Was macht ein Kreditspezialist für das Vermittlergeschäft?
Banken vergeben einen erheblichen Teil ihrer Baufinanzierungen und Konsumentenkredite nicht mehr über die eigene Filiale, sondern über freie Vermittler, Maklerpools und Plattformen wie Europace oder Baufinex. Der Kreditspezialist im Vermittlergeschäft sitzt an der Schnittstelle: Er nimmt die eingereichten Anträge entgegen, prüft sie und gibt sie frei oder lehnt sie ab.
Der Alltag besteht aus Aktenarbeit und Telefonaten. Eingereichte Unterlagen werden auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft: Gehaltsnachweise, Steuerbescheide, Grundbuchauszüge, Objektunterlagen, Kaufverträge. Die Haushaltsrechnung wird nachgerechnet, die Kapitaldienstfähigkeit bewertet, das Objekt anhand von Fotos, Lagedaten und Wertgutachten eingewertet. Bei Selbstständigen kommt die Auswertung von Bilanzen oder Einnahmenüberschussrechnungen dazu. Fehlt etwas, geht eine Nachforderung an den Vermittler - meist verbunden mit dem Hinweis, dass die Zinsbindungsfrist der Kondition abläuft.
Daneben steht die Betreuung der Vermittler selbst. Sie rufen an, um Fälle vorab zu besprechen, Sonderkonstellationen abzuklären oder um Tempo zu bitten. Wer hier gut arbeitet, bekommt mehr und bessere Anträge zugeschickt. Vertriebliches Denken gehört also dazu, auch wenn die Rolle formal in der Marktfolge oder im Kreditentscheid angesiedelt sein kann.
Wie wird man Kreditspezialist für das Vermittlergeschäft?
Der übliche Weg führt über die Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau, drei Jahre dual bei einer Sparkasse, Genossenschafts- oder Privatbank. Darauf folgen einige Jahre in der Kreditsachbearbeitung oder in der Baufinanzierungsberatung, bevor der Wechsel ins Vermittlergeschäft möglich wird. Alternativ steigen Absolventen eines BWL- oder Finance-Studiums ein, brauchen dann aber Zeit, um die Praxis der Beleihungswertermittlung zu lernen.
Quereinstiege gibt es von Finanzierungsvermittlern, Bausparkassen-Außendienstlern und aus dem Immobilienbereich. Wer Erfahrung im Kreditgeschäft mitbringt, wird eingearbeitet. Fachlehrgänge zum Kreditspezialisten, der Bankfachwirt oder Weiterbildungen zur Immobilienbewertung sind übliche Ergänzungen. Für beratende Tätigkeiten ist die Sachkunde nach der Immobiliar-Darlehensvermittlungsverordnung nachzuweisen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist stark durch Fristen getaktet. Vermittler vergleichen Banken auch nach Bearbeitungsdauer, entsprechend hoch ist der Druck auf Durchlaufzeiten. In Phasen niedriger Zinsen oder zum Quartalsende stapeln sich die Fälle. Gleichzeitig darf die Prüfung nicht nachlässig werden, denn Fehlentscheidungen fallen in der Revision auf und kosten die Bank Geld.
Es ist Bildschirmarbeit, überwiegend im Büro oder im Homeoffice, meist in Gleitzeit ohne Schichtdienst. Wer Abwechslung durch Kundenkontakt sucht, findet hier wenig davon - die Endkunden sieht man nie. Konflikte mit Vermittlern, die eine Absage nicht akzeptieren wollen, gehören dazu. Regulatorik, Wohnimmobilienkreditrichtlinie, ESG-Anforderungen und interne Kreditrichtlinien ändern sich laufend und müssen mitgelesen werden.
Aussichten
Der Vermittleranteil an der privaten Baufinanzierung wächst seit Jahren, und Banken bauen diesen Kanal aus, weil er günstiger ist als das Filialnetz. Fachkräfte mit Kreditkompetenz sind gesucht, gerade weil viele erfahrene Sachbearbeiter in den Ruhestand gehen. Zugleich automatisieren Plattformen und Scoring-Systeme die einfachen Fälle - Wachstum liegt eher bei den komplexen Finanzierungen, bei Selbstständigen, Kapitalanlegern und gewerblichen Objekten.
Entwicklungswege führen in die Teamleitung, in die Kreditkompetenzstufen mit höherem Entscheidungsrahmen, in das Key-Account-Management für große Vertriebspartner oder in die Kreditrisikosteuerung.