Was macht die Leitung einer Werkfeuerwehr?
Eine Werkfeuerwehr ist eine behördlich anerkannte Feuerwehr eines Unternehmens, meist in Chemieparks, Raffinerien, Stahl- und Automobilwerken, an Flughäfen oder in Kraftwerken. Die Leitung trägt die Gesamtverantwortung für Einsatzdienst, Personal, Fahrzeuge und Ausrüstung. Sie erstellt Alarm- und Ausrückeordnungen, Feuerwehrpläne und Objektpläne, legt die Mindeststärke der Wachabteilungen fest und stimmt sich mit der öffentlichen Feuerwehr, der Aufsichtsbehörde und dem Werkschutz ab.
Ein großer Teil der Arbeit ist vorbeugender Brandschutz: Brandschutzkonzepte prüfen, Baumaßnahmen begleiten, Genehmigungsverfahren nach Störfallverordnung und Betriebssicherheitsverordnung begleiten, Gefahrenanalysen für neue Anlagen bewerten. Dazu kommen Übungsplanung, Ausbildung der Einsatzkräfte, Nachbereitung von Einsätzen und Budgetverantwortung für Beschaffungen, die schnell in die Millionen gehen. Bei größeren Schadenslagen übernimmt die Leitung selbst die Einsatzleitung oder die Funktion in der Werkeinsatzleitung neben Betriebsleitung und Umweltschutz.
Wie wird man Leitung einer Werkfeuerwehr?
Der klassische Weg führt über ein ingenieurwissenschaftliches Studium, häufig Sicherheitstechnik, Gefahrenabwehr, Maschinenbau, Verfahrens- oder Bauingenieurwesen, und anschließend die Laufbahnausbildung für den gehobenen oder höheren feuerwehrtechnischen Dienst an einer Landesfeuerwehrschule oder einem Institut der Feuerwehr. Große Werkfeuerwehren verlangen für die Leitung in der Regel die Befähigung für den höheren Dienst, kleinere lassen den gehobenen Dienst mit entsprechender Praxis zu.
Der zweite verbreitete Weg beginnt in der Werkfeuerwehr selbst: Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau oder zum Werkfeuerwehrmann, Jahre im Wachdienst, Gruppen- und Zugführerlehrgänge, dann ein berufsbegleitendes Studium und die Laufbahnprüfung. Wer aus einer kommunalen Berufsfeuerwehr kommt, wechselt oft mit Erfahrung als Abteilungsleitung in die Industrie. Ohne Feuerwehrpraxis und Laufbahnbefähigung ist die Position nicht erreichbar.
Was der Beruf verlangt
Die Leitung arbeitet überwiegend im Tagdienst, steht aber in Rufbereitschaft und wird bei Großschadenslagen nachts, am Wochenende und an Feiertagen geholt. Die körperliche Tauglichkeit nach arbeitsmedizinischer Vorsorge für Atemschutz muss regelmäßig nachgewiesen werden, ebenso die Fahrerlaubnis der Klasse C oder CE.
Belastend ist die Doppelrolle: Auf dem Papier viel Verwaltung, Dokumentation und Behördenkorrespondenz, im Ereignisfall Entscheidungen unter Zeitdruck mit Verantwortung für Menschenleben, Anlagen und Nachbarschaft. Dazu kommen Konflikte mit Betriebsleitungen, die Stillstände vermeiden wollen, und der Umgang mit Personalengpässen im Wachdienst. Nach schweren Einsätzen mit Verletzten oder Toten bleibt die Nachsorge für die Mannschaft Aufgabe der Leitung.
Aussichten
Die Zahl der Stellen ist begrenzt, weil es in Deutschland nur wenige hundert anerkannte Werkfeuerwehren gibt. Gleichzeitig ist der Kreis qualifizierter Bewerber klein, sodass Positionen oft lange offen bleiben, besonders abseits der großen Chemiestandorte. Wer bereit ist umzuziehen, hat gute Chancen.
Entwicklungswege führen in die übergeordnete Leitung von Sicherheit und Werkschutz, in den technischen Umweltschutz, in das Krisenmanagement eines Konzerns oder in die Beratung für Brandschutzkonzepte und Anlagensicherheit. Auch ein Wechsel in die kommunale Berufsfeuerwehr oder in die Aufsichtsbehörde ist möglich. Die Anforderungen aus Störfallrecht und Anlagensicherheit nehmen zu, was die Rolle im Betrieb tendenziell stärkt.