Industriekaufmann/-frau
Industriekaufleute steuern die kaufmännischen Abläufe in Produktionsbetrieben – von der Materialbeschaffung über die Fertigungsplanung bis zu Vertrieb, Buchhaltung und Personalwesen. Sie arbeiten mit Zahlen, Verträgen und ERP-Systemen und wechseln im Laufe eines Berufslebens oft zwischen mehreren Abteilungen.
22 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Industriekaufmann/-frau verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.600 € | 3.000 € | 3.500 € | 36.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.300 € | 3.900 € | 4.700 € | 46.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.200 € | 5.000 € | 6.500 € | 60.000 € |
Entscheidend ist die Tarifbindung: In Betrieben der Metall- und Elektroindustrie (Tarifvertrag der IG Metall) oder der chemischen Industrie (BAVC/IGBCE) liegen die Gehälter deutlich über denen kleiner, nicht tarifgebundener Unternehmen. Auch die Abteilung wirkt sich aus – Einkauf und Controlling zahlen in der Regel besser als allgemeine Auftragsabwicklung.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Industriekaufmann?
Industriekaufleute organisieren die geschäftlichen Prozesse rund um die Produktion. Im Einkauf vergleichen sie Angebote, verhandeln Preise und Liefertermine, legen Bestellungen im ERP-System an und verfolgen offene Lieferungen. In der Materialwirtschaft überwachen sie Bestände, buchen Wareneingänge und klären Reklamationen mit Lieferanten. In der Fertigungssteuerung planen sie Aufträge ein und prüfen, ob Termine haltbar sind. Im Vertrieb kalkulieren sie Preise, schreiben Angebote, bearbeiten Kundenaufträge und stellen Rechnungen. Im Rechnungswesen kontieren und buchen sie Belege, wirken an Monats- und Jahresabschlüssen mit und erstellen Auswertungen für die Geschäftsführung. Auch Personalaufgaben gehören dazu: Arbeitszeiten erfassen, Bewerbungen sichten, Zeugnisse und Verträge vorbereiten.
Der Alltag besteht überwiegend aus Bildschirmarbeit, Telefonaten und E-Mails. SAP oder ein vergleichbares Warenwirtschaftssystem und Excel sind die zentralen Werkzeuge. Wer in einem Industriebetrieb arbeitet, hat regelmäßig Kontakt zur Produktion und muss verstehen, was dort technisch passiert – auch ohne selbst Techniker zu sein.
Wie wird man Industriekaufmann?
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung im Betrieb mit Berufsschule, die mit einer IHK-Prüfung endet. Rechtlich genügt ein mittlerer Schulabschluss, in der Praxis stellen viele Unternehmen Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur ein. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung auf zweieinhalb oder zwei Jahre möglich. Die Ausbildung führt durch mehrere Abteilungen, sodass am Ende eine Entscheidung für einen Schwerpunkt möglich ist.
Quereinstiege kommen vor, etwa aus anderen kaufmännischen Ausbildungen wie Kaufmann für Büromanagement oder Groß- und Außenhandel, oder über ein betriebswirtschaftliches Studium. Ohne kaufmännische Grundkenntnisse und ERP-Erfahrung ist der Einstieg schwierig, weil Betriebe in diesem Bereich selten von Null anlernen.
Was der Beruf verlangt
Gearbeitet wird in der Regel montags bis freitags zu Bürozeiten, häufig mit Gleitzeit und in Teilen im Homeoffice. Belastend sind vor allem die Termine: Monatsabschlüsse, Inventuren, Budgetrunden und Lieferengpässe erzeugen Phasen mit deutlich mehr Arbeit und Überstunden. Fehler wirken sich unmittelbar aus – eine falsch gebuchte Menge oder ein übersehener Liefertermin stoppt im Zweifel eine Fertigungslinie.
Der Beruf verlangt Genauigkeit über lange Strecken, auch bei Routinevorgängen, die wenig Abwechslung bieten. Wer ausschließlich mit Menschen arbeiten möchte, wird das enge Verhältnis zu Zahlen, Tabellen und Systemen als eintönig empfinden. Verhandlungen mit Lieferanten und Konflikte zwischen Vertrieb und Produktion erfordern Standfestigkeit. Englisch wird in exportorientierten Betrieben täglich gebraucht.
Aussichten
Industriekaufleute sind einer der am häufigsten ausgebildeten kaufmännischen Berufe und werden breit nachgefragt – in der Metall- und Elektroindustrie, im Maschinenbau, in der Chemie, in der Lebensmittelherstellung. Die Kehrseite: Standardaufgaben in Buchhaltung und Auftragsabwicklung werden zunehmend automatisiert, einfache Sachbearbeitung verliert an Gewicht.
Entwicklungswege führen über eine Spezialisierung, etwa in Einkauf, Controlling, Logistik oder Personal, und über Weiterbildungen zum Fachwirt, Bilanzbuchhalter oder Betriebswirt. Ein berufsbegleitendes BWL-Studium öffnet den Weg in Teamleitung und Abteilungsverantwortung. Wer in einem großen Konzern arbeitet, kann intern zwischen Bereichen und Standorten wechseln.
Aufgaben
- Angebote einholen, vergleichen und Preise mit Lieferanten verhandeln
- Bestellungen anlegen, Liefertermine verfolgen und Reklamationen klären
- Lagerbestände überwachen und Materialbedarf planen
- Kundenanfragen kalkulieren, Angebote und Aufträge bearbeiten
- Rechnungen erstellen, Belege kontieren und Zahlungseingänge prüfen
- An Monats- und Jahresabschlüssen sowie Kostenauswertungen mitwirken
- Fertigungsaufträge terminieren und mit der Produktion abstimmen
- Personalvorgänge wie Zeiterfassung, Verträge und Bewerbungen bearbeiten
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als Industriekaufmann/-frau oder vergleichbare kaufmännische Qualifikation
- Sicherer Umgang mit Excel und einem ERP-System, meist SAP
- Sorgfalt und Zahlenverständnis, auch bei gleichförmigen Vorgängen
- Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsfähigkeit im Kontakt mit Lieferanten und Kunden
- Englischkenntnisse, in exportorientierten Betrieben verhandlungssicher
- Bereitschaft zu Bildschirmarbeit über den ganzen Arbeitstag
Wo man arbeitet
- Produktionsbetriebe der Metall- und Elektroindustrie
- Maschinen- und Fahrzeugbau
- Chemie- und Pharmaunternehmen
- Lebensmittel- und Konsumgüterhersteller
- Zentralverwaltungen und Einkaufsabteilungen von Industriekonzernen
Der Weg in den Beruf
Der Standardweg ist die dreijährige duale Ausbildung im Industriebetrieb mit Berufsschulunterricht, abgeschlossen mit der IHK-Prüfung zum Industriekaufmann/zur Industriekauffrau. Bei Abitur oder guten Leistungen ist eine Verkürzung auf zwei bis zweieinhalb Jahre möglich. Alternativ führen ein betriebswirtschaftliches Studium oder ein duales BWL-Studium in vergleichbare Positionen.
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