Was macht ein Demand Planner?
Ein Demand Planner erstellt Absatzprognosen. Grundlage sind historische Verkaufszahlen, Saisonverläufe, Preisänderungen, geplante Werbeaktionen, Neueinführungen und Rückmeldungen aus dem Vertrieb. Aus diesen Daten entsteht ein Forecast auf Artikel-, Kunden- oder Länderebene, meist rollierend über zwölf bis achtzehn Monate und monatlich oder wöchentlich aktualisiert.
Die Arbeit findet zu einem großen Teil in Planungssystemen und Tabellen statt: Zeitreihen bereinigen, Ausreißer erklären, statistische Modelle parametrisieren, Prognosegüte messen. Der zweite große Teil ist Abstimmung. Im monatlichen Sales-and-Operations-Planning-Zyklus bringt der Demand Planner Vertrieb, Marketing, Produktion und Einkauf an einen Tisch, konfrontiert optimistische Absatzpläne mit der tatsächlichen Nachfrage und dokumentiert, auf welche Zahl sich das Unternehmen einigt. Wenn Bestände zu hoch laufen oder Artikel ausverkauft sind, muss der Demand Planner erklären, woran es lag.
Wie wird man Demand Planner?
Der übliche Weg führt über ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Logistik, Supply Chain Management oder Wirtschaftsmathematik. Auch ein technisches oder statistisches Studium mit betriebswirtschaftlichem Zusatz passt. Eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Industriekaufmann oder Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung, kann der Einstieg sein, wenn Berufserfahrung in Disposition, Einkauf oder Vertriebsinnendienst dazukommt.
Quereinstiege sind verbreitet, weil der Beruf selten ausgebildet, sondern meist im Unternehmen erlernt wird. Wer aus der Disposition, dem Controlling oder dem Vertriebsinnendienst kommt, kennt die Datenlage bereits. Entscheidend sind Kenntnisse in Excel auf fortgeschrittenem Niveau, Erfahrung mit ERP-Systemen wie SAP und zunehmend mit Planungssoftware wie SAP IBP, o9, Kinaxis oder Blue Yonder. Auswertungen mit SQL, Power BI oder Python sind in datengetriebenen Unternehmen erwartet. Zertifikate wie CPIM oder CSCP der ASCM sind anerkannt, aber keine Voraussetzung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit in geregelten Zeiten, Homeoffice ist meist möglich. Belastend ist der Monatsrhythmus: Zum Planungsstichtag verdichten sich Termine, Datenläufe und Abstimmungen, dann wird es eng. Wer Zahlen liefert, an die sich Produktion und Einkauf binden, trägt Verantwortung für Fehlmengen und für Lagerbestände, die Kapital binden.
Schwer fällt vielen der Widerspruch zwischen Analyse und Politik. Der Vertrieb plant gern hoch, das Werk will gleichmäßige Auslastung, das Controlling will niedrige Bestände. Ein Demand Planner muss diese Interessen aushalten, seine Zahl begründen und trotzdem kompromissfähig bleiben. Dazu kommt, dass Prognosen regelmäßig falsch sind. Wer schlecht damit umgehen kann, dass die eigene Arbeit messbar von der Realität abweicht, wird in diesem Beruf unglücklich. In internationalen Konzernen läuft die Abstimmung auf Englisch, teils über Zeitzonen hinweg.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis steigend. Lieferkettenstörungen der vergangenen Jahre haben Unternehmen dazu gebracht, Planungsfunktionen auszubauen und zu professionalisieren. Gesucht werden vor allem Menschen, die Statistik und Systemkenntnis mit Kommunikationsfähigkeit verbinden.
Entwicklungswege führen zum Senior oder Lead Demand Planner, zur Verantwortung für einen ganzen Planungsprozess, in die Leitung von Supply Chain Planning oder in Projektrollen bei der Einführung von Planungssoftware. Auch der Wechsel in Beratung, Einkaufsleitung oder Vertriebssteuerung ist üblich. Automatisierung nimmt den Routineteil der Prognose ab, verschiebt die Rolle aber eher zum Analysieren und Moderieren, als dass sie sie ersetzt.