Industriekaufmann
Industriekaufleute steuern kaufmännische Abläufe in Produktionsbetrieben: Sie beschaffen Material, kalkulieren Preise, betreuen Kunden und buchen Geschäftsvorfälle. Der Beruf ist eine der breitesten kaufmännischen Ausbildungen in der Industrie.
35 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Industriekaufmann verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.600 € | 3.100 € | 3.600 € | 37.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.300 € | 3.900 € | 4.600 € | 46.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.200 € | 5.000 € | 6.500 € | 60.000 € |
Entscheidend ist die Tarifbindung: In Betrieben der Metall- und Elektroindustrie oder der chemischen Industrie liegen die Gehälter nach IG-Metall- beziehungsweise BAVC-Tarif deutlich über denen kleiner, nicht tarifgebundener Zulieferer. Zusätzlich wirken Betriebsgröße, Region und die Funktion – strategischer Einkauf und Controlling zahlen besser als Auftragsbearbeitung.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Industriekaufmann?
Industriekaufleute arbeiten an den kaufmännischen Schnittstellen eines Produktionsbetriebs. In der Beschaffung vergleichen sie Angebote von Lieferanten, verhandeln Preise und Lieferfristen, lösen Bestellungen aus und prüfen Eingangsrechnungen. In der Produktionsplanung stimmen sie Termine mit Fertigung und Lager ab und verfolgen Aufträge, die ins Stocken geraten. Im Vertrieb kalkulieren sie Angebotspreise, erstellen Angebote, bearbeiten Kundenaufträge und klären Reklamationen. Im Rechnungswesen buchen sie Belege, wirken bei Monats- und Jahresabschlüssen mit und werten Kennzahlen aus, etwa Materialkosten pro Auftrag oder Deckungsbeiträge einzelner Produkte. Auch Personalthemen gehören dazu: Stellenausschreibungen vorbereiten, Arbeitszeiten erfassen, Daten für die Lohnabrechnung zuliefern.
Der Arbeitstag besteht überwiegend aus Bildschirmarbeit in einem ERP-System, aus Telefonaten und E-Mails mit Lieferanten und Kunden sowie aus Abstimmungen mit den technischen Abteilungen. Wer in der Produktion nachfragt, ob ein Teil rechtzeitig fertig wird, steht dabei auch in der Halle.
Wie wird man Industriekaufmann?
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule, die mit der Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer endet. Bei guten Leistungen oder vorhandener Hochschulzugangsberechtigung ist eine Verkürzung auf zweieinhalb oder zwei Jahre möglich. Betriebe erwarten in der Regel einen mittleren Schulabschluss, größere Industrieunternehmen häufig Abitur oder Fachhochschulreife. Wichtiger als Noten in allen Fächern sind solide Mathematik- und Deutschkenntnisse und brauchbares Englisch, weil viele Lieferketten international laufen.
Ein Quereinstieg gelingt Menschen mit anderer kaufmännischer Ausbildung, etwa aus dem Groß- und Außenhandel oder der Bürowirtschaft, oft über eine Stelle in Einkauf oder Auftragsbearbeitung. Wer aus einem technischen Beruf kommt, hat im industriellen Einkauf gute Karten, muss die kaufmännische Seite aber nachholen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist geregelt, meist Gleitzeit ohne Schichtdienst, in vielen Betrieben teilweise im Homeoffice. Belastend sind die Termine: Monatsabschluss, Inventur, Preisrunden mit Lieferanten und Kundenanfragen, die gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Fehler in Bestellmengen oder Kalkulationen haben unmittelbare Kostenfolgen, entsprechend genau muss gearbeitet werden. Wer Konflikte scheut, hat es im Einkauf und in der Reklamationsbearbeitung schwer, denn beide Rollen bestehen zu einem guten Teil aus unangenehmen Gesprächen.
Monotonie ist ein Thema: Viele Vorgänge wiederholen sich, und ein erheblicher Teil der Tätigkeit ist Datenpflege. In konjunkturschwachen Phasen der Industrie sind kaufmännische Bereiche früh von Sparprogrammen betroffen.
Aussichten
Industriekaufleute werden branchenübergreifend gesucht, von der Metall- und Elektroindustrie über Chemie und Kunststoff bis zur Lebensmittelherstellung. Die Ausbildung ist bewusst breit angelegt, das erleichtert Wechsel zwischen Abteilungen und Branchen. Routineaufgaben verschieben sich zunehmend in automatisierte Prozesse, gefragt sind dafür Kenntnisse in ERP-Systemen, Datenauswertung und Lieferantenmanagement.
Entwicklungswege führen über Fortbildungen zum Fachwirt oder Betriebswirt der Kammer, über Spezialisierungen im strategischen Einkauf, Controlling oder Vertrieb oder über ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaft. Teamleitung im Einkauf oder in der Auftragsabwicklung ist ein häufiger nächster Schritt.
Aufgaben
- Angebote einholen, vergleichen und mit Lieferanten verhandeln
- Bestellungen auslösen und Liefertermine überwachen
- Angebotspreise kalkulieren und Kundenaufträge bearbeiten
- Eingangs- und Ausgangsrechnungen prüfen und Belege buchen
- Kennzahlen auswerten und Abweichungen aufbereiten
- Reklamationen bearbeiten und Gutschriften veranlassen
- Produktionstermine mit Fertigung und Lager abstimmen
- Daten in ERP- und Warenwirtschaftssystemen pflegen
Voraussetzungen
- Mittlerer Schulabschluss, in größeren Betrieben häufig Abitur oder Fachhochschulreife
- Sicheres Rechnen, insbesondere Prozent- und Dreisatzrechnung
- Gutes schriftliches Deutsch für Geschäftskorrespondenz
- Englischkenntnisse für internationale Lieferanten und Kunden
- Sorgfalt im Umgang mit Zahlen und Fristen
- Verhandlungsbereitschaft und Belastbarkeit in Konfliktgesprächen
- Routine am Bildschirm und Bereitschaft, sich in ERP-Software einzuarbeiten
Wo man arbeitet
- Industriebetriebe der Metall- und Elektrobranche
- Chemie- und Kunststoffunternehmen
- Lebensmittel- und Konsumgüterhersteller
- Maschinen- und Anlagenbau
- Zulieferbetriebe der Automobilindustrie
Der Weg in den Beruf
Der übliche Weg ist die dreijährige duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule mit Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Bei guten Leistungen oder mit Abitur ist eine Verkürzung auf zwei bis zweieinhalb Jahre möglich. Danach führen Fortbildungen zum Fachwirt oder Betriebswirt sowie ein berufsbegleitendes BWL-Studium weiter.
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