Was macht ein Vertriebscontroller?
Vertriebscontroller beobachten, was der Vertrieb einbringt und was er kostet. Sie werten Umsätze nach Produkten, Kunden, Regionen und Vertriebswegen aus, rechnen Deckungsbeiträge und Margen, prüfen Rabatte, Boni und Konditionen und stellen fest, wo Erlöse verloren gehen. Aus diesen Auswertungen entstehen Monatsberichte, Abweichungsanalysen zwischen Plan und Ist sowie Forecasts für die kommenden Quartale.
Ein großer Teil der Arbeit ist Planung: Umsatzziele je Gebiet und Kundengruppe, Absatzmengen, Provisions- und Reisebudgets. Vertriebscontroller berechnen Provisionen und Zielerreichungen der Außendienstmitarbeiter, bewerten Preisanfragen und Sonderkonditionen und prüfen Investitionen in neue Vertriebskanäle. Dazu kommt die technische Seite: Daten aus ERP- und CRM-Systemen zusammenführen, Kennzahlen definieren, Dashboards in BI-Werkzeugen bauen und pflegen, Datenfehler aufspüren.
Der Beruf lebt vom Gespräch. Vertriebscontroller sitzen mit Regionalleitern und Key-Account-Managern zusammen, erklären Zahlen, hinterfragen optimistische Prognosen und begründen, warum ein Geschäft trotz hohem Umsatz wenig Ertrag bringt. Sie berichten an die Vertriebs- oder Geschäftsleitung und arbeiten eng mit dem Finanzcontrolling, dem Rechnungswesen und dem Produktmanagement zusammen.
Wie wird man Vertriebscontroller?
Üblich ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik oder Volkswirtschaft, gern mit Schwerpunkt Controlling, Finanzen oder Marketing. Der Einstieg erfolgt oft als Junior Controller, Business Analyst oder Sales Analyst. Ein zweiter Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Industriekaufmann, mit anschließender Weiterbildung zum Controller oder zum Bilanzbuchhalter und mehreren Jahren Praxis.
Quereinstiege aus dem Vertrieb selbst sind verbreitet: Wer im Innendienst oder als Gebietsverkäufer gearbeitet hat und sich mit Auswertungen auskennt, bringt Marktverständnis mit, das reine Zahlenmenschen erst erwerben müssen. Verlangt wird dann meist der Nachweis solider Kenntnisse in Kostenrechnung und Datenanalyse. Sichere Beherrschung von Excel gilt überall als Grundvoraussetzung, zunehmend auch SQL, Power BI oder Tableau und Erfahrung mit SAP.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind grundsätzlich geregelt, die Belastung aber ungleich verteilt. Monats- und Quartalsabschlüsse, die Jahresplanung im Herbst und Forecast-Runden erzeugen Spitzen mit Überstunden und engen Fristen. Wer Berichte für Aufsichtsräte oder Konzernmütter liefert, arbeitet unter Termindruck, der sich nicht verschieben lässt.
Schwer fällt vielen die Rolle: Vertriebscontroller melden unangenehme Zahlen und stehen damit zwischen Vertrieb und Geschäftsführung. Wer Konflikte scheut oder Kritik an eigenen Auswertungen persönlich nimmt, tut sich schwer. Dazu kommt viel unspektakuläre Datenpflege, unsaubere Stammdaten und die Erkenntnis, dass ein Bericht nur so gut ist wie das System, aus dem er stammt. Der Job ist sitzende Bildschirmarbeit, gelegentlich mit Reisen zu Vertriebsstandorten.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in Industrie, Handel und Pharma dauerhaft vorhanden, weil Unternehmen ihre Vertriebskosten und Margen genauer steuern als früher. Standardberichte werden automatisiert, das verschiebt die Anforderungen zur Analyse, Modellierung und Beratung des Vertriebs. Kenntnisse in Datenbanken und BI-Werkzeugen sind deshalb eher Pflicht als Zusatz.
Entwicklungswege führen zur Leitung des Vertriebscontrollings, ins Gesamtcontrolling, ins Pricing- oder Business-Development oder in eine Vertriebsleitung. Auch der Schritt in die Beratung ist möglich. Wer international arbeiten will, braucht verhandlungssicheres Englisch.