Was macht ein Leiter Finanz- und Rechnungswesen?
Im Zentrum steht die Verantwortung für die Zahlen eines Unternehmens. Die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens stellt sicher, dass Haupt-, Debitoren-, Kreditoren- und Anlagenbuchhaltung korrekt laufen, dass Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse fristgerecht fertig werden und dass die Zahlen einer Prüfung standhalten. Dazu gehören die Abstimmung von Konten, die Bildung von Rückstellungen, die Bewertung von Vorräten und Forderungen, die Umsatzsteuervoranmeldung und die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater bei Körperschaft- und Gewerbesteuer.
Ein zweiter Teil der Arbeit ist die Liquidität: Zahlungsläufe freigeben, Zahlungseingänge überwachen, Kreditlinien mit Banken besprechen, Finanzpläne fortschreiben. In vielen Unternehmen kommt das Berichtswesen dazu, also die monatliche Aufbereitung der Ergebnisse für Geschäftsführung oder Gesellschafter. Wer in einer Konzerntochter arbeitet, liefert außerdem Meldungen an die Muttergesellschaft und rechnet parallel nach HGB und IFRS.
Dazu kommt Führung. Je nach Unternehmensgröße sind es drei bis dreißig Mitarbeitende, die eingearbeitet, eingeteilt und gehalten werden müssen. Und es kommt Projektarbeit: Einführung eines neuen ERP-Systems, Digitalisierung des Rechnungseingangs, Aufbau einer Kostenrechnung, Vorbereitung einer Betriebsprüfung.
Wie wird man Leiter Finanz- und Rechnungswesen?
Es gibt zwei gängige Wege. Der erste führt über ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Accounting, Steuern oder Finanzen, dann einige Jahre in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung oder in einer Konzernbuchhaltung, danach der Wechsel in die Leitungsfunktion. Der zweite Weg beginnt mit einer kaufmännischen Ausbildung, etwa als Steuerfachangestellter oder Industriekaufmann, und führt über die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter IHK in die Verantwortung. Dieser Weg ist in mittelständischen Unternehmen weit verbreitet und gilt dort als gleichwertig.
Unverzichtbar ist praktische Abschlusssicherheit nach HGB. Wer international arbeitet, braucht IFRS-Kenntnisse. Sicherer Umgang mit einem ERP-System, meist SAP oder Microsoft Dynamics, sowie mit DATEV wird fast immer erwartet. Eine Position ohne mehrjährige Vorerfahrung im Rechnungswesen wird praktisch nicht besetzt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist termingebunden und das prägt den Jahresrhythmus. In den ersten Arbeitstagen des Monats und besonders in der Jahresabschlussphase zwischen Januar und März sind Überstunden die Regel, teilweise erheblich. Wer feste Arbeitszeiten braucht, wird damit Schwierigkeiten haben. Homeoffice ist im Rechnungswesen inzwischen üblich, entlastet aber nicht von den Fristen.
Die Verantwortung ist real: Fehlerhafte Abschlüsse, versäumte Meldefristen oder ein nicht funktionierendes internes Kontrollsystem fallen auf die Leitung zurück. Das erfordert Genauigkeit über Stunden hinweg und die Bereitschaft, unangenehme Zahlen offen zu benennen, auch gegenüber der Geschäftsführung. Steuer- und Bilanzrecht ändern sich laufend, Fortbildung ist keine Option, sondern Pflicht. Der Personalmangel in der Buchhaltung führt dazu, dass Leitungskräfte oft selbst im Tagesgeschäft mitarbeiten müssen, statt nur zu steuern.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Regionen höher als das Angebot. Qualifizierte Bilanzbuchhalter und Abschlusssichere sind schwer zu finden, was die Verhandlungsposition verbessert. Entwicklungswege führen zum Kaufmännischen Leiter, zum Head of Finance oder zum Finanzvorstand kleinerer Gesellschaften; ein Wechsel ins Controlling oder in die Steuerabteilung ist ebenfalls möglich. Automatisierung nimmt der Buchhaltung Routinearbeit ab, verändert aber vor allem die Aufgaben der Sachbearbeitung, nicht die der Leitung.