Was macht ein Kundenberater Fahrzeugbewertung?
Ein Kunde fährt mit seinem sechs Jahre alten Kombi auf den Hof und will wissen, was das Auto noch wert ist. Der Kundenberater nimmt das Fahrzeug auf: Fahrgestellnummer, Erstzulassung, Laufleistung, Ausstattungsliste, Serviceheft, Zahl der Vorbesitzer. Dann folgt die Sichtprüfung. Lackschichtdicke an den Türen messen, Spaltmaße vergleichen, Reifenprofil und Bremsscheiben ansehen, Innenraum auf Verschleiß und Gerüche prüfen, Fehlerspeicher auslesen, Probefahrt über wenige Kilometer. Schäden werden fotografiert und mit geschätzten Reparaturkosten hinterlegt.
Anschließend läuft die Bewertung über Systeme wie DAT, Schwacke oder eine hauseigene Datenbank. Der Berater ordnet den Zustand in Kategorien ein, rechnet Ab- und Zuschläge ein und vergleicht mit aktuellen Marktangeboten. Das Ergebnis muss er dem Kunden erklären, oft gegen dessen Erwartung. Wer 12.000 Euro im Kopf hat und 8.500 hört, will Gründe. Kommt es zum Ankauf, folgen Kaufvertrag, Abmeldung, Zahlungsabwicklung und die Übergabe an den Wiedervermarkter. Dazu kommen Telefon- und Onlineanfragen, Terminplanung und die Pflege der eigenen Bewertungsfälle im System.
Wie wird man Kundenberater Fahrzeugbewertung?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der häufigste Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung zum Automobilkaufmann oder über eine technische Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker mit anschließendem Wechsel in die Beratung. Auch Verkäufer aus dem Autohaus, Serviceberater und Quereinsteiger aus dem Vertrieb kommen in den Beruf, wenn sie Fahrzeugtechnik sicher beurteilen können. Ankaufplattformen und Filialketten schulen neue Mitarbeiter mehrere Wochen intern auf Bewertungssoftware, Prüfroutine und Gesprächsführung. Wer tiefer einsteigen will, kann sich zum Kfz-Sachverständigen oder Fahrzeugbewerter weiterbilden, etwa über TÜV, DEKRA oder Fachverbände.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet zu einem guten Teil draußen statt: auf Höfen, in Hallen, bei Regen und Kälte, mit Bücken, Knien und Blick unter das Fahrzeug. Sauber bleibt man nicht. Gleichzeitig zählt der Ton am Kunden, denn Bewertungsgespräche sind Preisgespräche. Enttäuschung, Misstrauen und der Vorwurf, man wolle das Auto drücken, gehören zum Alltag. Wer schlecht Nein sagt oder Kritik persönlich nimmt, hat es schwer.
In den Filialnetzen der Ankaufplattformen gibt es Zielvorgaben für Ankaufquote und Marge, teils mit variabler Vergütung. Samstagsdienst ist verbreitet, Schichtdienst dagegen selten. Der Zeitdruck ist real: Ein Bewertungstermin dauert selten länger als eine Stunde, und ein übersehener Unfallschaden kostet den Betrieb Geld. Führerschein Klasse B ist Pflicht, häufig wird auch überregionale Fahrbereitschaft erwartet.
Aussichten
Der Gebrauchtwagenmarkt ist groß und die Bewertung wird gebraucht, solange Fahrzeuge den Besitzer wechseln. Online-Ankaufmodelle und Leasingrückläufer haben eigene Bewerterteams entstehen lassen, Autohäuser besetzen die Rolle ebenfalls dauerhaft. Bewertungsalgorithmen und Bilderkennung übernehmen zwar Vorarbeit, die Prüfung vor Ort und das Gespräch bleiben aber bei Menschen. Entwicklungswege führen zum Teamleiter oder Filialleiter, in den Einkauf und die Wiedervermarktung, zur Restwertkalkulation bei Leasinggesellschaften oder in die Selbstständigkeit als Kfz-Sachverständiger. Elektrofahrzeuge verschieben die Anforderungen: Batteriezustand einschätzen zu können, wird zur Kernkompetenz.