weiterentwickeln will, geht meist in die Rettungssanitäter- oder Notfallsanitäterausbildung, in eine Pflegeausbildung, in die Notrufzentrale oder in die Team- und Einsatzleitung. Als Dauerberuf über Jahrzehnte ist die Tätigkeit wegen der körperlichen Belastung nur begrenzt tragfähig.