Was macht ein Freileitungsmonteur?
Freileitungsmonteure arbeiten an den Strommasten, die Hoch- und Höchstspannungsleitungen über Land tragen. Sie errichten neue Masten, ziehen Leiterseile mit Winden und Seilzugmaschinen ein, montieren Isolatorenketten, Armaturen, Abstandhalter und Erdseile. Bei Wartungsarbeiten steigen sie auf die Traversen, prüfen Verbindungen und Korrosionsschutz, tauschen beschädigte Bauteile und bessern Beschichtungen aus. Nach Stürmen oder Eislast gehören sie zu den Ersten, die Schäden aufnehmen und Leitungen wieder in Betrieb bringen.
Ein großer Teil der Arbeit findet in der Höhe statt, gesichert mit persönlicher Schutzausrüstung, teils vom Hubsteiger, teils im Aufstieg über den Mast. Am Boden gehören Fundamentarbeiten, das Aufstellen von Schutzgerüsten über Straßen und Bahnstrecken, das Bedienen von Kränen und Seilzugwinden sowie das Führen von Montageprotokollen dazu. Gearbeitet wird fast immer im Kolonnenverbund, in dem jeder Handgriff abgestimmt ist – Kommunikation und Verlässlichkeit sind hier keine Nebensache.
Wie wird man Freileitungsmonteur?
Einen eigenen Ausbildungsberuf gibt es nicht mehr. Der übliche Weg führt über eine abgeschlossene Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik, Industrieelektriker, Metallbauer, Konstruktionsmechaniker oder in einem Bauberuf. Die Spezialisierung erfolgt beim Arbeitgeber: Netzbetreiber und Freileitungsbaufirmen schulen neue Kräfte in mehrwöchigen Lehrgängen in Höhenarbeit, Rettung aus der Höhe, Seilzugtechnik und den Regeln für Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Anlagen. Quereinstiege aus dem Gerüstbau, der Industriekletterei oder dem Bauhandwerk sind verbreitet, wenn die elektrotechnischen Grundlagen nachgeholt werden. Wer weiterkommen will, kann sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit, zum Kolonnenführer, Monteurmeister oder Bauleiter qualifizieren.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist körperlich anspruchsvoll und wetterabhängig. Gearbeitet wird im Freien, oft auf Feldern und in schwer zugänglichem Gelände, im Sommer bei Hitze und im Winter bei Frost. Höhentauglichkeit muss arbeitsmedizinisch nachgewiesen werden (G 41), Schwindelfreiheit ist Grundbedingung. Das Heben von Armaturen, Seilrollen und Werkzeug belastet Rücken und Schultern über die Jahre.
Hinzu kommt die Montagetätigkeit: Baustellen liegen quer über Deutschland, Wochen unter der Woche im Hotel oder in der Pension sind Normalfall, nicht Ausnahme. Wer Familie hat, muss das mit einplanen. Abschaltfenster für Leitungen liegen häufig nachts, an Wochenenden oder in Schwachlastzeiten, Störungsdienste erfordern Rufbereitschaft. Sicherheitsregeln sind streng, weil Fehler bei Höhe und Spannung nicht verzeihen – Disziplin zählt mehr als Tempo.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und bleibt es voraussichtlich für Jahrzehnte. Der Netzausbau für erneuerbare Energien, die großen Nord-Süd-Verbindungen und die Erneuerung jahrzehntealter Bestandsleitungen binden mehr Monteure, als der Markt hergibt. Freileitungsbaufirmen und Netzbetreiber suchen dauerhaft Personal und nehmen auch Umsteiger. Wer die Montagebereitschaft mitbringt, findet in der Regel schnell eine unbefristete Stelle. Entwicklungswege führen zum Kolonnen- oder Bauleiter, in die Arbeitsvorbereitung, in die Ausbildung von Nachwuchskräften oder in Prüf- und Sicherheitsfunktionen im Netzbetrieb. Wer körperlich nicht mehr in die Höhe kann, wechselt oft in Planung, Disposition oder Instandhaltungssteuerung.