Was macht ein ERP Application Manager?
Ein ERP-System ist die Software, in der ein Unternehmen seine Aufträge, Lagerbestände, Rechnungen, Personaldaten und Buchungen führt. Fällt es aus oder rechnet falsch, steht der Betrieb. ERP Application Manager verantworten genau diese Anwendung: Sie konfigurieren Module, richten Berechtigungen ein, pflegen Stammdaten-Regeln, testen Updates vor dem Einspielen und analysieren Fehlermeldungen aus dem Tagesgeschäft.
Ein großer Teil der Arbeit ist Übersetzungsarbeit. Die Buchhaltung will einen anderen Rechnungsworkflow, der Vertrieb braucht ein neues Auswertungsfeld, das Lager kommt mit der Kommissionierlogik nicht zurecht. Der Application Manager nimmt diese Wünsche auf, prüft, was im Standard möglich ist und was Programmierung erfordert, schätzt Aufwand und Risiko und beauftragt bei Bedarf externe Entwickler oder Beratungshäuser. Dazu kommen Projekte: Einführung eines neuen Moduls, Umstellung auf eine neue Release-Version, Anbindung eines Webshops oder einer Zeiterfassung über Schnittstellen. Zwischendurch schult man Anwender, schreibt Dokumentation und beantwortet Tickets im Second-Level-Support.
Wie wird man ERP Application Manager?
Der häufigste Weg führt über ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Informatik oder Betriebswirtschaft mit IT-Schwerpunkt. Ebenso verbreitet ist der Einstieg über eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder zum Kaufmann für IT-Systemmanagement, gefolgt von einigen Jahren Praxis. Es ist außerdem ein klassischer Beruf für interne Aufsteiger: Wer in der Buchhaltung, im Einkauf oder in der Disposition jahrelang mit dem System gearbeitet hat und sich für die Technik interessiert, wird zum Key User und von dort in die Systembetreuung geholt. Prozesswissen aus der Fachabteilung ist in diesem Beruf oft wertvoller als Programmierkenntnisse. Wichtig sind Herstellerzertifizierungen, etwa in SAP-Modulen wie FI, MM oder SD, in Microsoft Dynamics 365 oder in der jeweils eingesetzten Mittelstandslösung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm, häufig mit Homeoffice-Anteil. Belastend sind die Spitzen: Monats- und Jahresabschluss, Inventur, Release-Wechsel und Go-Live-Termine liegen oft am Wochenende oder in der Nacht, weil das System dann nicht produktiv gebraucht wird. Bei Störungen im laufenden Betrieb steht man unter Druck, weil sofort mehrere Abteilungen nicht arbeiten können. Rufbereitschaft kommt in größeren Unternehmen vor.
Wer nur programmieren will, ist hier falsch. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Abstimmung, Priorisierung widersprüchlicher Wünsche und Geduld mit Anwendern, die dieselbe Frage zum dritten Mal stellen. Umgekehrt braucht es die Bereitschaft, sich in Buchhaltungslogik, Steuerrecht oder Logistikprozesse einzulesen. ERP-Landschaften sind oft über Jahre gewachsen und schlecht dokumentiert, was systematisches Vorgehen und Frustrationstoleranz erfordert.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Fast jedes mittlere und große Unternehmen betreibt ein ERP-System, und die laufende Umstellung von Altsystemen auf Cloud-Versionen wie SAP S/4HANA bindet auf Jahre Kapazität. Erfahrene Kräfte mit gefragter Modulkenntnis finden leicht eine Stelle, auch quer über Branchen hinweg.
Entwicklungswege führen in die Spezialisierung auf ein Modul oder eine Technologie, in die Leitung eines Applikationsteams oder der IT-Abteilung, ins Projekt- und Programmmanagement oder in die externe Beratung, die höher zahlt, aber Reisetätigkeit mitbringt.