Was macht ein Löter?
Löten heißt, zwei Metallteile mit einem geschmolzenen Zusatzwerkstoff zu verbinden, ohne die Teile selbst zu schmelzen. In der Praxis bedeutet das meist: An einem Arbeitsplatz mit Lötstation, Absaugung und Stereomikroskop werden Widerstände, Kondensatoren, Steckverbinder oder Mikrocontroller auf Leiterplatten gesetzt und verlötet. Ein Teil der Arbeit ist bedrahtete Technik, bei der Bauteilbeinchen durch Bohrungen gesteckt und auf der Rückseite verlötet werden. Der andere Teil ist Oberflächenmontage, bei der Bauteile von wenigen Millimetern Kantenlänge auf Lötpads gesetzt werden.
Dazu kommen Nacharbeit und Reparatur: Lötbrücken entfernen, kalte Lötstellen nachbessern, defekte Bauteile auslöten und ersetzen, Leiterbahnen ausbessern. In vielen Betrieben gehört das Bestücken von Baugruppen, das Konfektionieren und Verlöten von Kabeln und Steckern sowie eine Sichtprüfung nach Norm dazu. Wer an Serienanlagen arbeitet, bereitet Lötrahmen vor, bestückt Wellenlötanlagen oder überwacht Reflow-Öfen und prüft die Ergebnisse. Jede Baugruppe wird dokumentiert, fehlerhafte Teile werden gekennzeichnet und der Fertigungsleitung gemeldet.
Wie wird man Löter?
Einen Ausbildungsberuf mit diesem Namen gibt es nicht. Der übliche Weg führt über eine Ausbildung in der Elektronik oder Metalltechnik, etwa als Elektroniker für Geräte und Systeme oder Fachkraft für Metalltechnik. Viele Löterinnen sind aber angelernt: Betriebe stellen Menschen ohne einschlägige Ausbildung ein und schulen sie intern über Wochen bis Monate.
Entscheidend ist in der Elektronikfertigung die Zertifizierung. Lehrgänge nach IPC J-STD-001 oder DIN EN IEC 61191-4 dauern wenige Tage bis zwei Wochen und schließen mit einer praktischen Prüfung ab. Für Luftfahrt, Medizintechnik und Raumfahrt sind solche Nachweise Pflicht und müssen regelmäßig aufgefrischt werden. Der Quereinstieg ist damit realistisch, sofern die Feinmotorik stimmt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist sitzend, statisch und über Stunden auf einen Punkt konzentriert. Nacken, Schultern und Augen werden dabei stark beansprucht, besonders bei Arbeit unter dem Mikroskop. Wer zittrige Hände hat oder Farben schlecht unterscheidet, wird Schwierigkeiten haben. Lötrauch enthält Flussmittelreste, deshalb ist eine funktionierende Absaugung nicht optional, und bleihaltige Lote unterliegen Schutzvorschriften.
In der Serienfertigung gibt es Taktvorgaben und Stückzahlen, in vielen Werken Zwei- oder Dreischichtbetrieb. Die Tätigkeit gilt als angelernte Produktionsarbeit und wird entsprechend eingruppiert, auch wenn sie hohe Präzision verlangt. Ein Teil der Beschäftigung läuft über Zeitarbeit, gerade bei Auftragsspitzen. Wer nur einfache Standardarbeiten beherrscht, steht in Konkurrenz zu automatischer Bestückung.
Aussichten
Maschinen bestücken Serienplatinen schneller und günstiger als Menschen. Was bleibt, ist alles, was Maschinen schlecht können: Kleinserien, Prototypen, Sonderbauteile, Reparatur, Nacharbeit und Baugruppen mit sehr hohen Qualitätsanforderungen. In diesen Bereichen ist die Nachfrage stabil bis gut, weil qualifizierte Handlöter knapp sind.
Wer weiterkommen will, sammelt Zertifikate, wird Trainer für Lötverfahren, wechselt in die Qualitätsprüfung oder übernimmt eine Gruppenleitung in der Fertigung. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung stehen zusätzlich Wege in die Prüftechnik, die Arbeitsvorbereitung oder eine Technikerweiterbildung offen.