Was macht ein Fahrer / Lagerist?
Die Doppelfunktion aus Fahrer und Lagerist ist in kleineren und mittleren Betrieben verbreitet: vormittags Ware kommissionieren, nachmittags ausliefern, oder umgekehrt. Im Lager werden Lieferungen angenommen, auf Menge und Beschädigungen geprüft, mit dem Lieferschein abgeglichen und eingelagert. Bestellungen werden anhand von Picklisten oder per Handscanner zusammengestellt, verpackt, gewogen und für den Versand vorbereitet. Dazu kommen Bestandskontrollen, Inventuren und das Aufräumen der Lagerflächen.
Auf der Straße geht es um Tourenplanung, Ladungssicherung und Übergabe beim Kunden. Der Fahrer quittiert Lieferungen, nimmt Retouren und Leergut mit, kassiert gelegentlich Barzahlungen und ist für viele Kunden das einzige Gesicht des Unternehmens. Gefahren wird meist mit Transportern bis 3,5 Tonnen, im gewerblichen Bereich auch mit Lkw bis 7,5 Tonnen. Vor Fahrtbeginn steht die Abfahrtkontrolle: Reifen, Licht, Flüssigkeiten, Ladefläche.
Wie wird man Fahrer / Lagerist?
Ein geregelter Ausbildungsberuf mit genau diesem Namen existiert nicht. Viele Betriebe stellen Bewerber mit Führerschein Klasse B und Staplerschein direkt ein und schulen im Betrieb an. Wer eine Ausbildung machen will, wählt Fachlagerist (zwei Jahre) oder Fachkraft für Lagerlogistik (drei Jahre); für das Fahren größerer Fahrzeuge kommt der Berufskraftfahrer infrage. Der Quereinstieg ist einer der offensten überhaupt, auch ohne Schulabschluss und in höherem Alter. Führerschein C1 oder C und die Grundqualifikation nach Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz lassen sich später nachholen, oft mit Förderung durch die Agentur für Arbeit oder den Arbeitgeber.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Pakete, Getränkekisten, Möbelteile oder Baustoffe werden von Hand bewegt, im Lager oft bei Zugluft, in Kühlbereichen bei Kälte, im Sommer unter Hallendächern bei Hitze. Rücken und Knie werden dauerhaft belastet. Der Arbeitstag beginnt häufig zwischen fünf und sieben Uhr, Überstunden entstehen, wenn eine Tour länger dauert als geplant. In Handel und Speditionen sind Samstagsarbeit und Schichtbetrieb üblich.
Dazu kommt Zeitdruck: Zustellfenster, Kommissionierquoten und Rampenzeiten sind vorgegeben. Fehler beim Picken oder bei der Ladungssicherung haben unmittelbare Folgen, von Reklamationen bis zu Bußgeldern bei Kontrollen. Wer im Lieferverkehr in Städten unterwegs ist, verbringt viel Zeit mit Parkplatzsuche und Staus. Zuverlässigkeit zählt mehr als Qualifikation, unentschuldigtes Fehlen wird schnell zum Kündigungsgrund.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Onlinehandel, Ersatzteillogistik und Lebensmittelverteilung brauchen dauerhaft Personal, und viele Betriebe finden seit Jahren zu wenige Bewerber. Wer einen Lkw-Führerschein und Erfahrung mitbringt, hat kaum Probleme, eine Stelle zu finden.
Entwicklungswege führen über Zusatzqualifikationen: Gefahrgutschein nach ADR, Kranführerschein, Ladungssicherungsschein, Schulungen für Flurförderzeuge über den Standardstapler hinaus. Im Lager sind Schichtführung, Bestandsverwaltung und später der Fachwirt für Logistiksysteme möglich. Automatisierung verändert die Lagerarbeit, ersetzt sie aber bislang vor allem in großen Distributionszentren; das Ausliefern und die letzte Meile bleiben Handarbeit. Wer langfristig planen will, sollte einkalkulieren, dass die körperliche Belastung mit den Jahren spürbar wird.