Immobiliengutachter
Immobiliengutachter ermitteln den Verkehrswert von Grundstücken, Wohnungen und Gewerbeobjekten. Ihre Gutachten dienen Banken, Gerichten, Finanzämtern und Eigentümern als Entscheidungsgrundlage.
4 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Immobiliengutachter verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.200 € | 3.800 € | 4.600 € | 45.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.200 € | 5.200 € | 6.500 € | 62.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.500 € | 7.000 € | 11.000 € | 84.000 € |
Angestellte in Banken und Sparkassen werden meist nach dem Tarifvertrag für das private Bankgewerbe oder dem TVöD-S vergütet, was die Spanne eng hält; in Bewertungsgesellschaften und Fonds wird frei verhandelt. Selbstständige rechnen nach Objektwert und Aufwand ab, ihr Einkommen schwankt stark mit Auftragslage, Zertifizierung und öffentlicher Bestellung.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Immobiliengutachter?
Ein Immobiliengutachter beantwortet eine einzige Frage in vielen Varianten: Was ist dieses Objekt wert? Der Anlass kann eine Erbauseinandersetzung sein, eine Scheidung, eine Zwangsversteigerung, die Beleihung durch eine Bank, eine Bilanzbewertung oder ein Streit über die Erbschaftsteuer. Die Arbeit beginnt mit der Beschaffung von Unterlagen: Grundbuchauszug, Flurkarte, Bauakte, Teilungserklärung, Mietverträge, Erbbaurechtsvertrag, Auskünfte aus dem Baulastenverzeichnis und dem Altlastenkataster. Dann folgt die Ortsbesichtigung, bei der Flächen aufgemessen, Bauteile und Instandhaltungsrückstände erfasst und Fotos angefertigt werden.
Den größten Teil der Zeit verbringt man am Schreibtisch. Aus Bodenrichtwerten, Vergleichspreisen der Gutachterausschüsse, Liegenschaftszinssätzen und Sachwertfaktoren entsteht die Wertermittlung nach Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren. Das Ergebnis wird in einem Gutachten begründet, das jeder Nachprüfung standhalten muss. Bei Gerichtsgutachten kommt die Ladung zum Termin dazu, in dem das Ergebnis gegen die Einwände der Parteien verteidigt wird.
Wie wird man Immobiliengutachter?
Die Bezeichnung ist nicht geschützt, der Weg dorthin deshalb uneinheitlich. Üblich ist ein Studium in Immobilienwirtschaft, Bauingenieurwesen, Architektur, Geodäsie oder Betriebswirtschaft, gefolgt von mehreren Jahren Praxis in der Bewertung. Darauf setzt eine Zertifizierung auf, etwa nach DIN EN ISO/IEC 17024 bei einer akkreditierten Stelle, HypZert für die Beleihungswertermittlung oder die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch eine Industrie- und Handelskammer. Letztere verlangt den Nachweis besonderer Sachkunde in einem anspruchsvollen Prüfungsverfahren und ist Voraussetzung für viele Gerichtsaufträge.
Quereinstieg gelingt aus verwandten Feldern: Makler, Bankmitarbeiter aus der Immobilienfinanzierung, Bausachverständige oder Mitarbeiter kommunaler Bewertungsstellen. Ohne belegbare Bewertungspraxis und eine anerkannte Zertifizierung bleiben die lukrativen Auftraggeber allerdings verschlossen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist juristisch dicht. Baugesetzbuch, Immobilienwertermittlungsverordnung, Wohnungseigentumsgesetz, Mietrecht und Steuerrecht greifen ineinander, und die Rechtsprechung ändert sich. Wer nicht gern liest und Normen liest, wird unglücklich. Gutachten bewegen oft hohe Summen, entsprechend groß ist der Druck von Parteien, die ein bestimmtes Ergebnis wünschen. Standfestigkeit gehört zur Berufsausübung, ebenso die Haftung für Fehler, die eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung erfordert.
Ortstermine finden bei jedem Wetter statt, in unbewohnten Häusern, verwahrlosten Wohnungen und auf Dachböden. Gelegentlich ist die Stimmung angespannt, etwa wenn Bewohner einer Zwangsversteigerung entgegensehen. Freiberufliche Gutachter arbeiten in Wellen: Fristen von Gerichten und Banken kollidieren, dann folgen ruhigere Phasen. Angestellte in Banken und großen Bewertungshäusern haben geregeltere Zeiten, aber Stückzahlvorgaben.
Aussichten
Bewertungsbedarf entsteht unabhängig von der Marktlage: In Boomphasen wegen Finanzierungen und Käufen, in schwachen Phasen wegen Zwangsversteigerungen, Abschreibungen und Erbfällen. Banken müssen aufsichtsrechtlich bewerten lassen, Gerichte brauchen Sachverständige, und die Zahl öffentlich bestellter Gutachter ist begrenzt, weil viele in den Ruhestand gehen. Entwicklungswege führen in die Spezialisierung auf Gewerbe-, Betreiber- oder Spezialimmobilien, in die Leitung einer Bewertungsabteilung oder in die eigene Sachverständigenkanzlei. Automatisierte Bewertungsmodelle übernehmen zunehmend die Massenbewertung einfacher Wohnobjekte, während komplexe Fälle und Gerichtsgutachten weiter Menschen brauchen.
Aufgaben
- Ortsbesichtigungen durchführen und Bausubstanz erfassen
- Grundbuch-, Bauakten- und Katasterunterlagen auswerten
- Verkehrswerte nach Vergleichs-, Ertrags- und Sachwertverfahren ermitteln
- Beleihungswerte für Banken nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben berechnen
- Gutachten schriftlich begründen und dokumentieren
- Ergebnisse vor Gericht oder gegenüber Auftraggebern erläutern
- Miet- und Pachtverträge sowie Erbbaurechte wirtschaftlich bewerten
- Marktdaten, Bodenrichtwerte und Liegenschaftszinssätze fortlaufend beobachten
Voraussetzungen
- Studium in Immobilienwirtschaft, Bauingenieurwesen, Architektur, Geodäsie oder BWL, alternativ vergleichbare Berufspraxis
- Mehrjährige Erfahrung in der Immobilienbewertung
- Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024, HypZert oder öffentliche Bestellung durch eine IHK
- Sichere Kenntnisse in BauGB, ImmoWertV, WEG und Mietrecht
- Genaues, belastbares Schreiben und saubere Dokumentation
- Führerschein und Bereitschaft zu Außenterminen
- Unabhängigkeit gegenüber Auftraggebern und Verfahrensbeteiligten
Wo man arbeitet
- Sachverständigenbüros und Bewertungsgesellschaften
- Banken und Sparkassen mit Immobilienfinanzierung
- Immobilienunternehmen, Fonds und Asset Manager
- Kommunale Bewertungsstellen und Gutachterausschüsse
- Selbstständige Sachverständigenkanzlei
- Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium mit Immobilien-, Bau- oder Wirtschaftsbezug, das drei bis fünf Jahre dauert. Darauf folgen mehrere Jahre Bewertungspraxis und eine Zertifizierung, etwa als zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung oder als HypZert-Gutachter. Wer Gerichtsaufträge übernehmen will, strebt die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch die IHK an.
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