Was macht ein Materialdisponent?
Materialdisponenten sorgen dafür, dass das richtige Material in der richtigen Menge zum richtigen Termin am richtigen Ort liegt. Grundlage ist meist ein ERP-System wie SAP, Microsoft Dynamics oder Infor. Dort laufen Bedarfe aus der Produktionsplanung oder dem Vertrieb ein, und der Disponent prüft Bestände, Wiederbeschaffungszeiten, Mindestbestellmengen und offene Lieferantenzusagen. Aus diesen Daten entstehen Bestellungen und Lieferabrufe.
Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation. Lieferanten melden Verzögerungen, die Produktion meldet vorgezogene Aufträge, die Qualitätssicherung sperrt eine Charge. Der Disponent telefoniert, mahnt Termine an, sucht Alternativen, disponiert um und informiert die Fertigungsleitung, wenn ein Engpass nicht mehr zu vermeiden ist. Dazu kommen Pflege der Materialstammdaten, Bestandsanalysen, Inventurvorbereitung und die Klärung von Rechnungsdifferenzen mit der Buchhaltung.
Wie wird man Materialdisponent?
Der klassische Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, häufig Industriekaufmann, Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement oder Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung. Viele Betriebe setzen zusätzlich einige Jahre Erfahrung in Einkauf, Lager oder Arbeitsvorbereitung voraus. Weiterbildungen zum Fachwirt für Logistiksysteme oder zum Fachkaufmann für Einkauf und Logistik sind gängige Aufstiegsqualifikationen.
Auch technisch Ausgebildete steigen um: Wer die Produkte und Fertigungsabläufe kennt, hat bei technischen Bauteilen einen Vorteil. Für größere Unternehmen und internationale Lieferketten wird zunehmend ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Supply Chain Management verlangt. Ein Quereinstieg aus dem Lager oder der Fertigungssteuerung ist möglich, setzt aber Sicherheit im ERP-System und im Umgang mit Zahlen voraus.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit, aber selten ruhig. Materialdisponenten stehen zwischen Produktion, Einkauf und Lieferanten und bekommen Druck von allen Seiten, sobald etwas fehlt. Wer schlecht mit Unterbrechungen umgeht oder Konflikte scheut, wird damit Mühe haben. Termindruck steigt zum Monats- und Quartalsende, bei Werksferien und in Phasen gestörter Lieferketten.
Sorgfalt zählt mehr als Tempo: Eine falsch gepflegte Wiederbeschaffungszeit oder ein vergessener Abruf kostet im schlimmsten Fall einen Produktionsstopp. Fehler sind sichtbar und werden zugeordnet. Englisch ist bei internationalen Lieferanten Alltag. Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, in Betrieben mit Mehrschichtbetrieb kann es Bereitschaft oder frühe Anfangszeiten geben. Homeoffice ist teilweise möglich, aber die Nähe zum Werk bleibt wichtig.
Aussichten
Materialdisposition wird in Industrie, Handel und Logistikdienstleistung dauerhaft gebraucht. Die Störungen der letzten Jahre haben den Stellenwert der Funktion erhöht, gleichzeitig übernehmen Planungssysteme immer mehr Routinebestellungen automatisch. Der Beruf verschiebt sich damit von der Auslösung einzelner Bestellungen zur Steuerung von Ausnahmen, zur Bewertung von Risiken und zur Arbeit mit Kennzahlen.
Entwicklungswege führen zum strategischen Einkauf, zur Leitung der Produktionsplanung, zum Supply Chain Manager oder in die Bereichsleitung Logistik. Spezialisierung auf SAP-Module, auf Ersatzteil- oder Projektdisposition oder auf internationale Beschaffung verbessert die Position deutlich. Wer nur Bestellungen abarbeitet, ohne Daten und Prozesse zu verstehen, hat mittelfristig weniger Spielraum.